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Landtagswahl in Baden-Württemberg: Alles Wichtige zur Landtagswahl in Baden-Württemberg 2026

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Manuel Hagel oder Cem Özdemir? Vieles deutet auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen in Baden-Württemberg hin. Die wichtigsten Antworten zu den Kandidaten und Wahlkampfaufregern

Eins steht schon vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg fest: Es wird einen neuen Ministerpräsidenten geben. Der bisherige “Landesvater” Winfried Kretschmann (Grüne) tritt nicht mehr zur Wahl an. Nach fünfzehn Jahren sei er froh, aufzuhören, sagte Kretschmann der ZEIT. Aber bedeutet sein Abschied aus der Politik auch, dass die Grünen ihre Machtposition im Ländle verlieren? Oder kann Cem Özdemir nahtlos anknüpfen und das schwierige Kretschmann-Erbe als Ministerpräsident antreten? Die CDU will das verhindern. Lesen Sie hier alles Wissenswerte zur Landtagswahl in Baden-Württemberg.

Wann wird in Baden-Württemberg gewählt?

Wahltag in Baden-Württemberg ist der 8. März 2026. Dieser Termin wurde von der amtierenden grün-schwarzen Landesregierung festgelegt. Bei vergangenen Wahlen wurde oft zeitgleich mit Rheinland-Pfalz gewählt. Das ist dieses Mal nicht so, weil sich die beiden Bundesländer nicht auf einen gemeinsamen Termin einigen konnten.

Die Wahllokale sind von 8:00 Uhr bis 18:00 Uhr geöffnet. Eine Briefwahl ist schon vorher möglich und kann noch bis zum 6. März beantragt werden. Die Wahlbenachrichtigungen wurden bereits im Januar verschickt.

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Wie ist die politische Ausgangslage?

Aktuell regiert in Baden-Württemberg eine Koalition aus Grünen und CDU, angeführt vom scheidenden Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. Er kam bei der letzten Landtagswahl mit den Grünen auf 32,6 Prozent und gewann mit deutlichem Vorsprung vor der CDU (24,1 Prozent). Die Sitzverteilung im Stuttgarter Landtag ist derzeit wie folgt:

Er sagt Adé: Grünen-Ministerpräsident Winfried Kretschmann verabschiedet sich nach 15 Jahren im Amt.

  • Grüne: 58 Sitze
  • CDU: 42 Sitze
  • SPD: 19 Sitze
  • FDP: 18 Sitze
  • AfD: 17 Sitze

Die lange Amtszeit von Winfried Kretschmann ist ungewöhnlich und hat Baden-Württemberg in den letzten Jahren eine politische Sonderrolle verschafft. Denn Kretschmann war der erste grüne Ministerpräsident Deutschlands und der am längsten amtierende Ministerpräsident in Baden-Württemberg. Er löste 2011 zunächst mit einer
grün-roten Koalition die jahrzehntelange CDU-Vorherrschaft ab. 2016
wurden die Grünen erstmals stärkste Kraft und wechselten in ein Bündnis
mit der CDU. Seither regiert Kretschmann an der Spitze einer
grün-schwarzen Koalition und gewann 2021 erneut deutlich.

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Was macht die Wahl in Baden-Württemberg so spannend?

Die Landtagswahl bildet den Auftakt für ein Superwahljahr mit vier Landtags- und einer Abgeordnetenhauswahl. Sie gibt den politischen Takt für 2026 vor und kann eine Signalwirkung
entfalten, die weit über die Landesgrenzen hinausreicht. Die Strateginnen und Strategen in den Parteizentralen in Berlin dürften genau hinschauen, was im
Südwesten passiert.

Eine Niederlage für die CDU
könnte Bundeskanzler Friedrich Merz schwächen. Schlechte Ergebnisse für die SPD dürften das Standing der Bundespartei in der Regierung abwerten. Und dann gibt es ja auch noch die FDP. Von den Liberalen im Südwesten ist zu hören:
Scheitern wir in Baden-Württemberg, scheitern wir überall.

