Die deutsche Kunst hat dasselbe Schicksal wie Michael Werner: Beide sind immer ein Problem. Und genau das macht das Eintauchen in diesen Memoirenband zu einem so erfrischenden Erlebnis. Es sind nur vordergründig die autobiografischen Erinnerungen eines der wichtigsten deutschen Kunsthändler nach 1945. Vor allem geht es hier detailreich und leidenschaftlich um die Kunst – die deutsche Kunst vor allem, Werners Lebensprojekt. 1963 betrat er in West-Berlin mit einer legendären Ausstellung von Georg Baselitz’ Skandalbildern seines Zyklus Die große Nacht im Eimer die Szene: Es war das erste öffentliche Ringen von Baselitz mit der Frage, was Malerei noch kann – und was Malerei tun muss. Seit nunmehr sechs Jahrzehnten führt sein ehemaliger Galerist Werner diesen Ringkampf immer wieder aufs Neue auf, als hellwacher, scheinbar unbeteiligter Ringrichter. Von Berlin ging er nach Köln, wo er zentraler Teil des wilden Aufblühens der dortigen Kunstszene in den Siebziger- und Achtzigerjahren war, bevor er dann, als die rheinische Landschaft langsam zu welken begann, nach Berlin zurückkehrte.
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