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Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Mit Pickeln gegen das Grau

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Die Elbvertiefung am Montag – Mit dem verirrten Wal in der Ostsee, wenig Erstklässlern, vielen Feldhasen und einem Wolf

Liebe Leserin, lieber Leser,

mit einem Pickel
Pflastersteine aus dem Boden herauszureißen ist eine Tätigkeit, die ich
durchaus empfehlen kann. Pickel fest in beide Hände, mit Schwung unter einen
Stein schlagen, andrücken, hebeln, raus mit dem Grau.

Ein Pickel ist dieses hammerartige Werkzeug mit einem spitzen und einem schaufelartigen Ende.
Ich habe damit vor einer Weile meiner Mama bei der Neugestaltung eines Fußwegs
geholfen, auf dem Hof meiner Eltern in Bayern. Das dichte Pflaster sollte einem
locker gesetzten weichen, durch welches Gras und andere Pflanzen wachsen
können. Meine Mama fand das schöner so, aber in dem weitgehend
entsiegelten Boden versickert auch Regenwasser besser, und Starkregen wird uns
in einer klimagewandelten Zukunft womöglich häufiger beglücken. Erd- und
pflanzenträchtige Böden heizen sich auch weniger stark auf als betongraue.

Weil dem so ist, hauen nun auch in Hamburg wieder
etliche Menschen Steine und Asphalt vom Boden weg, denn die Umweltbehörde rief
gerade zur zweiten Runde des Wettbewerbs “Abpflastern” auf. Jene Privatleute,
Unternehmen, Initiativen und Bezirke, die besonders viel Beton- oder
Asphaltfläche entfernen und durch einen begrünten Boden ersetzen, gewinnen. Es
winken Preise wie “Die goldene Harke”, die Möglichkeit, besser als Bremen zu
sein (Abpflaster-Nordderby!) und Fördermittel.

Über diese
Webseite
lässt sich außerdem eintragen, welche Orte Hamburgs man sich grüner
wünscht. 2.003 derartige Vorschläge sind bislang schon eingegangen, die meisten
betreffen den – stark versiegelten – innerstädtischen Bereich. Ob diese
Flächen asphaltfrei werden können, wird laut Bukea von den zuständigen Stellen –
also vor allem den Bezirken – dann auch nach und nach geprüft.

Wie viele der Bürgerwünsche tatsächlich umgesetzt werden, wird sich zeigen. Ich fand auffallend, wie
viele Hamburgerinnen und Hamburger sich einen grüneren Jungfernstieg und
Rathausmarkt wünschten, darum wollte ich einmal meine Hilfe anbieten. Wenn hier noch jemand gebraucht wird, um ein paar
Steine herauszuhebeln, liebe entsiegelungsverantwortliche Menschen im
Bezirk Mitte, melden Sie sich gern. Meine Mama leiht mir den Pickel sicher
wieder aus.

Einen guten Start in die
Woche!

Ihre
Maria Rossbauer

PS: In der Elbvertiefungs-Ausgabe vom Freitag stand
fälschlicherweise, es wären vergangenen Donnerstag 7.500 Menschen an der
Demonstration für mehr Schutz gegen sexualisierte Gewalt auf dem Rathausmarkt gezählt worden.
Dies aber war die Zahl der anfangs Gemeldeten. Tatsächlich kamen nach
Schätzungen der Polizei 17.000, den Veranstalterinnen zufolge 22.000 Teilnehmerinnen
und Teilnehmer. Auch in Hannover, Köln
und München wurde in den vergangenen Tagen demonstriert und jedes Mal
kamen mehr Menschen als erwartet.

Wollen
Sie uns Ihre Meinung sagen, oder wissen Sie etwas, über das wir berichten
sollten? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail an hamburg@zeit.de.

WAS HEUTE WICHTIG IST

An Hamburgs Schulen sorgt Infomaterial
der SPD-geführten Innenbehörde zur geplanten Olympiabewerbung für Streit.
Nach
Ansicht der Gegner fehlen darin vor dem Referendum am 31. Mai die Gegenargumente.
NOlympia, das Bündnis gegen die Bewerbung, sieht das Neutralitätsgebot
verletzt. Die ebenfalls SPD-geführte Schulbehörde findet das
in Ordnung. Das Material sei vom Amt für Bildung geprüft “und als weitergabefähig
eingeschätzt” worden, sagt ein Sprecher.

In Hamburg gibt es deutlich mehr
Feldhasen als im Bundesschnitt.
Nach Angaben des Deutschen Jagdverbands
stieg der Bestand binnen eines Jahres um zwölf Prozent; im Frühjahr 2025 lebten
im Schnitt 39, im Herbst 58 Tiere pro Quadratkilometer in der Stadt. Einfluss auf
den Bestand haben laut Verband unter anderem Wetter, Landwirtschaft und
natürliche Feinde.

Nach den Sommerferien werden in
Hamburg etwas weniger Erstklässler eingeschult
als im Vorjahr. Nach Angaben
der Schulbehörde starten 16.831 Kinder in 785 Klassen; die Aufnahmebescheide
für 2026/27 gehen ab heute raus. Fast alle Kinder sollen laut der Behörde einen
Platz an ihrer Wunschschule bekommen; zudem werden 10.537 Vorschulkinder
erwartet.

