Liebe Leserin, lieber Leser,
drei
Monate vor der Abstimmung über eine Olympia-Bewerbung der Stadt hat
die NOlympia-Kampagne eine ernsthafte Auseinandersetzung über Sinn
oder Unsinn dieses Vorhabens vorangebracht. Am Samstag reichte die
Initiative knapp 20.000 Unterschriften für ein eigentlich
selbstverständliches Anliegen ein: Sie kann nun ihre Argumente in
der Broschüre vortragen, die mit den Wahlunterlagen Ende Mai an die
Abstimmungsberechtigten versandt wird.
Man
stelle sich kurz vor, das würde nicht geschehen. Dann fänden die
Hamburgerinnen und Hamburger demnächst ein 16-seitiges
Infoheft in ihren Briefkästen vor, in dem der rot-grüne Senat auf
acht Seiten seine Argumente für eine Hamburger Bewerbung vortragen
würde, gefolgt von weiteren acht Seiten der Bürgerschaftsfraktionen.
Unter jenen wiederum tragen SPD und Grüne den Senat und seine
Politik, während die CDU sie in dieser Frage ausnahmsweise auch
unterstützt. Nur AfD und Linke lehnen die Olympia-Bewerbung ab. Das
Ergebnis wäre eine ziemlich einseitige Darstellung geworden – kein
guter Beitrag zu einer sachlichen Auseinandersetzung. Nun können die
NOlympia-Leute mitreden.
Natürlich
ist es völlig richtig, dass die gewählten Vertreterinnen und
Vertreter der Stadt und ihre gewählte Regierung zum Referendum ihre
Haltung begründen. Aber es ist doch sehr unwahrscheinlich, dass sie
in dieser Frage für die politische Mitte der Stadt sprechen, während
ihre Widersacher in dieser Frage nur aus zwei kleinen politischen
Lagern ganz links und ganz rechts stammen. Wenn dem so wäre, gäbe
es wohl keine Volksabstimmung.
Die
Hamburger CDU plant übrigens eine eigene Plakatkampagne zur
Unterstützung der Bewerbung. Aus Sicht der Partei kommt es darauf
an, Position zu beziehen. Es fällt mir schwer zu glauben, dass es
der Pro-Olympia-Kampagne nützen wird, wenn sich in dieser Debatte
sachliche und parteipolitische Argumente mischen.
Ich wünsche Ihnen einen
schönen Tag!
Ihr Frank Drieschner
Was heute wichtig ist
Der Maritime
Koordinator der Bundesregierung, Christoph Ploß, hat Hamburgs Ersten
Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) in einem
Brief dazu aufgefordert, Mittel aus dem Sondervermögen des Bundes
für den Hafen und nicht für “Prestigeobjekte wie den Elbtower” zu verwenden. Tschentscher hatte zuvor
kritisiert, Ploß setze sich nicht genug dafür ein, den Hafen
stärker aus Bundesmitteln zu fördern.
Schäden
an einer Oberleitung im Hauptbahnhof
haben am Sonntag den Zugverkehr behindert. Es kam zu Verspätungen,
längeren Fahrzeiten und Umleitungen. Grund
dafür war laut einem Bahnsprecher ein Kurzschluss, woraufhin
ein Tragseil gerissen ist.
Bis zum Abend war alles repariert.
Mit
einem 2:1
gegen Werder Bremen
hat sich der FC St. Pauli am Sonntag auf den Relegationsplatz der
Ersten Fußballbundesliga vorgekämpft. Der HSV spielte schon am
Freitag 1:1 gegen Mainz und steht jetzt auf Platz elf.
Voraussichtlich
bis morgen Vormittag fließt der
Verkehr auf der A7 nur zäh. Nach
einem Warnstreik bei der Autobahn GmbH am Freitag und Bauarbeiten am
Wochenende schränkt nun ein weiterer Warnstreik der
Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di die Nutzbarkeit des Elbtunnels
ein.
Bürgerschaftspräsidentin
Carola
Veit (SPD) möchte die Hamburger Volksgesetzgebung ändern.
In der Welt am Sonntag warb sie für die Idee,
eine ausländische Finanzierung für Volksinitiativen künftig
auszuschließen, größere Spenden offenzulegen und dem Senat
öffentliche Stellungnahmen
zu gestatten.
Aus Hamburg
Harte Nummer
Eine
Harburger Kleingartensiedlung ist seit 80 Jahren bewohnt. Daran stört
sich nun plötzlich das Bezirksamt – und ließ schon ein Haus
räumen. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Artikel von ZEIT-Autor
Tom Kroll.
Ginge
es nach den Plänen des Bezirksamts Harburg, dann wäre im Postkasten
des Nymphenwegs 30 nur noch ein einziger Brief gelandet: und zwar der
vom 4. August 2025. Geschickt hatte ihn das Amt selbst. In dem
zweiseitigen Schreiben teilen die Beamten mit, dass “hiermit” die
“irrtümlich erteilte Hausnummer” aufgehoben sei. Mit dieser
Aufkündigung der Meldeadresse würden 81 Menschen heimatlos werden.
