Gesellschaft: Unrecht in der DDR: Manche Opfer schweigen seit Jahrzehnten

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In Sachsen-Anhalt schweigen Menschen seit Jahrzehnten über das Unrecht, das ihnen in der DDR widerfahren ist. Sie nehmen nicht die Leistungen in Anspruch, die ihnen zustehen, vermutlich wissen sie teils gar nicht um die Möglichkeiten. Darauf weist Sachsen-Anhalts Aufarbeitungsbeauftragter Johannes Beleites hin. «Es ist eine Herausforderung für uns, die Themen in alle Kreise zu tragen.»

Erst vor wenigen Monaten sei ein Mann bei ihm in der Beratung gewesen, der wegen Republikflucht fast zwei Jahre im Gefängnis saß – bis zur Amnestie im Oktober 1989. Er habe nach Jahrzehnten erstmals einem Sozialarbeiter bei der Bahnhofsmission von seinem Schicksal erzählt, der verwies ihn an die Beratung. Der Mann, der von Sozialhilfe lebt, kann nach einer strafrechtlichen Rehabilitierung künftig 400 Euro Zusatzleistung bekommen, die auch nicht angerechnet wird, sagt Beleites.

Er erinnert sich auch an eine Frau, die Ende der 1970-er Jahre in einen Jugendwerkhof – eine staatliche Erziehungs- und Arbeitseinrichtung – eingewiesen wurde. «Ihr Mann, ihre Tochter, ihre jüngeren Geschwister wussten nichts davon», sagt Beleites. Jetzt sei auch sie über einen Sozialarbeiter zur Beratung gekommen. 

Die Menschen seien sehr jung gewesen und hätten verinnerlicht, dass es ein Makel ist. Jetzt Betroffenen zu sagen, «Ihr könnt nichts dafür, es war ein Systemunrecht», sei dringend nötig. «Das ist noch lange nicht vorbei», sagt der Aufarbeitungsbeauftragte.

Neues Rehabilitierungsrecht – Beratungen gefragter

Seit dem vergangenen Jahr gibt es ein neues Rehabilitierungsrecht. Die Unterstützung für ehemalige politische Häftlinge, beruflich Verfolgte und Heimkinder aus der DDR sowie Zwangsausgesiedelte wurde verbessert, Anerkennungen erleichtert. 

Beleites sagt, der Staat sei da jetzt großherziger. Das hätte er sich allerdings sehr viel früher gewünscht. «Für viele kommt es zu spät. Viele sind verbittert gestorben.» Dennoch: Die Zahl der Beratungen beim Landesbeauftragten sind 2025 im Vergleich zum Vorjahr um ein Viertel gestiegen.

Bedeutsam seien die neuen Regelungen für alle Opfer der SED-Diktatur – auch für jene, die in Kinderheimen, Jugendwerkhöfen oder Spezialheimen untergebracht waren. Die Drangsalierung dort habe Folgen bis heute. Oft hätten diese Menschen keine richtige Ausbildung, sie seien damals auch erschreckend oft Opfer sexueller Übergriffe geworden.

Nicht immer geht es um finanzielle Aspekte. Ehemalige Heimkinder, die damals sehr jung waren, wollten oft auch einfach wissen, wo genau sie eigentlich gewesen sind. Als Kind oder Jugendliche seien sie einfach in Einrichtungen verlegt worden. Die Mitarbeiter seiner Behörde können dann bei der Suche in Archiven und bei der Klärung dieser Schicksale helfen.

© dpa-infocom, dpa:260407-930-912961/1

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