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Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Kaufpreis: 3,5 Milliarden Euro. Hapag-Lloyd schluckt Konkurrenten

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Die Elbvertiefung am Dienstag – mit Karneval in Hamburg, einer Reise nach Indien und Trauer um die Künstlerin Henrike Naumann.

Liebe Leserin, lieber Leser,

Rolf Habben Jansen mag festliche Bälle nicht sonderlich.
Das gestand er mir kürzlich in einem Gespräch. Der Hamburger Presseball Ende
Januar könnte dem Chef der Reederei Hapag-Lloyd aber bei einem Milliardendeal
geholfen haben, denn mit am Tisch saß Ron Prosor, der israelische Botschafter.

Er war ein guter Gesprächspartner für eine große Übernahme,
die Hapag-Lloyd schon seit Herbst im Geheimen angebahnt und gestern
unterzeichnet hat: Der Konzern will die israelische Reederei ZIM aus der
Mittelmeer-Stadt Haifa für etwa 3,5 Milliarden Euro kaufen.

ZIM ist die zehntgrößte Reederei weltweit, Hapag-Lloyd
ist die Nummer fünf. Gemeinsam verfügen die beiden Unternehmen über eine Flotte
von etwa 420 Schiffen, sie können mehr als 18 Millionen Container pro Jahr
transportieren. Der Kauf werde “unsere Spitzenposition festigen”, sagte
Firmenchef Habben Jansen gestern in einem Videocall aus Tel Aviv.

Der Markt der Seetransporte ist klar verteilt: Zehn
Reedereien beherrschen gut 85 Prozent der weltweiten Flotte. Der Kauf von ZIM
war eine der letzten Chancen, sprungartig zu wachsen, auch Rivalen wie MSC oder
Maersk waren an der Übernahme interessiert.

Der Staat Israel muss dem Deal noch zustimmen, und es
regt sich Widerstand: Die Übertragung des Eigentums in ausländische Hände
schade der nationalen Sicherheit und müsse gestoppt werden, sagte Yona Yahav,
Bürgermeister von Haifa, der Zeitung Globes.

Das liegt auch an zwei Großaktionären von Hapag-Lloyd:
Die Staatsfonds von Katar und Saudi-Arabien halten zusammengerechnet 22,5
Prozent an dem Hamburger Konzern. Die Sorge: Sollte es zu einem neuen Nahostkrieg
kommen, könnten die arabischen Anteilseigner auf die Reederei Druck ausüben,
die Versorgung von Israel einzustellen.

Was mich beschäftigt: Eigentlich wollte Hapag-Lloyd ab
Mitte Februar auch wieder Frachter durch den Suezkanal schicken, obwohl
Handelsschiffe im Roten Meer von Huthi-Rebellen aus dem Jemen beschossen
werden. Wird der Kauf einer Reederei aus Israel Hapag-Lloyd nun zu einer noch begehrteren
Zielscheibe der Iran-treuen Rebellen machen? Er könne das Verhalten der Huthis schwer
einschätzen, sagte Habben Jansen gestern.

Ich
wünsche Ihnen einen schönen Tag!

Ihre Kristina Läsker,

freie Journalistin

Wollen
Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, worüber wir berichten sollten?
Schreiben Sie uns eine E-Mail an hamburg@zeit.de.

WAS HEUTE WICHTIG IST

Die Bahn verspätet sich, nun auch mit der Sanierung
der Strecke zwischen Hamburg und Berlin.
Man gehe nicht mehr von einer Fertigstellung
bis zum 30. April aus, teilte das Unternehmen mit. Grund für die Verzögerung sei
der kalte Winter. Die Strecke ist seit Anfang August gesperrt, ab wann sie
wieder befahrbar sein wird, sei unklar. Durch die Umleitung brauchen Züge
zwischen den beiden größten deutschen Städten pro Fahrt mindestens 45 Minuten
länger.

Wirtschaftssenatorin
Melanie Leonhard (SPD) ist nach Indien gereist. Schon jetzt werde ein
Großteil des Handels zwischen Deutschland und Indien auf dem Seeweg abgewickelt,
sagte Leonhard. Gut zwei Drittel des Seegüterverkehrs liefen dabei über den
Hamburger Hafen. Diese Handelsbeziehungen wolle sie weiter ausbauen. Begleitet
wird sie von 50 Menschen aus Wirtschaft, Finanzwirtschaft und Wissenschaft. Die
Reise ist auf fünf Tage angelegt und führt nach Delhi, Mumbai und zum
High-Tech-Standort Bengaluru.

Der Rechnungshof beklagt
Mängel in der Haushaltsführung des Senats.
Mehrfach sei mehr Geld
ausgegeben worden, als zuvor von der Bürgerschaft bewilligt wurde, sagte
Manfred Jäger, der Präsident des Rechnungshofs, bei der Vorlage des
Jahresberichts. Besonders der starke Anstieg der Sozialausgaben sei
besorgniserregend. Für den Jahres- und Konzernabschluss 2024 habe es deshalb
nur ein eingeschränktes Testat gegeben.