Das
ist nicht schön, aber aus Sicht des Bezirksamts rechtens. Und darum
geht es dessen neu gewähltem Leiter, dem Sozialdemokraten und
ehemaligen Bundestagsabgeordneten Christian Carstensen.
Der
Nymphenweg 30 ist ein Areal mit Sandweg und hohen Hecken am Rand des
Harburger Stadtparks. Offiziell befinden sich dort
“Dauerkleingärten”, so steht es in einem Bebauungsplan aus dem
Jahr 1968. In den als “Grünfläche” ausgewiesenen Grundstücken
sollen die Nutzer grillen, gärtnern und sich sonnen – und abends
wieder nach Hause gehen. Keinesfalls dürfen Menschen in derartigen
Anlagen leben. Damit ebendas nicht geschieht, erhalten sie an sich
auch keine Postanschrift. Der Nymphenweg 30 aber hat beziehungsweise
ist eine Postanschrift.
Was
an der fraglichen Adresse vorzufinden ist, wirkt auf den ersten Blick
auch nicht wie eine Kleingartensiedlung. Dort wären nur
24‑Quadratmeter‑Lauben
zulässig, hier aber stehen etliche bungalowartige Einfamilienhäuser
mit Anbauten und ausladenden Terrassen. Es gibt Klingelschilder,
Pforten, Gardinen und rauchende Schornsteine, auf den
Satellitenbildern von Google Maps lassen sich sogar Swimmingpools
erkennen. “Dass wir hier leben, war nie ein Geheimnis”, erzählt
eine der Bewohnerinnen. Sie habe sich in ihrem Heim sicher gefühlt,
sagt sie, 2021 sei die Hausnummer sogar offiziell noch einmal neu
vergeben worden.
Die
Menschen in der Siedlung sind schüchtern. Einige schauen auf den
Boden und sagen, sie wollten nicht mit Journalisten reden. Andere
fürchten, etwas Falsches zu sagen und “den Prozess” zu gefährden.
Ein großer Mann mit kleiner Brille stellt sich als Sprecher vor.
Wolf-Dieter Balaszeskul ist 67, selbstständiger Aloe-vera-Händler
und Apothekenbote. Er sei vor ein paar Jahren zugezogen, berichtet er
und öffnet seine Pforte.
Wie
es für die Bewohner der Siedlung nun weitergehen soll,
lesen Sie weiter in der ungekürzten
Fassung. →
Zum
Artikel (Z+)
Schon gelesen?
Kurze Haare sind praktischer als lange
In der Serie “Was ich
gerne früher gewusst hätte” verraten jede Woche Prominente, was
sie erst spät begriffen haben. Die neue Folge bestreitet
der Klimaforscher und Meteorologe Mojib Latif. Der 71-Jährige ist in
Hamburg als Sohn pakistanischer Eltern aufgewachsen und lehrt heute
am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Zudem ist er
Präsident der Akademie der Wissenschaften in Hamburg
und der Deutschen Gesellschaft Club of Rome.→ Zum
Artikel (Z+)
Darauf können Sie sich freuen
Das
nächste Feierabendkonzert des Kammerkunstvereins in der Halle 424 im
Oberhafen steht unter dem Titel “Glanz”. Im Zentrum des Abends: Gabriel Faurés erste Violinsonate A-Dur
für Violine und Klavier. Juditha Haeberlin (Violine) und
Franck-Thomas Link (Klavier) spielen zudem Werke von Scarlatti sowie
Geigensoli des schwedischen Komponisten Johan Helmich Roman.
“Glanz”,
25.2., 18 Uhr; Halle 424, Stockmeyerstraße 43,
weitere Infos und Tickets gibt es hier
Meine Stadt
Hamburger Schnack
Neulich
im Bus der Linie 5 in Richtung Innenstadt. An der Haltestelle
“Hoheluftbrücke” steigen die Fahrgäste ein und aus. Der Busfahrer
fährt los, stoppt dann aber doch und wartet auf eine Frau, die
angerannt kommt. Er lässt sie noch einsteigen. Eine Mitfahrerin, in
Hörweite des Busfahrers: “Meine Mutter hat immer gesagt, Bussen und
Männern soll man nicht hinterherlaufen. Es kommt immer der nächste!”
Gehört
von Heide Alster
Die heutige Ausgabe zum vertieften Lesen
Harte
Nummer (Z+) – Eine Harburger Kleingartensiedlung ist seit 80
Jahren bewohnt. Daran stört sich nun plötzlich das Bezirksamt und
ließ schon ein Haus räumen.
Mojib
Latif: Was ich gerne früher gewusst hätte (Z+) – Hier verraten jede Woche Prominente, was sie erst spät begriffen
haben. Mojib Latif, 71, ist ein deutscher Klimaforscher und
Meteorologe.
Disclaimer : This story is auto aggregated by a computer programme and has not been created or edited by DOWNTHENEWS. Publisher: newsfeed.zeit.de