Baden-Württemberg ist außerdem das drittgrößte Bundesland Deutschlands und darf satte sechs Sitze im Bundesrat einnehmen – kein Bundesland hat mehr. Das Wort aus dem Südwesten hat also Gewicht. Das liegt auch daran, dass Baden-Württemberg ein industrielles Herz Deutschlands ist. Die Autoindustrie rund um Daimler, Porsche und Bosch bildet die wirtschaftliche DNA im Land. Und die ist durch den Strukturwandel in einem tiefen Umbruch.

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Welche Parteien treten an?

Insgesamt treten 21 Parteien bei der Landtagswahl an, genau so viele wie beim letzten Mal. Neben den im Bundestag vertretenen Parteien Grüne, CDU, SPD und AfD treten auch FDP und Linke an. Auch die Freien Wähler, die PARTEI, Volt und die Tierschutzpartei stehen auf dem Wahlzettel. Hinzu kommen kleinere Gruppierungen wie die Klimaliste BW oder das Bündnis C.

Zudem gibt es lokale Unterschiede, denn in den einzelnen Wahlkreisen haben manche Parteien aufgrund ihrer Größe keine eigenen Kandidaten nominiert.

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Was sagen die jüngsten Umfragen aus?

Es könnte ein dramatischer Wahlabend werden in Baden-Württemberg. Denn die aktuellen Umfragen prognostizieren ein extrem enges Rennen. Die jüngste Umfrage von Infratest dimap Ende Februar für Baden-Württemberg sieht die CDU nur noch ganz knapp an erster Stelle mit 28 Prozent. Dahinter kommen direkt die Grünen mit 27 Prozent und mit deutlichem Abstand die AfD mit 18 Prozent. Die SPD liegt demnach bei 7 Prozent, die FDP bei 6 Prozent und die Linke bei 5,5 Prozent.

Landtagswahl in Baden-Württemberg: Von links nach rechts: die Spitzenkandidaten Cem Özdemir (Grüne), Manuel Hagel (CDU) und Markus Frohnmaier (AfD) beim TV-Triell

Von links nach rechts: die Spitzenkandidaten Cem Özdemir (Grüne), Manuel Hagel (CDU) und Markus Frohnmaier (AfD) beim TV-Triell

Damit konnten die Grünen zuletzt deutlich zulegen und den Rückstand fast ausgleichen. Für die Linke steht der erste Einzug in den Stuttgarter Landtag auf der Kippe.

Alle Parteien der demokratischen Mitte habe eine Koalition mit der AfD ausgeschlossen. Folgt man den Positionen der Parteien auf Basis des Wahl-o-Mats in Baden-Württemberg, wird deutlich, dass Grüne, SPD und Linke sich politisch am nächsten stehen. Eine Fortsetzung der Koalition aus Grünen und CDU ist dennoch sehr realistisch – je nach Wahlausgang möglicherweise mit neuem Seniorpartner.

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Mit welchen Spitzenkandidaten treten die Grünen in Baden-Württemberg an?

Die Grünen versuchen, mit dem aus der Bundespolitik bekannten Cem Özdemir den Regierungssitz Villa Reitzenstein in Stuttgart zu verteidigen. Er war lange Parteichef der Grünen (2008–2018), 2017 Spitzenkandidat für
die Bundestagswahl. In der gescheiterten Ampelregierung war Özdemir
Bundeslandwirtschaftsminister (2021–2025) mit einer eher mauen Bilanz;
nach dem Bruch der Ampel übernahm er zusätzlich noch kurz als
Bundesbildungsminister.

Özdemir nahm sich im Wahlkampf “maximale Beinfreiheit” heraus, um sich von den Bundes-Grünen abzugrenzen. So forderte er beispielsweise “mehr Flexibilität” beim Verbrenner-Aus, hinterfragte die politische Taktik der Grünen beim Thema Klima und kritisierte das Abstimmungsverhalten seiner europäischen Parteikollegen zum Mercosur-Abkommen. Sein Ziel formuliert er gerne schwäbelnd: “Ich will Minischterpräsident von Baden-Württemberg werden.”

