Home International “Betrogen und alleingelassen”: Riesenfrust in Viry-Chatillon über Renault

“Betrogen und alleingelassen”: Riesenfrust in Viry-Chatillon über Renault

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Zum zweiten Mal innerhalb von weniger als zwei Jahren fühlen sich die Mitarbeiter am Renault-Standort Viry-Chatillon im Stich gelassen und gehen offen gegen die Entscheidungen der Konzernspitze vor.

Nach dem Ende des Formel-1-Motorenprogramms – Alpine setzt seit dieser Saison auf Kundenmotoren von Mercedes – sowie der Einstellung der WEC- und Rallye-Raid-Programme zum Ende des Jahres 2026 sorgt nun der geplante Verkauf des Traditionsstandorts für massiven Unmut.

In einer Stellungnahme vom Freitag, 6. November, blicken die Mitarbeitervertreter auf eine ohnehin schwierige Phase zurück und kritisieren die Entscheidung der Führungsetage scharf, sich endgültig vom Standort Viry zu trennen.

Dabei werfen sie dem Management gebrochene Versprechen vor, die noch unter dem früheren CEO Luca de Meo abgegeben worden waren, bevor Francois Provost dessen Nachfolge antrat und sofort zur Tat schritt.

“Die Männer und Frauen in Viry-Chatillon können die Entscheidung nicht nachvollziehen, ein ganzes Kapitel der französischen Motorsport-Geschichte einfach aufzugeben”, teilen die Arbeitnehmervertreter mit.

“Das Ziel von Alpine Racing war es schon immer, das eigene Know-how auf internationaler Bühne zu präsentieren, zur Entwicklung von Spitzentechnologien beizutragen und die Marke Renault sowie Frankreich in der ganzen Welt zu repräsentieren.”

Mitarbeiter werfen Provost gebrochene Versprechen vor

Die Belegschaft habe stets Loyalität bewiesen, heißt es weiter: “Die Mitarbeiter haben immer dafür gekämpft, an der Seite der Groupe Renault zu stehen – auch in den schwierigsten Zeiten. Sie haben immer wieder ihre Verbundenheit mit dem Konzern und seinen Werten demonstriert, schmerzhafte Entscheidungen akzeptiert und sind der Marke treu geblieben.”

Umso größer ist nun die Enttäuschung über den Kurswechsel an der Konzernspitze. “Herr De Meo hatte erklärt, dieses Juwel der französischen Industrie bewahren und zu einem Exzellenzzentrum [Hypertech] machen zu wollen. Herr Provost scheint diese Vision nicht zu teilen und hat sich daher entschieden, das gegenüber den Mitarbeitern von Alpine Racing gegebene Versprechen zu brechen.”

Die Stimmung am Standort sei auf einem Tiefpunkt angelangt: “Die künftigen Entwicklungsperspektiven für den Standort Viry sind nun ungewiss, während sich unter den Mitarbeitern ein Gefühl des Im-Stich-Gelassen-Werdens und des Verrats breitmacht.”

Der Fallout zwischen Renault und Viry begann mit dem Ende des F1-Motorenprogramms

Foto: Anael Bernier – Horizons Multiples

Zudem hinterfragen die Arbeitnehmervertreter die strategische Ausrichtung von Renault grundlegend: “Einmal mehr sind die Entscheidungen der Unternehmensleitung unbegreiflich. Forschung und Entwicklung scheinen nicht mehr im Herzen der Strategie der Groupe Renault zu stehen. Das Unternehmen zieht es stattdessen vor, Technologien auszulagern und sich an Partner im Ausland zu wenden.”

Die Belegschaft hat der Konzernleitung nun ein offizielles Gesuch für ein Treffen übermittelt und erwartet “so schnell wie möglich Antworten und eine Reaktion”.

Im vergangenen Monat hatte die Groupe Renault eine Grundsatzvereinbarung bekannt gegeben, wonach der historische Standort Viry-Châtillon an die belgische Dumarey-Gruppe verkauft werden soll.

Dumarey soll Alpine Racing SAS samt der gesamten Belegschaft übernehmen. Genau diese Ankündigung hat das Gefühl der Mitarbeiter verstärkt, dass Zusagen des Managements nicht eingehalten wurden.

Die Stimmung zwischen der Kommune im Süden des Großraums Paris und der Konzernspitze sind seit Jahren angespannt. Kurz vor der offiziellen Verkündung des Ausstiegs aus der WEC hatte bereits der Bürgermeister der Stadt die Renault Spitze des “Lugs und Betrugs” bezichtigt. Der Konzern ließ sich davon bislang nicht beeindrucken und zog seine Pläne weiter durch.

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