Ab dem Wochenende wird die Niederbaumbrücke
nahe der Elbphilharmonie gesperrt.
Der Grund dafür sei die Sanierung der
nahegelegenen Kaimauern, sagte Finanzsenator Andreas Dressel (SPD). Während der
für zwei Jahre angelegten Bauzeit können zwar Fußgänger die Brücke nutzen,
nicht aber Autos, Busse und Radfahrer. Die Sanierung der Kaimauern sei eine
Jahrhundertaufgabe, sagte Dressel. Die Stadt plane für den jetzt fälligen
Abschnitt mit Kosten von rund 26 Millionen Euro.

Der Tod der Künstlerin Henrike Naumann hat
Betroffenheit ausgelöst.
Kultursenator Carsten Brosda (SPD) würdigte sie als
“eine
der bedeutendsten Stimmen der zeitgenössischen Kunst” sowie als “kluge und
facettenreiche Künstlerin”. Naumann war ausgewählt worden, gemeinsam mit Sung
Tieu den deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig zu gestalten, die im
Mai eröffnet wird. Ab Oktober hätte sie eine Professur an der Hochschule für
Bildende Künste Hamburg übernehmen sollen. Sie starb am Samstag an einer Krebserkrankung. Henrike Naumann wurde 41 Jahre alt. Einen Nachruf lesen Sie hier (Z+).

AUS HAMBURG

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Kaufpreis: 3,5 Milliarden Euro. Hapag-Lloyd schluckt Konkurrenten

“Ja nu. Schlauer wird man hier nich von”

Jeden Rosenmontag entfliehen 800 Menschen für
einen Tag dem norddeutschen Ernst und reisen mit einem Partyzug zum Karneval
nach Köln.
Gestern ist ZEIT-Redakteurin
Annika Lasarzik im
Pappnasen-Express
mitgefahren. Hier ist ihr Bericht.

An einem Montagmorgen um 4.30 Uhr stehen etwa 100
Leute auf Bahnsteig 14 im Hamburger Hauptbahnhof und freuen sich des Lebens.
Zumindest sieht es so aus, als könne sich keiner von ihnen etwas Schöneres
vorstellen, als zu dieser frühen Stunde bei Eiseskälte auf einen Zug zu warten.
Die Leute stehen in Grüppchen beisammen, und jede Gruppe muss man erst einmal
auf sich wirken lassen.

Da sind drei Cowboys mit randlosen Brillen und schütteren Haaren und zwei
Elfen mit praktischen Bauchtaschen über den Glitzerkleidern. Fünf Bienen
stimmen “Viiiva Coooolonia” an, sehr überzeugt, nicht ganz synchron. Man
prostet einander zu, Bierflaschen klirren, ein breitschultriger Engel mit
Heiligenschein ruft “Moooin!” durch die Halle – noch sind sie hier nicht beim
“Alaaf”. Aber das kommt noch.

All die Menschen, die hier warten, steigen gleich in den
“Pappnasen-Express” ein, einen Partysonderzug, der am Rosenmontag zwischen
Hamburg und Köln pendelt, morgens hin, abends wieder zurück. Aber dieser Zug
ist mehr als ein Transportmittel, er ist wie ein Portal in eine andere Welt.
Wer einsteigt, lässt für einen Tag die To-dos und Pflichten des realen Lebens
hinter sich, die E-Mails und Meetings, den norddeutschen Ernst. Auf den
Schienen wird nicht nur Distanz überwunden, sondern auch die eigene Hemmschwelle,
oder wie Torsten, einer der Cowboys aus Elmshorn, sagt: “Ja nu. Schlauer wird
man hier nich von.”

5.12 Uhr, der Zug rollt ein. Vor Waggon sieben steht Marcel und versucht,
den Überblick zu behalten. Er trägt einen grauen Plüschanzug, ein
Wildschweinkostüm, die Schnauze hängt ihm im Nacken. “Hab ich mir im Internet
bestellt”, sagt Marcel, “Hauptsache bequem, dachte ich mir, und warm!” In
seinen Händen hält er einen Stapel Papiere, er ist Teil des Pappnasen-Teams.
Heute soll er Fragen beantworten, weiterhelfen, wenn Reisende ihre Plätze nicht
finden. Wobei das Wort Reisende allzu förmlich klingt, wenn man sich anschaut,
wer da so an Marcel vorbei in den Zug steigt: Alle, wirklich alle, die
einsteigen, singen, lachen, schunkeln, als wären sie schon sehr, sehr lange in
diversen Kneipen unterwegs gewesen.

Was unsere Reporterin auf
dem Weg nach Köln noch alles erleben wird, das lesen Sie hier

Zum
Artikel (Z+)

SCHON GELESEN?

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Kaufpreis: 3,5 Milliarden Euro. Hapag-Lloyd schluckt Konkurrenten

“Drei Tage Verhandlung, fünfzehn Stunden
Plädoyers, Anklage und Verteidigung, Argumente, Analysen und Tränen – am Ende
stand ein Urteil.”

Der “Prozess gegen Deutschland” am Thalia Theater
war ein ungewöhnliches und auch anstrengendes Experiment. Der Kritiker Sven
Behrisch war dabei, hier berichtet er, was er erlebte.

 Zum
Artikel (Z+)

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Gehört von Marilies Brinkmann

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