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Gesundheitswesen: Medizinerverband kritisiert mangelnde Forschung zu Frauengesundheit

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Viele Medikamente werden vorrangig an Männern erforscht, kritisiert die Gesellschaft für Innere Medizin. Dabei funktioniere deren Körper ganz anders als der weibliche.

Das
Gesundheitswesen in Deutschland ist nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für
Innere Medizin (DGIM) zu wenig auf die Bedürfnisse von Frauen ausgerichtet. “Bei
der geschlechtssensiblen Ausrichtung der Medizin stehen wir in der Forschung in
vielen Bereichen noch am Anfang”, sagte DGIM-Präsidentin Dagmar
Führer-Sakel der Rheinischen Post
. “Dies gilt insbesondere für hormonelle
und molekulare Grundlagen, hier bewegen wir uns gewissermaßen noch im
Mittelalter.”

Die Schieflage zeige
sich bereits in der Forschung, kritisiert Führer-Sakel. Studien würden
überwiegend an männlichen Probanden durchgeführt. “Die daraus gewonnenen
Ergebnisse werden anschließend häufig ohne weitere Differenzierung auf den
weiblichen Organismus übertragen”, sagte die DGIM-Präsidentin.

Unterschiede bei Fett, Muskeln und Hormonen

Besser wäre nach
Ansicht von Führer-Sakel eine Medizin, welche die körperlichen Unterschiede
zwischen Männern und Frauen berücksichtigt. So haben Männer in der Regel mehr
Muskelmasse. Auch Fett und Hormone verteilen sich anders in weiblichen Körpern
als in männlichen. Für die Medizin sind diese Unterschiede von großer
Bedeutung: Sie beeinflussen, wie gut Medikamente und Therapien wirken, heißt es
in der Rheinischen Post.

“Über Jahrzehnte
hinweg wurden geschlechtsspezifische Unterschiede – etwa bei autoimmunen
Erkrankungen, Krebs oder kardiovaskulären Erkrankungen – in der Forschung zu
wenig berücksichtigt”, sagte Führer-Sakel der Zeitung.

Verschiedene Studien zeigen zudem, dass Frauen in der Notaufnahme eines Kankenhauses im Schnitt 30 Minuten länger auf Hilfe warten als Männer. Sind sie endlich an der
Reihe, bekommen sie, bei gleicher Schmerzstärke, weniger Schmerzmittel als
Männer. Ihre Schmerzen werden prozentual häufiger als psychosomatisch
klassifiziert. In lebensbedrohlichen
Situationen werden sie sogar weniger oft reanimiert

Bundesgesundheitsministerin Nina
Warken (CDU) hat bereits angekündigt, die Belange von Frauen in der Medizin stärken zu wollen. Genaue Pläne stehen aber noch aus. Die DGIM vertritt
nach eigenen Angaben mehr als 30.000 Internisten in ganz Deutschland.

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