Kriminalität: Selbsternannte “Pedo-Hunter” vor Gericht – ging es um Raub?

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Sie geben sich in Fake-Profilen online oft als minderjährige Mädchen aus, locken Männer zu fingierten Sextreffen – und schlagen dann brutal zu: selbst ernannte «Pedo Hunter», also Pädophilen-Jäger. Ab heute (09.00) befasst sich das Stuttgarter Landgericht mit dieser Art Kriminalität – vier Männer sitzen auf der Anklagebank. Sie sind unter anderem wegen versuchten Mordes, Vergewaltigung und besonders schwerer räuberischer Erpressung angeklagt. 

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt: Die Angeklagten und zahlreiche weitere Verdächtige haben in der Region Stuttgart zwischen Januar 2024 und Juni 2025 systematisch Erwachsene in die Sex-Falle gelockt, bei den Treffen ausgeraubt und zum Teil schwer verletzt. Auf der Internetplattform «Knuddels» sollen sie sich als junge Mädchen im Alter von 16 bis 18 Jahren ausgegeben und mit erwachsenen Männern verabredet haben. 

In die Falle gelockt

Ihr Ziel scheint es aber weniger gewesen zu sein, sich als «Retter» von hilflosen Kindern zu inszenieren und die Männer durch Videos von den Treffen bloßzustellen. Vielmehr raubten sie ihre Opfer am Treffpunkt aus. «Vor Ort sollen die oft mit Messern, Pfefferspray, Schlagstöcken oder Schusswaffen bewaffneten Tatverdächtigen die Männer angegriffen und teilweise ausgeraubt, vergewaltigt oder sehr schwer verletzt haben», beschreibt die Staatsanwaltschaft.

Was sie nicht wussten: Beim 15. Treffen verabredeten sich zwei von ihnen mit einem Undercover-Polizisten der Ermittlungsgruppe «Teddy» – und liefen damit selbst in die Falle. Der Gruppe werden laut Gericht 15 Taten zur Last gelegt. 

Drei junge Männer waren schon Ende Juni in Stuttgart verhaftet worden, ein weiterer im Dezember. Aber der Kreis der mutmaßlichen Täterinnen und Täter soll deutlich größer gewesen sein: Mehr als zwei Dutzend Wohnungen wurden Ende des Jahres in und um Stuttgart, Esslingen und Waiblingen durchsucht. Nach damaligen Angaben der Polizei werden 15 weitere Männer und 3 Frauen verdächtigt, in unterschiedlicher Weise beteiligt gewesen zu sein.

Sie nennen sich «Pedo-Hunter»

Selbsternannte «Pedo-Hunter» geben sich in Fake-Profilen auf Internetportalen oft als minderjährig aus, um mutmaßliche Sexualstraftäter in eine Falle zu locken. Das Aufeinandertreffen wird meist gefilmt und im Internet geteilt. Diese öffentliche Bloßstellung geschieht ohne rechtliche Legitimation.

Denn obwohl sich viele Akteure auf ein moralisches Anliegen berufen, verstoßen sie häufig selbst gegen Strafgesetze – oder wie es ein Frankfurter Richter bei einer Urteilsverkündung im Januar an den Angeklagten gerichtet formulierte: «Sie sind ein stinknormaler Straftäter und kein Wohltäter.» Auch der damals 23-jährige Obdachlose hatte das «Pedo-Hunting» laut Frankfurter Gericht als Deckmantel genutzt, um Männer auszurauben. Er habe damit gerechnet, dass diese wegen der peinlichen Situation nicht zur Polizei gehen würden. 

Polizei: «Masche nur genutzt»

Allerdings seien die Fälle aus der Region Stuttgart nicht wirklich mit dem klassischen Phänomen vergleichbar, hatte die Polizei nach der Razzia erklärt. Die angegriffenen Männer hätten in den meisten Fällen nichts falsch gemacht. Der Begriff «Pedo-Hunter» passe daher nicht, auch wenn sich einer der Angeklagten so genannt habe.

«Die Tatverdächtigen haben diese Masche schlichtweg genutzt, um die Männer anzugreifen und auszurauben», hatte der Leiter der Ermittlungsgruppe, Mario Teufel, gesagt. 

Zu möglichen rechtsextremen Bezügen der Verdächtigen machten Polizei und Staatsanwaltschaft bislang keine Angaben. Laut Verfassungsschutz ist das Phänomen in der rechten Szene weit verbreitet, weil es etwa mit dem Feindbild «sexuelle Minderheiten» deckt.

© dpa-infocom, dpa:260313-930-809656/1

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