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Warum Daniel Ricciardo dem Paddock der Formel 1 seit zwei Jahren fernbleibt

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Nach dem Großen Preis von Singapur 2024 musste Daniel Ricciardo seine aktive Formel-1-Karriere (alle Statistiken in unserer Datenbank) beenden: Der Australier wurde bei den Racing Bulls durch Liam Lawson ersetzt und hatte sich seither weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Ricciardo verbrachte mehr Zeit zu Hause und war deutlich weniger mit dem Flugzeug unterwegs, wenngleich der 37-Jährige die Rolle des globalen Markenbotschafters für Ford Racing übernahm. Im Formel-1-Paddock ist der ehemalige Rennfahrer seit seinem Abschied aus der Königsklasse jedoch kaum noch in Erscheinung getreten.

Ob er bald in irgendeiner Form in die Königsklasse zurückkehren wird? “Ich bin mir nicht sicher”, sagt Ricciardo im aktuellen Podcast Beyond The Grid und ergänzt: “Wenn man mich vor einem Jahr gefragt hätte, hätte ich gesagt: ‘Nein, ich möchte überhaupt nicht mehr dort sein.'”

“Damals hatte ich noch sehr viel Schmerz in mir, und deshalb hätte es mir zu sehr wehgetan, wieder dort zu sein”, erinnert sich der Australier an sein schwieriges Karriereende nach dem Singapur-Grand-Prix 2024. “Ich stand dem Ganzen sehr negativ gegenüber.”

Daniel Ricciardo hat eigenes Ego besser verstanden

“Aber ich glaube, dass ich mich in den vergangenen Jahren auch damit auseinandergesetzt habe, mein eigenes Ego besser zu verstehen”, ergänzt der 37-Jährige. “Als all diese Dinge passiert sind und meine Welt gewissermaßen vor meinen Augen zusammengebrochen ist, gab es einige Gefühle, die sich wie ein Verlust des eigenen Egos angefühlt haben.”

“Irgendwann habe ich mich gefragt: Warum bin ich eigentlich so ablehnend? Okay, da spricht auch mein Ego. ‘Ich werde niemals ins Paddock zurückkehren, ich möchte keinen dieser Menschen sehen.’ Wahrscheinlich war das ebenfalls mein Ego, das mich schützen wollte.”

Mittlerweile ist Ricciardo an einem Punkt angekommen, an dem er vieles von dem, was ihm die Formel 1 einst gegeben hat, wieder sehr zu schätzen weiß. “Das gilt auch für die Beziehungen, die entstanden sind”, sagt er. “Ich spreche immer noch mit vielen Fahrern, Ingenieuren und Mechanikern. Zu vielen Menschen habe ich nach wie vor Kontakt.”

Auch nach seinem letzten Formel-1-Rennen in Singapur 2024 blieb der damalige Racing-Bulls-Pilot noch “ziemlich lange” an der Rennstrecke. “Denn mir war bewusst: Ich weiß nicht, wann ich wieder hier sein werde”, erinnert sich der Australier. “Deshalb habe ich versucht, mich von möglichst vielen Menschen zu verabschieden.”

Daniel Ricciardo will “nicht im Mittelpunkt stehen”

“Es war allerdings eine sehr bedrückende Stimmung und wahrscheinlich nicht die Art, wie ich mich von manchen Menschen verabschieden wollte”, gibt Ricciardo zu. “Grundsätzlich möchte ich also schon zurückkommen. Allerdings beschäftigt mich die Frage, ob es nicht zu früh wäre.”

“Wenn ich zu schnell zurückkehre, könnte es direkt wieder heißen: ‘Hey, Daniel, kommt er zurück? Was hat er vor?’ Ich möchte mich nicht mit diesem ganzen Medienrummel auseinandersetzen müssen. Ich würde einfach gerne ein paar Freunde besuchen.”

Gleichzeitig ist dem 257-fachen Grand-Prix-Starter bewusst, dass das in einem Formel-1-Paddock nicht unbedingt der Realität entspricht. “Das verstehe ich auch”, meint er. “Es ist einer der Gründe, warum ich bislang nicht zurückgekehrt bin: Ich möchte nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen.”

“Wenn ich ohne einen bestimmten Anlass ins Paddock komme, heißt es vielleicht: ‘Okay, warum ist Daniel hier? Will er einfach nur fotografiert werden?’ Das sind allerdings auch Gedanken, die ich mir selbst mache”, erklärt Ricciardo mit einem kleinen Schmunzeln.