Er setzt auf “Beinfreiheit”, eine Aufholjagd und einen konservativ-grünen Kurs: Cem Özdemir

Özdemirs Hauptaugenmerk liegt auf der Wirtschaft – dem zentralen Wahlkampfthema. In der Partei gehört er dem Realo-Flügel an und versucht, für pragmatische Lösungen zu werben. Er forderte mehr Investitionen in Zukunftsbranchen wie Medizintechnologie, Verteidigungswirtschaft oder künstliche Intelligenz und kündigte für den Fall seiner Wahl mehr Effizienz und weniger Bürokratie an. Die Klimapolitik spielt als Grüner natürlich auch eine Rolle für Özdemir, ist aber eher untergeordnet.

Dass Özdemir als Sohn türkischer Gastarbeiter im schwäbischen Bad Urach geboren wurde, ist Teil seiner politischen Erzählung. Özdemir nennt sich selbst “anatolischer Schwabe” und webt seine Aufstiegsgeschichte und die schwäbische Herkunft häufig in Reden und öffentliche Auftritte ein. Er musste sich schon früh gegen Widerstände und Abwertungen durchsetzen, das hat Özdemir geprägt. 

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Wer ist CDU-Spitzenkandidat in Baden-Württemberg?

Die CDU tritt mit einem sehr jungen, eher unbekannten Spitzenkandidaten an. Manuel Hagel, 37 Jahre alt und seit fast fünf Jahren der Fraktionsvorsitzende im Landtag. Der gelernte Bankkaufmann war mal Sparkassenchef, bevor er sich über alle Parteiebenen hocharbeitete zum CDU-Spitzenkandidaten. Er gilt als konservativ und verwies im Wahlkampf häufig darauf, dass er “junger, dreifacher Vater” ist.

Landtagswahl in Baden-Württemberg: Der CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel versucht mit seinem Image als konservativer, junger Familienvater zu punkten, ist vielen in Baden-Württemberg aber unbekannt.

Der CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel versucht mit seinem Image als konservativer, junger Familienvater zu punkten, ist vielen in Baden-Württemberg aber unbekannt.

Wenn Hagel Ministerpräsident werden sollte, wäre er (dann mit 38 Jahren) Deutschlands jüngster Länder-Regierungschef. Sein Problem: Viele Baden-Württemberger kennen ihn nicht. Er hat keinen Amtsinhaberbonus und ist kein Landesminister. Deshalb holte er sich im Wahlkampf Unterstützung von Bundeskanzler Friedrich Merz und von Bayerns CSU-Ministerpräsident Markus Söder.

Auch Hagel setzt aufs Thema Wirtschaft und will den Mittelstand und Zukunftstechniken fördern. Die anderen Themen, die er immer wieder in Reden adressiert: Sicherheit und Bildung. In der Migrationspolitik will Hagel mit “Herz und Härte” vorgehen. Er distanziert sich regelmäßig von der AfD, will “ein Bollwerk” bilden gegen die Partei und sieht die AfD als “Hauptgegner”. Gleichzeitig grenzt er sich auch von den Grünen ab, deren Politik er als “belehrend” bezeichnet. Er distanzierte sich im SWR von der in Teilen der CDU benutzten Formulierung “Lifestyle-Teilzeit” und positionierte sich gegen ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche.

Im Wahlkampf holte Hagel ein altes Video ein, in dem er sich während eines TV-Interviews sexistisch über eine Schülerin äußert (mehr dazu im Abschnitt “Aufreger-Themen im Wahlkampf”).

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Wer tritt für die anderen Parteien an?

