Nach der Beschädigung eines nun führerlos im
Mittelmeer treibenden russischen Gastankschiffes Arctic Metegaz hat die russische Regierung die Anrainerstaaten dazu aufgefordert, eine Umweltkatastrophe zu verhindern. “Die auf die
derzeitige Lage anwendbaren internationalen Rechtsnormen sehen vor, dass
die Küstenländer (die sogenannten betroffenen Staaten) für die Lösung
der Situation mit dem driftenden Schiff und die Verhinderung einer
Ökokatastrophe verantwortlich sind”, sagte die Sprecherin des russischen
Außenministeriums, Maria Sacharowa.
Wie
sich die russische Regierung weiter verhalten werde, hänge von den gegebenen Umständen
ab. Russland nehme seine Verantwortung als Flaggennation wahr und behalte die Lage unter Kontrolle, indem die Regierung den
Kontakt zum Schiffseigner als auch zu den verantwortlichen Behörden der
Anrainerstaaten halte, sagte Sacharowa. Die russische Regierung behalte sich jedoch weitere
rechtliche Schritte vor, sobald die juristische Einschätzung des
Vorfalls durch die eigenen Sicherheitsbehörden abgeschlossen sei.
Russischer Gastanker befindet sich auf EU-Sanktionslisten
Vor rund zwei Wochen hatten sich an Bord des Tankers mehrere Explosionen ereignet. Dadurch wurde ein Brand ausgelöst. Der Gastanker Arctic Metegaz befand sich damals rund 240 Kilometer nördlich der libyschen
Hafenstadt Sirte. Nach russischen Angaben wurden die 30
Besatzungsmitglieder nach den Explosionen gerettet.
Russland
wirft der Ukraine vor, das Schiff mit Wasserdrohnen angegriffen zu
haben. Die ukrainische Regierung hat sich bislang nicht offiziell zu dem Vorfall geäußert. Die Arctic Metagaz befindet sich auf
Sanktionslisten der Europäischen Union und der USA, die das Schiff der
russischen “Schattenflotte” zurechnen.
Tanker hat offenbar zunehmend Schlagseite
Die libysche Küstenwache hatte nach der Explosion zunächst mitgeteilt, das Schiff sei untergegangen. Später tauchten
jedoch Fotos auf, die den Tanker mit erheblicher Schlagseite zeigen.
Das Schiff driftet demnach in Richtung Malta.
Nach Angaben der russischen Regierung hat sich die Schlagseite zuletzt verstärkt. Zudem seien
Explosionen zu hören und vereinzelt Feuer zu sehen. Auf dem Schiff befänden sich außerdem noch erhebliche Mengen an Treibstoff.
Umweltorganisation warnt vor “dauerhafter Verschmutzung”
Die maltesischen Schifffahrtsbehörden warnen
bereits seit Tagen, der Gastanker könne zur Gefahr für andere Schiffe
werden. Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni berief in Rom bereits eine Krisensitzung wegen des Vorfalls ein.
Wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete, befindet sich ein Schlepper der italienischen Marine in der Nähe des Tankers. Falls erforderlich, soll demnach zudem ein Spezialschiff zur Bekämpfung von
Umweltverschmutzungen eingesetzt werden.
Die Umweltschutzorganisation WWF hatte in der vergangenen Woche bereits vor dem Austritt des auf dem Schiff befindlichen Treibstoffs gewarnt. Dieser könne
zu einer “dauerhaften Verschmutzung” in dem Meeresgebiet führen, das zu
den artenreichsten im Mittelmeerraum zählt.
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