Entgegen der Warnungen zahlreicher Behörden gastiert die Motorrad-WM an diesem Wochenende in Katar. Auf dem Programm steht die drittletzte Saisonstation 2026. In der Königsklasse MotoGP könnte das Wochenende für Aprilia bereits die letzte Chance darstellen, Ducati-Star Marc Marquez im WM-Kampf noch einzuheizen.
Marquez ist mit 44 Punkten Vorsprung auf Jorge Martin und 67 Punkten Vorsprung auf Marco Bezzecchi nach Katar gekommen. Bei einem für ihn idealen Verlauf des Wochenendes könnte er schon am Sonntag wieder Weltmeister werden. Martin und Bezzecchi wollen genau das verhindern. Sie wollen die WM-Entscheidung bis mindestens auf das Portugal-Wochenende in Portimao (21./22. November) vertagen.
Am Freitag, dem Trainingstag in Katar, klassierte sich Marc Marquez sowohl im Auftakttraining als auch im Training am Abend vor den beiden Aprilia-Werkspiloten. Jorge Martin, bei dem der Bruch des rechten Handgelenks noch keine zwei Wochen zurückliegt, ist froh, überhaupt fahren zu können.
Jorge Martin gewöhnt sich an die Schmerzen
“Ich fühle mich besser. Ich wünschte, ich hätte dieses Gefühl schon in Malaysia gehabt, denn dann wäre es anders gelaufen. Aber es ist wie es ist”, sagt Martin und bekennt: “Bei 100 Prozent bin ich noch nicht. Ich werde mir meine Kräfte einteilen müssen. Schmerzen habe ich noch immer, aber ich kann fahren.”
Jorge Martin kämpft nach seinem Handbruch mit den Richtungswechseln
Foto: Gold and Goose Photography / Getty Images
In welchen Phasen beim Fahren hat Martin die stärksten Schmerzen? “Das Bremsen ist derzeit meine geringste Sorge. Es geht vor allem um die Richtungswechsel”, sagt der Spanier und erklärt: “Wenn ich mich richtig weit in die Kurven lege, habe ich Schmerzen. Aber ich gewöhne mich daran. Es könnte wesentlich schlimmer sein.”
“Am schlimmsten”, so Martin weiter, “sind die Zeitattacken. Wenn ich bis ans Limit gehen muss, werden die Schmerzen stärker. Wenn wir von der Pace sprechen sprechen, geht es für mich seit dem Australien-Sturz vor allem darum, mein Vertrauen wiederzufinden”.
“Dass ich nur 11 Tage nach dem Bruch meines Handgelenks überhaupt hier bin, das allein ist schon sein Sieg”, urteilt der aktuelle WM-Zweite. Konkrete Gedanken an den Titelkampf will er ausblenden so gut es geht: “Ich konzentriere mich auf mich selber und versuche, so viele Punkte wie möglich mitzunehmen. Ins Ziel zu kommen wird für mich schon eine Aufgabe. Ich gebe mein Bestes.”
Marco Bezzecchi relativiert Marc Marquez’ Favoriten-Urteil
Marco Bezzecchi, der im Vergleich zu Teamkollege Jorge Martin noch 23 Punkte mehr auf Marc Marquez aufzuholen hat, überzeugte am Freitag in Lusail vor allem mit dem Medium-Reifen. Marquez selbst hat ihn deshalb für dieses Wochenende ganz oben der Rechnung.
Bezzecchi spricht am Freitagabend von einem “guten Tag, an dem es für mich in beiden Sessions zufriedenstellend gelaufen ist”. Was den Italiener im Aprilia-Werksteam besonders freut, sind die Fortschritte gegenüber dem vergangenen Jahr.
“Ich weiß noch, wie wir voriges Jahr hier stark zu kämpfen hatten. Dass es jetzt so viel besser läuft, ist sehr ermutigend. Ich selber habe mich beim Fahrern ebenfalls verbessert. Das gebe ich offen zu und auch das ist sehr ermutigend”, so Bezzecchi.
Marco Bezzecchi fühlt sich mit Medium-Hinterreifen wohl, mit Soft nicht
Foto: Gold and Goose Photography / Getty Images
Die Aussage von Marc Marquez, wonach Bezzecchi mit dem Medium-Hinterreifen “extrem schnell” war, relativiert “Bez” ein wenig, indem er sagt: “Es stimmt, dass ich mit dem Medium gut zurechtgekommen bin. Ich war ziemlich schnell, aber nicht für viele Runden.”
“Im Training ist es einfach so, dass du dich sehr stark auf die eine schnelle Runde fokussieren musst. Aus diesem Grund konnte nicht viele Runden am Stück fahren, aber ja, das Gefühl war positiv”, so Bezzecchi.
“Mit dem Soft-Reifen allerdings”, setzt der aktuelle WM-Dritte fort, “war es genau das Gegenteil. Mit diesem Reifen fühlte ich mich ein bisschen schwächer als alle anderen. Wir haben auf jeden Fall noch einiges an Arbeit vor uns und müssen uns voll reinhängen. Etwas anderes bleibt mir sowieso nicht übrig”.
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