Die AfD schickt den Bundestagsabgeordneten Markus Frohnmaier ins Rennen. Er ist Co-Vorsitzender in Baden-Württemberg, steht aber nicht auf der Landesliste. Heißt: Wird er nicht Ministerpräsident, bleibt er in Berlin, wo er AfD-Vize-Fraktionschef ist. Frohnmaier gilt als Hardliner in seiner Partei, pflegt Kontakte nach Russland und zu Trumps Maga-Bewegung in den USA – letzteres führte er im Wahlkampf als Vorteil für Baden-Württemberg an. In der Vergangenheit fiel Frohmaier häufig durch eine harte, provozierend-überzeichende Wortwahl gegenüber anderen Parteien und Migrant:innen auf. Er war Vorsitzender der Jungen Alternative und Pressesprecher von Alice Weidel.

Für die SPD geht Andreas Stoch an den Start. Er ist Landeschef der Sozialdemokraten. Stoch war in der ersten Amtszeit von Grünen-Ministerpräsident Kretschmann in der damaligen grün-roten Landesregierung Kultusminister. Damals (2011) lag die SPD noch bei über 20 Prozent – ein Traumwert angesichts der laut Umfragen derzeit mageren 7 Prozent. Stoch kritisierte Kretschmann im Wahlkampf und sprach ihm die “politische Gestaltungskraft” ab.

FDP-Spitzenkandidat ist Hans-Ulrich-Rülke. Er ist Landeschef und Fraktionsvorsitzender der Liberalen. Rülke war früher Lehrer und gilt als emotionaler Rhetoriker. Mit 20 Jahren Landtagserfahrung ist er schon lange im Geschäft. Im Wahlkampf setzt Rülke auf die Themen Wirtschaft und Bürokratieabbau. Die Wahl in Baden-Württemberg stuft er als “Schicksalswahl für den Liberalismus in Deutschland” ein.

Bei den Linken bestreiten drei Frauen als Trio den Wahlkampf als Spitzenkandidatinnen. Kim Sophie Bohnen, Amelie Vollmer und Mersedeh Ghazaei heißen sie, jede deckt ein bestimmtes Themenfeld im Wahlkampf ab. Gemeinsam wollen sie erstmals den Einzug der Linken in den Stuttgarter Landtag erreichen. Auf dem Wahlparteitag gaben sie sich kämpferisch und setzten in ihren Reden klassische linke, antikapitalistische Positionen zu den Themen Gesundheit, Wohnen und Bildung.

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Welche Themen bestimmen den Wahlkampf in Baden-Württemberg?

Vor allem die angeschlagene Wirtschaft in Baden-Württemberg und die kriselnde Autoindustrie dominieren den Wahlkampf. Die Arbeitslosenquote stieg im Januar 2026 auf 4,8 Prozent, arbeitslos gemeldet waren 310.000 Menschen – der höchste Stand seit fast 20 Jahren. Verglichen mit anderen Bundesländern steht Baden-Württemberg zwar noch gut dar, Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) nannte den Trend trotzdem “alarmierend”.

Fast eine halbe Million Menschen arbeiten in Baden-Württemberg in der Automobilindustrie – wenn Tausende Jobs (wie bei Bosch oder ZF in Friedrichshafen) wegfallen sollen, sorgt das für Zukunftsängste.

Für die Wählerinnen und Wähler stehen laut einer Studie des Karlsruher FZI Forschungszentrum Informatik allerdings zwei andere Themen an erster Stelle: die hohen Mieten und die Qualität staatlicher Schulen. Das berichten die Stuttgarter Nachrichten.

Weitere Themen, die im Wahlkampf immer wieder zur Sprache kommen: das Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger und der Umgang mit geflüchteten Menschen.

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Gab es Aufreger-Themen im Wahlkampf?

