Das verrückte Regen-Qualifying zum Großen Preis von Sao Paulo 2026 weckte Erinnerungen an die Saison 2010: Damals sorgte Nico Hülkenberg für eine der überraschendsten Polepositions in der Geschichte der Formel 1, als der Williams-Youngster auf nasser Strecke die favorisierte Konkurrenz hinter sich ließ.
Für die Poleposition reichte es in diesem Jahr zwar nicht ganz, doch im Rennen am Sonntag (hier im Formel-1-Liveticker verfolgen!) geht der deutsche Audi-Pilot immerhin von Startplatz vier ins Rennen. Es ist seine beste Ausgangsposition seit dem Großen Preis von Großbritannien 2020, als Hülkenberg im Racing Point den dritten Startplatz erobert hatte.
Fühlte sich der Deutsche an seine bislang einzige Pole zurückerinnert? “Nein, eigentlich nicht”, stellt er klar. “2010 – besonders in Q3 – war die Situation ganz anders. Wir fuhren auf Slicks, und die Strecke war halb nass, halb trocken. Es gibt vielleicht leichte Ähnlichkeiten beim Wetter, aber gut – es liegen 16 Jahre dazwischen, da ist es zwangsläufig anders.”
In der Saison 2010 war Hülkenberg in Brasilien auf Pole gefahren
Foto: Motorsport Images
Sein starkes Qualifying-Ergebnis kommentiert der 39-Jährige ohnehin gelassen, und auch für das Rennen möchte er sich keine allzu großen Hoffnungen machen: “Ehrlich gesagt nehme ich es, wie es kommt”, so Hülkenberg. “Ich habe schon vor langer Zeit aufgehört, mir bestimmte Bedingungen zu wünschen.”
“Ich nehme sie einfach so, wie sie sind, und versuche, das Beste daraus zu machen. Es ist eine Herausforderung. Es war nicht einfach da draußen, aber ich bin zufrieden damit, wie wir durchgekommen sind. Ich hatte schon ab der ersten Runde ein gutes Gefühl im Auto, das ist hier besonders wichtig.”
Nico Hülkenberg: Fehlender Freitag kein großer Nachteil
Das Qualifying-Ergebnis in Brasilien ist umso höher einzuschätzen, wenn man bedenkt, dass Hülkenberg am Freitag keinen einzigen Meter zurückgelegt hatte: Im ersten Training überließ der Audi-Pilot sein Cockpit Freddie Slater, im zweiten Training verhinderten technische Probleme ebenfalls einen Einsatz.
Umso überraschender ist der sechste Platz im Qualifying. “Damit kann man natürlich nicht rechnen, aber das dritte Freie Training lief gut”, sagt Hülkenberg. “Ich bin hier schon oft gefahren und kenne Sao Paulo daher sehr gut – diese Erfahrung hilft natürlich.”
“Ich wusste: Wenn ich ein gutes Gefühl für das Auto habe und Vertrauen aufbaue, fällt es nicht allzu sehr ins Gewicht, dass ich [am Freitag] nicht fahren konnte.” Im dritten Training hatte Hülkenberg zwar noch den 13. Platz belegt, allerdings herrschten zu diesem Zeitpunkt auch noch trockene Bedingungen.
Erst zum entscheidenden Qualifying setzte der heftige Regen ein, der für eine Verzögerung sorgte. “Es war eine echte Herausforderung”, ergänzt Hülkenberg bei Sky. “Man hat ja gesehen, wie viele Fahrer Probleme bekamen – besonders in der letzten Kurve, da gab es wohl Schwierigkeiten mit blockierenden Hinterrädern.”
Bortoleto gibt zu: “Heimrennen bisher kein gutes Pflaster”
Auch Teamkollege Gabriel Bortoleto fiel den schwierigen Bedingungen zum Opfer. Der Brasilianer verlor die Kontrolle über seinen Audi R26 und schlug in die Streckenbegrenzung ein. “Zu Beginn des Qualifyings wollte ich etwas Abstand zu Oliver Bearman halten, weil ich auf ihn aufschloss”, erklärt er den Unfallhergang.
“Dabei blockierte ein Vorderrad, und ich konnte das Auto nicht mehr rechtzeitig zum Stehen bringen, bevor ich in die Mauer krachte. Der Aufprall war zwar nicht heftig, aber der Heckflügel wurde verschoben – so konnten wir nicht weiterfahren. Das Team hat noch versucht, ihn zu tauschen, aber die Zeit hat nicht gereicht.”
Zu Beginn des Qualifyings sei die Strecke noch sehr nass gewesen, berichtet Bortoleto. “Nach den Kurven 4 und 5 konnte man nicht voll aufs Gas gehen. Ehrlich gesagt: In der Kurve, in der ich abgeflogen bin, passierte es extrem leicht, dass ein Rad blockierte und man in der Mauer landete.”
Bereits bei seinem Heimrennen im Vorjahr war der Brasilianer gleich mehrfach verunfallt. “Letztes Jahr hatte ich einen Unfall, und dieses Jahr konnte ich das Qualifying nicht richtig absolvieren, weil mir Fehler unterlaufen sind – es scheint also, als ob mein Heimrennen bisher kein gutes Pflaster für mich war”, erinnert sich der Audi-Pilot.
Dabei waren die Trainings am Freitag und Samstag nach eigener Einschätzung noch “hervorragend” verlaufen. Doch “wenn es darauf ankommt, im Qualifying abzuliefern, unterlaufen mir Fehler”, räumt Bortoleto sein Eigenverschulden ein. “Insgesamt ist es also nicht gut gelaufen.”
Hülkenberg erwartet “große Herausforderung” im Rennen
Anders fällt das Fazit bei Teamkollege Hülkenberg aus. “Es ist gut, sehr positiv sogar”, resümiert der Deutsche, der aus der zweiten Startreihe in den Grand Prix von Sao Paulo geht. “Ich freue mich darüber, aber wir wissen alle: Es kommt auf [den Sonntag] an. Da wird abgerechnet, und es wartet eine große Herausforderung auf uns.”
Insgesamt stehen den Piloten 71 Runden bevor. Hinzu kommen “einige Top-Autos, die weiter hinten starten, als sie eigentlich hingehören”, sagt Hülkenberg mit Blick auf Lewis Hamilton, Max Verstappen oder Charles Leclerc. “Also: Ruhe bewahren, wieder eine starke Leistung zeigen – und dann schauen wir mal, was drin ist.”
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