Warum die Rückkehr aktuell nicht infrage kommt

Eine dauerhafte Rückkehr in den Formel-1-Zirkus ist derzeit nur schwer vorstellbar. “Ich möchte eigentlich gar nicht mehr so viel reisen”, sagt der achtfache Grand-Prix-Sieger. “Allein der Gedanke an den Formel-1-Rennkalender macht mir schon Angst. Deshalb bin ich mir nicht sicher, ob es da überhaupt etwas gibt, das ich machen möchte.”

Ricciardo kennt einige Freunde, auch aus anderen Sportarten, die ihre aktive Karriere beendet haben und anschließend als Manager, Teambesitzer oder in einer anderen Funktion in ihren Sport zurückgekehrt sind. “Das ist interessant”, räumt der ehemalige Formel-1-Pilot ein.

Allerdings sagte “einer von ihnen ganz besonders deutlich: ‘Es ist nicht einfacher als zu meiner aktiven Zeit.’ Denn man ist weiterhin so stark involviert – insbesondere, wenn es um die Athleten geht. Ihre Probleme werden zu den eigenen Problemen, und nach der Arbeit kann man nicht einfach nach Hause gehen.”

Daniel Ricciardo: Der “Shoey” auf dem Podium ist Kult

Foto: Motorsport Images

“Man trägt die Belastungen eines Athleten weiterhin mit sich herum”, weiß Ricciardo. Zwar spricht er gerne mit jüngeren Fahrern und gibt sein Wissen sowie seine Erfahrungen weiter, doch “ich glaube nur nicht, dass ich all diese Emotionen noch einmal durchleben möchte. Das ist eine ganze Menge.”

“Der Gedanke, all das hinter mir zu lassen und ein etwas leichteres und freieres Leben zu führen, fühlt sich einfach angenehmer und besser an”, gibt Ricciardo zu. “Ich glaube nicht, dass es mir dabei helfen würde, die vielleicht bestmögliche Version meiner selbst zu sein – insbesondere im Umgang mit den Menschen, die mir wichtig sind.”

Feiert Daniel Ricciardo ein Comeback als TV-Experte?

Ob sich Ricciardo zumindest ein Formel-1-Comeback als TV-Experte vorstellen könnte? “Es ist schwierig, denn viele Menschen sagen mir: ‘Oh, du wärst großartig im Fernsehen.’ Und ja, ein Teil von mir findet durchaus, dass es großartig wäre, viele meiner Erfahrungen und mein Wissen weiterzugeben”, sagt er.

Mittlerweile schaut der Australier die Rennen gemeinsam mit seinem Vater im Fernsehen. Auch der ist offenbar von Ricciardos Analysen beeindruckt und sagt manchmal: “Mensch, irgendjemand muss hören, was du während eines Rennens zu sagen hast. Ich lerne so viel von dir, wenn wir gemeinsam ein Rennen schauen”, verrät Ricciardo.

“Das liegt natürlich auch daran, dass ich selbst einer der 20 Fahrer war. Es gibt wohl nur eine Handvoll von uns, die den Sport auf diesem Niveau wirklich selbst erlebt haben. Gleichzeitig weiß ich natürlich, dass mittlerweile viele ehemalige Fahrer in diesem Bereich tätig sind. Dafür gibt es schließlich auch einen Grund.”

Der ehemalige Formel-1-Pilot kann sich durchaus vorstellen, in seinem Leben noch einmal “etwas völlig anderes zu machen”, sagt er. “Die Vorstellung, gewissermaßen zwei unterschiedliche Leben führen zu können, gefällt mir ebenfalls sehr gut. Vielleicht dieses Kapitel einfach abzuschließen und weiterzugehen – auch das klingt reizvoll.”

“Aber dann gibt es wieder Momente, in denen ich denke: Ich habe 35 Jahre Rennsportwissen und Erfahrung gesammelt. Das alles einfach in eine Kiste zu packen und dafür zu sorgen, dass es niemals wieder jemand zu sehen oder zu hören bekommt – wäre das nicht eine Verschwendung?”

“Ich weiß es nicht”, ist Ricciardo mit Blick auf seine Zukunft noch völlig unschlüssig. “Ich glaube, genau deshalb habe ich mich bislang auf nichts festgelegt. Ich möchte sicherstellen, dass das, was ich mache, auch wirklich das Richtige ist.”

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