Ein Videoausschnitt aus dem Jahr 2018 sorgte für den meisten Wirbel im Wahlkampf. Er zeigt CDU-Kandidat Manuel Hagel, der in einer regionalen TV-Sendung als Interviewgast spricht
und sich über das Aussehen einer minderjährigen Schülerin äußert. Hagel
berichtet in dem Clip von einem Besuch an einer Realschule. Die Klasse
habe zu 80
Prozent aus Mädchen bestanden – “also da gibt’s für 29-jährige
Abgeordnete schlimmere Termine als diesen”, sagt Hagel in dem
Ausschnitt. Eine der
Schülerinnen habe ihm eine Frage gestellt, das werde er “nie vergessen”,
fügt er in dem Interview hinzu. Im Anschluss nennt er ihren Vornamen
und beschreibt ihr Aussehen mit den Worten “braune Haare, rehbraune
Augen”.

Hagel geriet wegen der Aussagen unter Druck
und nahm dazu Stellung: “Der Einstieg für dieses Interview 2018 war
Mist”, sagte er. Seine
Frau habe ihm damals im Anschluss “direkt den Kopf gewaschen”. Im
TV-Triell im SWR äußerte sich auch Grünen-Kandidat Cem Özdemir dazu. Er
sei sich sicher, “Herr Hagel würde das heute nicht
mehr so formulieren”. AfD-Kandidat Markus Frohnmaier nannte Hagels
Aussage “nicht normal” und “verstörend”.

Das Triell selbst stand
im Wahlkampf ebenfalls in der Kritik. Die FDP reichte eine Klage ein und
warf dem SWR vor, die AfD gegenüber den beiden größeren
Oppositionsparteien FDP
und SPD zu bevorzugen. Beide haben im aktuellen Landtag mehr Sitze als
die AfD. Die Liberalen forderten, der Sender solle entweder auch FDP
und SPD einladen oder das Triell absagen. Das Verwaltungsgericht
Stuttgart lehnte die Eilanträge des FDP-Landesverbands ab.

AfD-Kandidat Frohnmaier musste sich im Wahlkampf mit Vorwürfen der Vetternwirtschaft auseinandersetzen. Seine Frau arbeitet für den AfD-Bundestagsabgeordneten Johann Martel.
Dafür bekam Frohnmaier auch viel Kritik aus dem eigenen Landesverband.
Er selbst sagte dazu im SWR, es sei falsch, “per se zu sagen, nur weil
man
irgendwie aus der Familie kommt, darf der nicht mehr Politik machen oder
für eine Partei arbeiten”. Es komme auf den Einzelfall an.

Auch eine Hochzeit sorgte für Schlagzeilen im Wahlkampf: Cem Özdemir heirate am 14. Februar seine Partnerin Flavia Zaka,
die Trauung leitete der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer
(parteilos). Palmer war früher bei den Grünen, war dort wegen
verschiedener Äußerungen (unter anderem der Verwendung des
N-Wortes) sehr umstritten und gilt als Reizfigur in der Partei. Gleichzeit ist er ein
enger Freund Özdemirs. Auch wegen dieser Gemengelage in Kombination mit
dem Timing sorgte die Hochzeit für Aufsehen.

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Welche Ziele haben die Parteien?

Die Grünen stellen ihren Wahlkampf unter den Slogan “Stabil in bewegten Zeiten”. So will die Partei auf “das Auto der Zukunft” setzen, das aus Baden-Württemberg kommen soll. Damit sind Elektroautos gemeint. Die Grünen wollen die Ladeinfrastruktur ausbauen und die Batterieproduktion in Europa fördern. Auch Zukunftstechniken wie Wasserstoff, künstliche Intelligenz und Robotik sollen gefördert werden. Ein sogenanntes Effizienzgesetz soll Firmen im Land entlasten, alle Berichtspflichten sollen bis 2027 wegfallen.

Umweltpolitisch setzt die Partei auf die sogenannte Klimamilliarde: Über zehn Jahre soll sie in Kommunen fließen und in Klimaschutzvorhaben vor Ort investiert werden. Städte sollen klimafest gemacht werden, indem Flächen entsiegelt und Bäume gepflanzt werden. Ein neues Bürgerenergiegesetz soll zudem bewirken, dass Kommunen an Einnahmen aus Windkraft und Solarparks beteiligt werden. Im ÖPNV soll der Fahrtakt auf dem Land und in der Stadt verbessert werden.

