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Deutsch-chilenische Sekte: Chiles neue Regierung will Colonia Dignidad nicht mehr enteignen

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In der Sekte Colonia Dignidad wurden Menschen gefoltert und missbraucht. Die neue ultrarechte Regierung Chiles streicht nun die Pläne, eine Gedenkstätte zu errichten.

Die chilenische Regierung will eine Entscheidung zur
Enteignung der ehemaligen deutschen Sektensiedlung Colonia Dignidad rückgängig
machen. Präsident José Antonio Kast werde eine entsprechende Anordnung
erlassen, sagte Wohnungsminister Iván Poduje der Zeitung La Tercera. Als
Begründung verwies er auf die schlechte Haushaltslage des Landes. Einen
“ideologischen Hintergrund” der Entscheidung wies Poduje zurück.

Die frühere chilenische Regierung unter dem linksgerichteten
Präsidenten Gabriel Boric hatte vergangenes Jahr die Enteignung des
Siedlungsgeländes angeordnet
, um dort eine Gedenkstätte für die Opfer der
Militärdiktatur von 1973 bis 1990 zu errichten. Seit März wird Chile von einer ultrarechten
Regierung um den deutschstämmigen Kast geführt.

Kast ist offener Anhänger des Diktators Augusto Pinochet,
der Chile 17 Jahre lang mit eiserner Hand regierte und Oppositionelle foltern,
ermorden oder verschwinden ließ. Kast hat Pinochets Verbrechen in der
Vergangenheit relativiert.

Siedlungsbewohner kritisierten Enteignungspläne

Die Colonia Dignidad, zu Deutsch “Siedlung der
Würde”, war 1961 von Paul Schäfer gegründet worden. Zwangsarbeit und Missbrauch
gehörten zum Alltag der Siedlungsbewohner. Schäfer unterstützte aktiv den
Militärputsch von 1973 und verwandelte die Siedlung während der Pinochet-Diktatur in ein geheimes Folterzentrum. Etwa 100 Menschen wurden in
der Colonia Dignidad ermordet. Schäfer wurde 2005 in Argentinien festgenommen
und des sexuellen Missbrauchs von Kindern für schuldig befunden. Er starb im
Gefängnis.

Ein Teil der Siedlungsbewohner lebt bis heute auf dem Gelände und betreibt unter anderem einen Restaurant- und Hotelbetrieb in den Häusern, die enteignet werden sollten. Bereits im Vorfeld hatten sie kritisiert, dass ihnen als Opfer Paul Schäfers durch die Enteignung ein wichtiger Lebensunterhalt entzogen werde. Andere ehemalige Sektenmitglieder befürworteten das Vorhaben indes.

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