Die Zahl der gemeldeten Masernerkrankungen ist in Europa und Zentralasien im vergangenen Jahr deutlich gesunken. Das berichtet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) aufgrund von Daten der 53 Länder ihrer Europaregion. Diese reicht laut der WHO-Einteilung von der Atlantikküste über West- und Mitteleuropa und von Russland bis nach Turkmenistan.
Auch in Deutschland ist die Zahl nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) stark zurückgegangen. Sorge bereiten vor der baldigen Fußballweltmeisterschaft hingegen die steigenden Zahlen in Mexiko, den USA und Kanada.
In der Gesamtregion Europa wurden nach WHO-Angaben fast 34.000 Fälle gemeldet, 75 Prozent weniger als im Jahr davor. Das sei auf Bekämpfungsmaßnahmen zurückzuführen, aber auch darauf, dass das Virus sich in der ungeimpften Bevölkerung verbreitet hat und dadurch mehr Menschen immun geworden sind. Wer einmal infiziert war, ist gegen eine neue Ansteckung geschützt.
Deutschland gilt nicht als masernfrei
Der deutliche Rückgang hat auch damit zu tun, dass die Zahlen 2024 außergewöhnlich hoch waren. Im Vergleich zu 2023 lagen die aktuellen Zahlen etwa um die Hälfte niedriger. Während sie etwa in Rumänien, Kasachstan oder Aserbaidschan um rund 90 Prozent oder mehr fielen, stiegen sie etwa in Frankreich und den Niederlanden, wenn auch auf niedrigem Niveau.
Mehrere Länder, darunter Spanien, Großbritannien und Österreich, haben ihren WHO-Status “frei von Masern” nach großen Ausbrüchen wieder verloren. Deutschland gilt bislang nicht als masernfrei.
Hierzulande schwanken die Zahlen gemeldeter Masernfälle nach Daten des Robert Koch-Instituts von Jahr zu Jahr. Sie waren in der Coronapandemie wegen des hohen Infektionsschutzes extrem niedrig, erreichten aber 2024 mit 645 gemeldeten Fällen wieder in etwa das Niveau von vor der Pandemie. 2025 waren es 232 Fälle. In den ersten fünf Wochen 2026 lagen die Fallzahlen unter denen des Vorjahreszeitraums.
In Deutschland brechen die Infektionsketten laut RKI aufgrund der hohen Impfrate meist schnell wieder ab. Dennoch ist die von der WHO empfohlene Durchimpfungsrate von 95 Prozent für die zweimalige Impfung nicht erreicht.
Die von der Ständigen Impfkommission (Stiko) empfohlenen zwei Kombiimpfungen für Masern, Mumps und Röteln (MMR) mit elf Monaten und 15 Monaten erfolgten häufig zu spät, sagte Dorothea Matysiak-Klose vom RKI-Fachgebiet Impfprävention. Die Impfquote für die erste Impfung gegen Masern liege erst für Kinder im Alter von drei Jahren bundesweit über 95 Prozent. “Für die zweite MMR-Impfung wurde diese Impfquote bundesweit bisher noch nicht erreicht.”
Die WHO und das UN-Kinderhilfswerk Unicef warnen, dass das Risiko größerer Ausbrüche bestehen bleibt. Ziel sei eine Impfquote von 95 Prozent überall, sonst werde sich das hoch ansteckende Virus weiter ausbreiten. Laut WHO steckt im Durchschnitt eine infizierte Person bis zu 18 nicht geimpfte Menschen an. Masern können schwere Folgen haben, etwa Entzündungen des Gehirns mit Schädigung von Nervenzellen. Die Krankheit kann auch tödlich enden.
Korrekturhinweis: Wir haben das Bild zu dieser Meldung ausgetauscht, weil auf dem ursprünglichen Foto keine Masernerkrankung zu sehen war. Wir bitten, das zu entschuldigen.
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