Nach Einschätzungen des Bundesinnenministeriums ist das nächtliche Feuer in einem Umspannwerk in Reutlingen, das einen großflächigen Stromausfall in der Region ausgelöst hat, durch einen Brandanschlag ausgelöst worden. »Wir gehen davon aus, dass es sich hier aller Wahrscheinlichkeit nach um
einen Brandanschlag handelt«, sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) am Abend im
ZDF. Entsprechende Spuren seien ermittelt worden.
»Es gibt Anzeichen, dass ein
Brandbeschleuniger benutzt wurde«, teilte ein Sprecher des
Landeskriminalamts in Stuttgart mit. Am Brandort seien Spuren gesichert
worden. Diese müssten nun ausgewertet werden. Hinweise für mögliche Tatverdächtige oder Motive gebe es derzeit noch nicht. Die Ermittlungen laufen weiter. Dobrindt sagte im ZDF weiter: »Jetzt geht es darum, dass man in alle Richtungen weiter ermittelt, um
die Grundlage dieses Brandanschlags und die Täter entsprechend auch zu
ermitteln.«
Sicherheitskreise deuten auf Parallelen zu den Berliner Anschlägen hin
Nach Angaben von Sicherheitskräften deutet die Vorgehensweise zunächst auf linksextremistische Täter hin, berichtete die Deutsche Presse-Agentur. Sie weise Parallelen zu den zwei mutmaßlich linksextremistischen Brandanschlägen auf die Stromversorgung in Berlin auf. Hinweise auf einen möglichen Drahtzieher im Ausland gebe es nicht.
Der baden-württembergische Innenminister
Manuel Hagel (CDU) verwies ebenfalls auf die Vermutung der Ermittler, dass Brandstiftung die Ursache sein könnte. Der Verdacht laute auf »vorsätzliche Brandlegung und Störung
öffentlicher Betriebe«, sagte er. Die Ermittlungen wurden vom Staatsschutz und dem Antiterrorzentrum des Landeskriminalamts übernommen. Für eine endgültige Bewertung sei es aber noch zu früh. Die Ermittlungen würden »ergebnisoffen in alle Richtungen« geführt, sagte Hagel. Dabei müsse auch geklärt werden, ob tatsächlich »ein Brandanschlag hier vorliegt
oder gar ein terroristischer Akt vorliegt«. Laut dem baden-württembergischen Verfassungsschutz gibt es bisher kein Bekennerschreiben.
Zuvor hatte auch der Netzbetreiber Netze BW auf Hinweise verwiesen, die auf
Brandstiftung hindeuteten. Es seien drei Brandstellen gefunden worden, außerdem seien der
Zaun und das Gelände vor der Anlage beschädigt, sagte ein Sprecher.
7.600 Haushalte zeitweise ohne Strom
In der Nacht hatte es im Umspannwerk Reutlingen-West gebrannt. Das Werk fiel aus und zog eine weitere Anlage in Mitleidenschaft. Dadurch waren rund 7.600 Haushalte ohne Strom, auch ein Krankenhaus war betroffen. Neben der 120.000-Einwohner-Stadt
Reutlingen waren auch Teile der benachbarten Gemeinden Wannweil und
Kirchentellinsfurt ohne Stromversorgung.
Nach Angaben der Stadt konnte das Umspannwerk seinen Betrieb nach
mehreren Stunden wieder aufnehmen, weshalb die Innenstadt und damit auch
das Krankenhaus wieder mit Strom versorgt wurden. Für die Haushalte ohne Stromversorgung wurde für die Nacht ein Notfalltreffpunkt eingerichtet. Dort sollen Menschen zum Beispiel ihr Handy aufladen
oder Babynahrung erwärmen können. Zudem soll in den Gebieten ohne Strom in der Nacht eine Einsatzhundertschaft
unterwegs sein, damit sich die Menschen sicher fühlen können, teilte Minister Hagel mit.
Parallelen zu den Berliner Brandanschlägen
Der Vorfall erinnert an die zwei mutmaßlich
linksextremistischen Brandanschläge auf die Stromversorgung in Berlin. Von dem
ersten Anschlag am 9. September 2025 auf zwei Strommasten waren zeitweise rund
50.000 Privathaushalte und rund 2.000 Gewerbebetriebe betroffen. Der
Stromausfall dauerte rund 60 Stunden, erst am Nachmittag des 11. September hatten
wieder alle Haushalte Strom. Am 3. Januar wurden fünf Hoch- und zehn
Mittelspannungskabel auf einer Kabelbrücke zerstört. Der Stromausfall dauerte
bis zum 7. Januar an. Der Stromausfall sorgte zudem dafür, dass viele Zentralheizungen
nicht mehr liefen.
In Berlin läuft seitdem eine intensive Debatte über mehr
Sicherheit für die Stromversorgung. Das Land Berlin will bis in die 2030er-Jahre alle Stromkabel in Berlin unterirdisch verlegen. Derzeit gilt dies für 99
Prozent. Der Netzbetreiber Stromnetz Berlin investiert dieses Jahr einen
zweistelligen Millionenbetrag in Sicherheitstechnik und Wachschutz, um weitere
Angriffe auf die kritische Infrastruktur zu verhindern.
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