Stromversorgung: Stromausfall in Reutlingen – Was wir wissen und was nicht

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Nach einem Brand in einem Umspannwerk ist der Strom in der Region Reutlingen in Tausenden von Haushalten ausgefallen. Der Netzbetreiber spricht von Hinweisen auf eine Brandstiftung. Waren tatsächlich Saboteure am Werk? Und wie lange dauern die Einschränkungen noch?

Was wir wissen

  • Brand: Die Feuerwehr wurde um 1.43 Uhr über den Stromausfall informiert. Zwei Minuten später erhielt die Feuerwehr den Hinweis auf den Brand im Umspannwerk. Nach Angaben der Einsatzkräfte standen zwei Trafos in Flammen. Nach Angaben der Stadt konnte der Brand gegen 2.15 Uhr unter Kontrolle gebracht und gegen 3.30 Uhr gelöscht werden. Das Umspannwerk Mitte ist laut Stadt seit 6.00 Uhr wieder in Betrieb. Insgesamt waren 200 Helfer im Einsatz.
     
  • Stromausfall: Laut Netze BW begann die Störung gegen 1.37 Uhr im Umspannwerk Reutlingen-West, kurze Zeit später fiel das gesamte Umspannwerk aus. Das Umspannwerk wird von der Netze BW und der FairNetz, die für die örtliche Versorgung des Stadtgebiets Reutlingen zuständig ist, gemeinsam betrieben. Da vom Umspannwerk Reutlingen‑West aus auch zwei starke Leitungen zum Umspannwerk Reutlingen‑Mitte führen, war laut Betreiber auch dieses Umspannwerk betroffen. 
     
  • Ausmaß: In der Spitze waren etwa 20.000 Haushalte ohne Strom. Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel (CDU) sprach von 7.600 Gebäuden und rund 40.000 betroffenen Menschen. Ab etwa 6.00 Uhr wurde die Kernstadt Reutlingen wieder mit Strom versorgt. Am Nachmittag wurde laut Stadt Reutlingen ein großer Teil der Privathaushalte in Betzingen und Ohmenhausen wieder an die Stromversorgung angeschlossen. Ohne Strom sind das Industriegebiet Mark West, das gilt auch für die Gemeinden Kirchentellinsfurt und Wannweil. Wichtig sei es vor allem, die Bevölkerung wieder mit Strom zu versorgen – auch mit Provisorien, sagte Jens Balcerek von den Stadtwerken. Er äußerte am Abend die Hoffnung, dass noch am Montag fast alle Privathaushalte wieder mit Strom versorgt werden können. 
     
  • Einschränkungen: Für Menschen ohne Stromversorgung wird in der Nacht ein Notfalltreffpunkt eingerichtet, wie Bürgermeister Roland Wintzen sagte. Dort sollen Menschen etwa ihr Handy laden oder Babynahrung erwärmen können. Die Einschränkungen für die Menschen sollten so gering wie möglich gehalten werden. Eine zusätzliche Einsatzhundertschaft soll vor allem Streifen laufen, damit sich Menschen und Wirtschaft sicher fühlen können, wie Hagel ankündigte. Betroffen war auch das Reutlinger Kreisklinikum. Die Notstromaggregate seien sofort angesprungen, hieß es dort. Insgesamt seien zehn Operationen verschoben worden. Mittlerweile hat das Klinikum wieder Strom, wie Hagel sagte. 
     
  • Spuren: Nach Angaben des Netzbetreibers Netze BW sind drei Brandstellen gefunden worden. Außerdem seien der Zaun und das Gelände vor der Anlage beschädigt, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Die Ermittler äußern sich dazu nicht. Nach Angaben von Oberbürgermeister Thomas Keck müssen drei zeitgleiche Brände nicht zwangsläufig auf eine Brandstiftung hindeuten. «Bei technischen Dingen kann es auch sein, dass Brände gleichzeitig ausbrechen.»

Was wir nicht wissen

  • Ursache: Sie ist noch nicht gänzlich geklärt. Landesinnenminister Hagel sagte am Abend, ermittelt werde «ergebnisoffen» in alle Richtungen, auch ob ein Anschlag vorliege oder gar ein terroristischer Akt. Das Staatsschutz- und Anti-Terrorismus-Zentrum des Landes hat die Ermittlungen übernommen. Ein Sprecher des Landeskriminalamtes in Stuttgart sprach von «Anzeichen, dass ein Brandbeschleuniger benutzt wurde.» Nach Einschätzung aus Sicherheitskreisen könnte der Brand gezielt gelegt worden sein. Die Vorgehensweise deute auf linksextremistische Täter hin und weise Parallelen etwa zu entsprechenden Taten in Berlin auf, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur. Bislang wurden keine Bekennerschreiben veröffentlicht. 
     
  • Dauer: Erste Reparaturarbeiten haben begonnen. Unklar ist, wann die Stadt und die umliegenden Gemeinden wieder ohne Einschränkungen am Netz hängen. «Eine belastbare Prognose zur vollständigen Wiederherstellung der Stromversorgung ist derzeit noch nicht möglich», teilte die Stadtverwaltung mit. Nach Angaben von Richard Huber (Netze BW) könnte es bis zur Vollversorgung rund 48 Stunden dauern. 
     
  • Schaden: Bislang wird der Schaden nach dpa-Informationen auf mehrere Millionen Euro geschätzt. Offizielle Schätzungen dazu gibt es nicht. 

© dpa-infocom, dpa:260608-930-190034/5

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