Jorge Martin hat beim Grand Prix von Malaysia doch das Handtuch geworfen. Am Samstagvormittag fuhr der Aprilia-Fahrer im halbstündigen Freien Training acht Runden und belegte mit 1,843 Sekunden Rückstand den 21. und letzten Platz.
Anschließend blieb seine Box in Q1 leer. Gemeinsam mit dem Team und mit MotoGP-Arzt Dr. Angel Charte wurde die Entscheidung getroffen, das Rennwochenende in Sepang zu beenden.
“Jorge fühlte sich heute eigentlich besser als gestern und hatte keine besonderen Schmerzen”, sagt Teammanager Paolo Bonora gegenüber DAZN Spanien. “Das Problem ist, dass er bei harten Bremsmanövern nicht effektiv bremsen konnte.”
“Er verlor mehrere Sekunden, und es ergab keinen Sinn, diese Risiken einzugehen. Sein Zustand hat sich im Vergleich zu gestern verbessert, es ist also nur eine Frage der Zeit.”
“Er kann das Motorrad fahren, aber sobald er im Qualifying-Modus ist und voll pushen muss, signalisiert ihm sein Körper Stopp. Ihm fehlt einfach die Kraft, vor allem bei extrem harten Anbremszonen.”
“Das ist keine einfache Entscheidung. Wir kämpfen um die Weltmeisterschaft. Jeder Punkt zählt. Für uns stehen seine Sicherheit und seine Gesundheit jedoch an erster Stelle. Unser Entschluss ist definitiv der richtige Schritt.”
Martin zur Aufgabe: “Hätte nichts aus der Vergangenheit gelernt”
Nach dem Qualifying sprach auch Martin über die Entscheidung, das Wochenende zu beenden. Er sei stolz darauf, was trotz des gebrochenen rechten Handgelenks möglich war. Aber Rennen kamen aufgrund der Verletzung noch zu früh.
“Ich habe es versucht, ich habe mein Bestes gegeben und versucht, zu fahren, aber der Heilungsprozess befindet sich natürlich noch in einer frühen Phase. Die Heilung schreitet schnell voran, reicht aber nicht aus, um wirklich konkurrenzfähig zu sein.”
“Ich hatte das Gefühl, nahezu schmerzfrei fahren zu können, allerdings vielleicht für eine einzige Runde. Danach begannen heftige Schmerzen, und ich konnte keine konstanten Zeiten mehr fahren.”
Jorge Martin konnte in Sepang zwar fahren, aber nicht pushen
Foto: Mirco Lazzari gp/Getty Images
“Als wir die Rundenzeiten und meine Leistung sahen, haben wir uns entschieden, aufzuhören und abzuwarten”, so Martin und nennt die Realität: “Es wäre extrem schwierig geworden, überhaupt einen einzigen WM-Punkt zu holen.”
“Es war keine gute Idee, weiterzumachen, denn wenn ich so weitermache, lerne ich nichts aus der Vergangenheit. Das ist mir früher schon passiert, und ich wollte weder stürzen noch eine schwerere Verletzung riskieren.”
“Wie schon gesagt: Ich war nicht in der Verfassung, zwanzig Runden durchzustehen. Es war sinnlos, weitere Runden zu drehen und die Hand noch mehr zu strapazieren.”
Im Training am Freitagnachmittag hatte Martin in der Linkskurve 12 einen Rutscher und beendete anschließend das Training nach nur drei Runden. Martin betont aber, dass dieser Rutscher keinerlei Auswirkungen auf die rechte Hand hatte.
“Nein, überhaupt nicht”, sagt er konkret zu dieser Situation. “Allerdings fehlte mir definitiv die Kraft, die ich mir eigentlich wünsche. Sobald der Schmerz einsetzt, muss ich den Lenker entlasten.”
Das Ziel lautet, es in Katar erneut zu versuchen
Der weitere Plan sieht vor, dass Martin nach Spanien fliegt, um das Rehabilitationsprogramm für das rechte Handgelenk fortzusetzen. Er hat sich fest vorgenommen, am kommenden Wochenende in Katar anzutreten.
“In dieser Woche gab es bereits enorme Fortschritte. Wir hoffen deshalb, dass es sich bis Katar nach einer weiteren Woche nochmals deutlich verbessert. In Katar werde ich mich sicherlich besser fühlen, das steht fest.”