In der Bildungspolitik setzen die Grünen auf Chancengleichheit, wollen ein beitragsfreies, letztes Kitajahr und ein kostenloses Mittagessen an Startchancenschulen einführen. 

Bei der Migrationspolitik verteidigen die Grünen das Grundrecht auf Asyl, wollen die Integration verbessern, das Angebot an Sprachkursen ausbauen und lehnen Abschiebungen “von Auszubildenden
und sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die keine schweren
Straftaten begangen haben” ab. Menschen
ohne Aufenthaltsrecht und Bleibeperspektive sollen das Land verlassen.

Im Bereich Wohnen und Bauen wollen die Grünen Mieter schützen, den landeseigenen Wohnungsbestand durch Rückkauf vergrößern, die Bauauflagen vereinfachen, um schneller zu bauen. Leerstand soll besser erfasst, bestehende Gebäude sollen für Wohnungen umgenutzt werden. Die Mietpreisbremse soll ausgeweitet und stärker überwacht werden, Schlupflöcher wollen die Grünen schließen. Der Wohnungsneubau soll deutlich günstiger werden. Wer seine erste Immobilie kauft, soll – je nach Einkommen – weniger Grunderwerbssteuer zahlen.

Die CDU überschreibt ihr Wahlprogramm mit Agenda der Zuversicht. Unser Land in guten Händen. Mit ihrer Wirtschaftspolitik will die CDU “das Ländle” zur stärksten Innovationsregion Europas machen. Sie will zudem einen Zukunftsfonds auflegen, um in innovative Unternehmen zu investieren. Außerdem macht sie sich für Handwerker und den Mittelstand stark und will bürokratische Verfahren beschleunigen. Es sollen sogenannte “Sonderwirtschaftszonen” eingerichtet werden, in denen auf landesrechtliche Beschränkungen verzichtet wird, um Technologien unter realen Bedingungen zu testen. 

Im Verkehrsbereich setzt die CDU auf einen Mix, will den Ausbau von Autobahnen vorantreiben und den ÖPNV stärken. Für die Automobilindustrie pocht die Partei auf Technologieoffenheit und will das Verbrennerverbot abschaffen.

In der Migrationspolitik wollen die Christdemokraten qualifizierte Zuwanderung fördern, irreguläre Migration aber konsequent begrenzen. Integration soll über Sprache und Arbeit laufen. In der Sicherheitspolitik sollen Polizei, Verfassungsschutz, Justiz sowie Katastrophen- und Zivilschutz personell, rechtlich und technisch deutlich gestärkt werden. Kernforderungen sind mehr Polizei auf der Straße, mehr Videoschutz (auch durch KI), bessere Cybersicherheit und die Ausstattung der Polizei mit Tasern.

In der Klimapolitik will die CDU mehr in Anpassung investieren und etwa Modelle wie die Schwammstadt vorantreiben. Klimaschutzvorhaben sollen nach Effizienz gestaffelt umgesetzt werden (was pro eingesetztem Euro am meisten Einsparung bringt, hat Vorrang).

Bei der Bildungspolitik setzt die CDU unter anderem auf den Grundsatz “erst deutsche Sprache, dann erste Klasse”. Die Sprachförderung in Kitas soll ausgebaut werden, das letzte Kitajahr verpflichtend und kostenlos sein. Smartphones an Schulen sollen verboten werden. Der Lehrerberuf soll attraktiver werden, um den Mangel an Lehrkräften anzugehen; sie sollen zudem schneller eingestellt und digitaler ausgebildet werden.

In der Wohnungspolitik setzt die CDU auf “mehr Bauen”, will die Baustandards flexibilisieren und für mehr Bauland sorgen. Außerdem will sie den Kauf des ersten Eigenheims mit 10.000 Euro pro Erwerbsperson und 5.000 Euro pro Kind fördern. 

