Maya erklärt mir nach der Biologiestunde die Fotosynthese. Chloroplasten, Kohlenstoffdioxid, Licht – sie hat alles verstanden, kann es sogar auf andere Beispiele übertragen. “Und dieser Zucker landet dann in den Früchten, und deswegen sind sie süß!” erklärt sie. Genau. Ich denke mir: Eine richtige Naturwissenschaftlerin. Zwei Stunden später sitze ich im Lehrerzimmer. Die Mathelehrerin seufzt über Mayas Klassenarbeit. “Die kommt so nicht durch die achte Klasse. Nicht mal das kleine Einmaleins sitzt richtig.” Sie schüttelt den Kopf. “Dabei ist sie doch nicht dumm.” Nein, das ist sie nicht. Aber wie passt das zusammen? Wie kann ein Kind, das komplexe biologische Prozesse versteht, an sieben mal acht scheitern? Die Antwort lautet: Lernstörung oder auch Teilleistungsstörung. Eine Lernstörung, die nichts mit mangelnder Intelligenz zu tun hat. Maya ist hinreichend intelligent – das sehe ich täglich in meinem Unterricht. Aber ihr Gehirn verarbeitet Zahlen anders. Während sie in Biologie Zusammenhänge blitzschnell erfasst, muss sie in Mathe sechs plus sieben an den Fingern abzählen. Das ist nicht Faulheit. Das ist Neurobiologie. Zumindest teilweise.
Disclaimer : This story is auto aggregated by a computer programme and has not been created or edited by DOWNTHENEWS. Publisher: newsfeed.zeit.de