Martin wird von Aitor Tomas, dem Physiotherapeuten der Playmaker-Agentur, betreut. Diese Managementfirma kümmert sich neben Martin auch um Pedro Acosta. Tomas war die ganze Woche in Kuala Lumpur an der Seite Martins.
Dieses Rehabilitationsprogramm wird nun in Spanien fortgesetzt. “Es entspricht im Grunde dem Programm dieser Woche”, sagt Martin. “Ich werde alle Therapien nutzen, die zu Hause möglich sind.”
“Deshalb reise ich noch heute ab, um bereits morgen am Sonntag mit den Behandlungen beginnen zu können. In dieser Woche waren die Fortschritte enorm. Ich konnte mit einem gebrochenen Handgelenk auf einer MotoGP-Maschine sitzen.”
“Das ist schon verrückt. Ich blieb unter zwei Minuten, worauf ich bereits stolz bin. Ich freue mich darüber, auch wenn es natürlich schade ist. Ich bin wirklich enttäuscht und frustriert, aber das gehört zu unserem Job.”
Am kommenden Wochenende will es der Aprilia-Fahrer in Katar erneut probieren
Foto: Wan Mikhail Roslan/NurPhoto via Getty Images
Die kommenden Tage werden zeigen, ob ein Rennstart in Katar realistisch ist. Martin will es dort auf alle Fälle wieder versuchen. Erst in den Trainingseinheiten wird sich erweisen, ob Sprint und Grand Prix machbar sind.
“Mein Ziel ist es, nach Katar zu reisen. Ich werde hinfliegen und es versuchen. Wenn das Gefühl dasselbe bleibt, muss ich abbrechen. Wir werden sehen, wie es in Katar läuft. Im Moment kann ich noch nicht sagen, wie es mir dort gehen wird.”
WM-Kampf für Martin “schon verloren”
Für seine WM-Ambitionen ist der Rückzug aus Malaysia ein herber Rückschlag. Vor dem Sprint hat Martin zehn Punkte Rückstand auf Marc Marquez. Der Ducati-Fahrer qualifizierte sich für den zweiten Startplatz.
Denkt Martin angesichts der Situation noch an eine WM-Chance? “Nun, die Weltmeisterschaft ist natürlich präsent. Ich glaube aber, dass ich mich im Moment nicht damit beschäftigen sollte.”
Aufgeben will Martin nicht, aber den WM-Kampf betrachtet er als verloren
Foto: Gold & Goose Photography/Getty Images
“Vielleicht kann ich sie gewinnen, für mich persönlich ist sie jedoch schon verloren. Trotzdem werde ich bis zum Schluss kämpfen. Nicht nur für mich selbst, denn unterm Strich bin ich ohnehin schon Champion, sondern für mein Team.”
“Ich werde es in Katar erneut versuchen. Falls es nicht klappt, bleibe ich zu Hause und schone mich. Hier habe ich alles probiert, aber es ging einfach nicht. Das gehört zum Leben und zu diesem Sport dazu.”
Anderer Umgang mit Verletzung als im Vorjahr
Die vergangenen beiden Jahre waren für Martin geprägt von Verletzungen, Rückschlägen und schwierigen Phasen. Nun sieht alles danach aus, dass der Sturz im Phillip-Island-Sprint seine WM-Chance zunichte gemacht hat.
Im Vergleich zum vergangenen Jahr geht der 28-Jährige nun mit dem Verletzungspech aber anders um: “Vor einem Jahr wusste ich gar nicht, ob ich überhaupt jemals wieder auf ein MotoGP-Motorrad steigen könnte.”
“Jetzt bin ich hier und kämpfe um die Weltmeisterschaft. Für mich fällt die Bilanz schon jetzt positiv aus. In meinem Leben habe ich, wenn man so will, bereits gewonnen. Diese Saison war bisher unglaublich.”
“Ich werde weiterkämpfen, wie ich schon sagte. Ich werde nie aufhören, daran zu glauben, solange noch eine Chance besteht. In diesem Sport kann alles passieren, das erleben wir immer wieder. Ich werde es weiter versuchen.”
“Ich greife in Katar wieder an und reise danach nach Portimao. Solange ich eine Chance habe, werde ich sie nutzen. Sollte es nicht weitergehen, höre ich auf. Aber ich will es auf jeden Fall weiter versuchen.”
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