Weniger Busse, Einschränkungen an Schulen und Universitäten sowie ein reduziertes Urlaubsangebot für Touristen: Kuba ergreift infolge der verschärften Spannungen mit der US-Regierung und ihres Ölembargos drastische Maßnahmen zur Einsparung von Treibstoff. Wie die Regierung der sozialistischen Karibikinsel ankündigte, soll so das Wirtschaftsleben inklusive wesentlicher Dienstleistungen aufrechterhalten werden.
Washington habe im Zuge seiner «aggressiven Eskalation» gegen Kuba eine «Energie-Blockade» verhängt, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Óscar Pérez-Oliva zur Begründung des Notfallplans. Mehrere Minister erläuterten die Maßnahmen am Freitagabend (Ortszeit) im Staatsfernsehen.
Seit Dezember erhält Kuba kein Öl mehr aus Venezuela, da US-Präsident Donald Trump eine vollständige Blockade für sanktionierte Öltanker mit Lieferungen aus dem südamerikanischen Bruderstaat anordnete. Mit der Gefangennahme des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro durch das US-Militär am 3. Januar hat Havanna einen wichtigen Verbündeten verloren. Danach drohte Trump auch mit Zöllen gegen Kubas Öllieferanten. Mexiko, zuletzt Kubas größter Ölversorger, stellte seine Lieferungen ein.
Um Energie zu sparen, soll die öffentliche Verwaltung den Regierungsangaben zufolge nur noch von Montag bis Donnerstag tätig sein. Bus- und Bahnverbindungen sowie Fährfahrten werden stark eingeschränkt. Beamte können in andere Tätigkeitsbereiche versetzt werden, um Engpässe in wichtigen Wirtschaftsbereichen abzufedern. Die Universität von Havanna kündigte an, den Präsenzunterricht für 30 Tage weitgehend auszusetzen.
Touristen werden in andere Hotels verlegt
Auch Besucher aus dem Ausland sind in Teilen betroffen. Der Tourismus als wichtige Devisenquelle müsse geschützt werden, das Angebot werde sich jedoch auf die Urlaubsziele mit der höchsten Nachfrage konzentrieren, sagte Pérez-Oliva. Der Betrieb an den Flughäfen soll gewährleistet bleiben. Laut einem Bericht des Nachrichtenportals «14ymedio» wurden bereits vor der Ankündigung einige Hotels auf den paradiesischen Los-Cayos-Inseln vor der Küste Kubas geschlossen und Gäste in andere Einrichtungen gebracht.
Die aktuelle Krise auf der Insel wird mit der schwierigen Umbruchphase zu Beginn der 1990er Jahre verglichen. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion stürzte der Karibikstaat in seine bis dahin tiefste Wirtschaftskrise seit der Revolution unter Fidel Castro 1959. Das Bruttoinlandprodukt brach um mehr als ein Drittel ein, Öl wurde zur Mangelware. Mit Hilfe des ölreichen Partners Venezuela und der Einnahmen aus dem Tourismus fand Kuba erst einige Jahre später den Weg aus der Krise.
Aktuell ist die Ausgangslage laut Experten allerdings noch schlechter als damals. Die Kubaner leiden seit Jahren unter den Folgen systematischer Misswirtschaft und der verschärften Politik des mächtigen Nachbarn USA. Stromausfälle häufen sich, das Elektrizitätsnetz ist wegen fehlender Investitionen marode, es fehlt an Lebensmitteln und Medikamenten. Infolge der Krise besuchen auch immer weniger Touristen die Insel.
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