Freizeit: Landesgartenschau soll Oberhessen zum Blühen bringen

0
4

Touristische Hotspots in Hessen wie der Rheingau oder Edersee ziehen jährlich Millionen von Besuchern an – Oberhessen hingegen gehört bislang noch eher zu den Geheimtipps. Dabei hat die Region zwischen Wetterau und Vogelsberg viele landschaftliche Reize und kulturelle Schätze zu bieten. Hessens erste interkommunale Landesgartenschau, die in gut einem Jahr eröffnet wird (22. April bis 3. Oktober 2027), lädt die Besucher zu einer Entdeckungstour in die elf beteiligten Kommunen ein. Schon jetzt nehmen die Projekte deutlich Gestalt an. Die Initiatoren versprechen sich kräftigen Rückenwind für die gesamte Region.

Welche Schwerpunkte hat die Schau?

Wasser, der Vulkanismus des Vogelsbergs, Geschichte, Natur und Heimat – das sind die Themen, die die Landesgartenschau in den Mittelpunkt rückt. Auf eine behutsame, naturnahe und klimafreundliche Neu- und Umgestaltung von Flächen wird dabei viel Wert gelegt, wie Landesgartenschau-Geschäftsführer Thomas Hellingrath deutlich macht. 

Zu den Herzstücken der Schau wird neben dem Stadtpark in Büdingen und dem Kurpark in Nidda-Bad Salzhausen auch der Schlosspark in Gedern gehören. Aber auch darüber hinaus können die Besucher zahlreiche kommunale Projekte erleben – und natürlich das Thema Garten und Blumen in allen Facetten.

Baustellenbesuch in Gedern – was gibt es schon zu sehen?

So wird ein Rundweg im früheren Barock-Garten am Gederner Schloss mit bepflanztem Rondell die Besucher künftig zum Flanieren einladen. Terrassenartig angelegte Flächen bekommen barrierearme Wege mit wenig Steigung, damit auch Bewohnerinnen und Bewohner aus umliegenden Pflegeheimen sie in Zukunft rege nutzen können. 

Auf den Flächen sollen heimische Blumen erblühen. Ein neuer großer Spielplatz mit Sitzmöglichkeiten für die Eltern soll sich zu einem Anziehungspunkt für Klein und Groß entwickeln. Der ganze Park sei ein Projekt, mit dem Gedern auch attraktiv für Neubürger werden dürfte, sagt Bürgermeister Guido Kempel (parteilos). «Da bin ich fest davon überzeugt, dass das eine bleibende Wirkung hat.»   

Nicht mehr genutzte Flächen umgestalten – wie funktioniert das?

Auch auf ehemaligen Tennisplätzen in Gedern, die seit einiger Zeit nicht mehr genutzt wurden, entsteht dank der Landesgartenschau neues Leben: Hier wird ein Garten angelegt, in dem sich Interessierte von Experten im Pflanzenbau beraten lassen und später auch Schulklassen im Gärtnern ausprobieren können. Begrenzt wird die Fläche durch den Mühlbach, der teils aus einem engen Kanal befreit wurde und sich in einem neu angelegten Bett durch das Gelände schlängeln darf. 

Welche Rolle spielt die Klimafreundlichkeit?

Ob bei der Auswahl geeigneter Pflanzen oder der Bewässerung – das Thema fließt auf vielfältige Weise mit ein. Hunderte neue Bäume werden für die Landesgartenschau gepflanzt. Ein Klima-Hain am Fuß des Schlossparks soll erlebbar machen, wie wohltuend deren schattenspendende Kühle im Sommer ist. Regenwasser wird in großen Zisternen gesammelt. 

Wie kommt die Landesgartenschau bei den Bürgern an?

Mit anpacken – das wird bei der Landesgartenschau groß geschrieben – schon jetzt hätten sich fast 200 Freiwillige gemeldet, die bei der Schau helfen wollen, sagt eine Sprecherin – ob beim Pflanzen von Blumenzwiebeln oder als Gästeführer. Auch zu Informationsveranstaltungen in den einzelnen Kommunen kämen regelmäßig zahlreiche Interessierte.

Es gab aber auch Widerstand – was ist daraus geworden?

Zu Beginn war ein in Echzell im Wetteraukreis geplantes zentrales Projekt der Schau auf Ablehnung gestoßen: Ein dort geplanter «Zukunftspark» wurde durch einen Bürgerentscheid gekippt. Schade sei das schon – aber die Bürger hätten sich nun einmal dagegen entschieden, das müsse man akzeptieren, sagt Hellingrath. Das Gesamtvorhaben habe sich von diesem Rückschlag längst erholt. Echzell sei weiterhin an der Landesgartenschau beteiligt, jetzt aber eben in der zweiten Reihe. 

Wie profitieren die Kommunen?

Landesgartenschau – das sei nicht nur ein Projekt für das halbe Jahr der Öffnungszeit, sondern für Generationen, sagt Hellingrath. Durch die Fördermittel – mittlerweile habe man fast 30 Millionen Euro einwerben können – bekomme die Region die Chance, sich touristisch, wirtschaftlich und kulturell bekanntzumachen und weiterzuentwickeln. Dadurch könnten die Kommunen auch ihre Anziehungskraft als Wohn- und Arbeitsorte langfristig steigern. «Vor allem darf man nicht unterschätzen, was Gartenschauen an identitätsstiftender Wirkung haben.»

Ist die Region für viele Besucher gerüstet?

Touristisch habe Oberhessen «noch Luft nach oben», räumt der Landesgartenschau-Geschäftsführer ein – aber auch darin steckten Chancen. Die Besucher könnten hier eine Region erleben, die noch nicht so überlaufen sei. Größere Hotels gebe es nur vereinzelt – dafür aber etwas kleinteiligere Angebote. Wenn doch einmal größere Bettenkontingente benötigt würden, so könnten die Gäste etwa im nahen Bad Nauheim untergebracht werden. Hinzu kämen alternative Übernachtungsangebote, die in der Region ohnehin vorangebracht werden sollen: Die Gegend setzt auf den boomenden Wohnmobil-Tourismus, für den auch weitere Stellplätze geschaffen werden sollen.

© dpa-infocom, dpa:260327-930-872997/1

Disclaimer : This story is auto aggregated by a computer programme and has not been created or edited by DOWNTHENEWS. Publisher: newsfeed.zeit.de