Die AfD will in der Wirtschaftspolitik vorschreiben, dass öffentliche Unternehmen und Behörden nur noch Autos kaufen, die in Baden-Württemberg produziert wurden. Energiekosten sollen gesenkt werden. In der Migrationspolitik will sie einen Volksentscheid zu bestimmten Punkten wie Zurückweisungen an der Grenze initiieren, mehr abschieben und nur noch Sachleistungen an Asylbewerber ausgeben. In der Sicherheitspolitik fordert die AfD eine eigene Grenzpolizei für Baden-Württemberg, setzt auf Zäune als Sicherheitsfaktor und Taser für die Polizei.

Die AfD bestreitet den vom Menschen verursachten Klimawandel und will wieder Atomkraftwerke nutzen. Geld für Klimaschutzvorhaben lehnt sie ab. Im Verkehrsbereich positioniert sie sich pro Auto. In der Wohnungspolitik will sie den Kauf von Eigenheimen fördern und lehnt Asylbewerber in Sozialwohnungen ab.

Da die letzten Umfragen darauf hindeuten, dass die anderen Parteien nur eine nachgeordnete Rolle spielen werden, hier die wichtigsten Forderungen von SPD, FDP und Linken im schnellen Überblick:

Die Sozialdemokraten in Baden-Württemberg wollen erreichen, dass Förderungen nur dann an Unternehmen fließen, wenn sie den Standort und die Arbeitsplätze garantieren. Durch ein Bürokratiemoratorium sollen zwei Jahre lang keine neuen Regeln vom Land aufgestellt werden. Innovative Wirtschaftszweige wie KI sollen gefördert werden. Eine neue Landeswohnungsbaugesellschaft soll für günstige Wohnungen sorgen. Geflüchtete sollen schneller Zugang zum Arbeitsmarkt erhalten.

Die FDP strebt eine Verwaltungsreform an, will die Zahl der Stadt- und Landkreise deutlich verkleinern und 9.000 Beamtenstellen streichen. Außerdem sollen viele Bürokratieregeln und Berichtspflichten fallen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Im Verkehrsbereich setzt die FDP auf das Auto, im Energiebereich will sie weg von der Windenergie für Baden-Württemberg und auf Solar setzen.

Die Linke tritt an mit der Forderung einer 30-Stunden-Woche, fordert einen Mindestlohn von 17 Euro und will Kita- und Studiengebühren abschaffen. Beim Thema Wohnen wollen die Linken große Immobilienfirmen vergemeinschaften und 20.000 neue Sozialwohnungen pro Jahr schaffen. Der Kulturbereich soll stärker gefördert, die Migrationspolitik human ausgerichtet werden. Die Autobranche soll in einen Mobilitätssektor umgebaut werden und künftig Züge, Straßenbahnen und E-Busse herstellen.

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Es gibt ein neues Wahlrecht in Baden-Württemberg – was ändert sich?

Zwei grundlegende Änderungen begleiten die Wahl. Erstmals dürfen in Baden-Württemberg
16- und 17-Jährige bei der Wahl mitstimmen. Zigtausende neue
Wählerinnen und Wähler beteiligen sich damit am demokratischen Prozess. Insgesamt gut 7,7
Millionen Wahlberechtigte sind stimmberechtigt. Allein 650.000 davon sind Erstwählende zwischen 16 und 22 Jahren, das entspricht
8,4 Prozent aller Wahlberechtigten. Wie sich der Zuwachs an jungen
Wahlberechtigten auf das Ergebnis auswirken wird, ist unklar.

Hinzu kommt ein
reformiertes Wahlrecht mit neuen Spielregeln für die Mandatsverteilung: Die Wählerinnen und Wähler haben jetzt zwei Stimmen, wie bei der
Bundestagswahl. Mit der Erststimme wird ein Wahlkreiskandidat oder eine
Wahlkreiskandidatin direkt gewählt, mit der Zweitstimme eine Partei. Diese stellt dafür eine Landesliste auf, über die
Kandidatinnen und Kandidaten in den Landtag einziehen können. 

Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa, AFP

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