In Blankenese haben Menschen am Wochenende einen
Wolf gesehen.
Die Umweltbehörde habe bereits den zuständigen Stadtjäger
informiert, eine fachliche Prüfung der Sichtungen stehe aber noch aus. Seit
2013 wurden in Hamburg nach Angaben der Behörde insgesamt 21 Wolfsnachweise
eindeutig bestätigt. Sollten Bürgerinnen oder Bürger einem Tier begegnen, rät
die Behörde dazu, Abstand zu halten und sich durch lautes Klatschen bemerkbar
zu machen.

Bei ihrem dritten Heimspiel gegen den
FC Bayern haben die Veolia Towers in der ausverkauften Barclays Arena
überraschend gewonnen
: Das Team von Benka Barloschky setzte sich mit 96:81
(48:42) gegen den aktuellen Spitzenreiter in der Basketball-Bundesliga durch.

AUS HAMBURG

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Mit Pickeln gegen das Grau

Zündet der Turbo, oder zündet er nicht?

Mehr Wohnungen, schneller genehmigt: Der
sogenannte Bauturbo der Bundesregierung soll Großes leisten. In Hamburg sieht
man nun: Das gelingt mal besser und mal schlechter. Lesen Sie dazu einen Auszug
aus dem Artikel von ZEIT-Autor Christoph Twickel:

Er ist erst knapp fünf Monate alt, doch hat schon einiges an Urteilen über
sich erdulden müssen: der sogenannte Bauturbo. Für Umweltverbände
ist er ein Schreckgespenst, für die Wohnungsbaubranche ein Lichtblick und für
die Opposition ein Rohrkrepierer. Mit Bauturbo ist eine Änderung im
Baugesetzbuch gemeint, die die Bundesregierung Ende Oktober 2025 einführte. Sie
soll Großes leisten, nämlich Tempo in den Wohnungsbau bringen.

Ein Kernstück der Novellierung ist der Paragraf
246e des Baugesetzbuchs
, der eine bis zum Ende des Jahres
2030 befristete Sonderregelung schafft: Diese erlaubt es Kommunen, “von den
Vorschriften dieses Gesetzbuchs” unter bestimmten Bedingungen abzuweichen, um
neuen Wohnraum zu schaffen.

Doch geschieht das auch? In Hamburg hat die Bürgerschaftsfraktion der CDU
im Februar in einer schriftlichen Kleinen Anfrage wissen wollen, wie viele
Baugenehmigungen nach diesem Bauturbo-Paragrafen schon erteilt worden sind. Die
Antwort des Senats: Es gab 23 Anträge von Investoren, davon seien neun
abgelehnt worden, 14 würden noch geprüft. Demnach wurde bis heute also kein
Antrag positiv beschieden. Das klingt dürftig.

Die Meldung machte in Hamburgs Lokalmedien die Runde: “Bau-Turbo in
Hamburg: Keine einzige Wohnung genehmigt”, schrieb etwa der NDR. Hamburgs
Bausenatorin Karen Pein (SPD) wollte das nicht auf sich sitzen lassen – und
verkündete auf der Landespressekonferenz am vergangenen Dienstag, die Stadt
habe innerhalb von nur vier Monaten bereits fast 750 Baugenehmigungen und
Bauvorbescheide erteilt, die erst durch die Einführung des Bauturbos möglich
geworden seien. Wie erklärt sich die nicht unerhebliche Differenz zwischen null
und “fast 750”?

Welchem Druck der Bauturbo
ausgesetzt ist
, lesen Sie weiter in der
ungekürzten Fassung.
Zum
Artikel (Z+)

SCHON GELESEN?

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Warum uns das Schicksal
eines Buckelwals so berührt

Am Sonntagvormittag lief der Wal, der sich
in der Ostsee verirrte, offenbar zum dritten Mal auf eine Sandbank auf. Er hing
zuletzt in der Bucht von Wismar fest, in zwei Meter tiefem Wasser, wenige
Hundert Meter vom Festland entfernt. ZEIT-Redakteur Nils Markwardt schreibt
über den neuesten Stand und fragt sich: Warum eigentlich fasziniert
ein gestrandeter Buckelwal so viele Menschen? → Zum Artikel

DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN

In der Konzert-Clubreihe “Ami Technu” tritt am 4.
April das Jewish Chamber Orchestra Hamburg (Z+) im Uebel & Gefährlich
auf. Bei dem dreiteiligen Abend “Lachen, um zu überleben” begegnen sich Poesie,
Klassik und Techno.

Ami Technu Vol II – “Lachen, um zu überleben”, 4. April, 21 Uhr; Uebel &
Gefährlich, Grüner Bunker, Feldstraße; Tickets gibt es hier

MEINE STADT

Schwungvoll durch die Stadt

Schwungvoll durch die Stadt

HAMBURGER SCHNACK

Vor einem Sportplatz in Bondenwald: Die B-Jugendmannschaft soll sich in einer
Ecke des Platzes versammeln. “Zum Dehnen”, ruft der Trainer, “nicht zum
Gähnen.”

Gehört von Corinna
Chateaubourg

Das war die Elbvertiefung, der tägliche
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