Boehringer Ingelheim streicht in Deutschland geplante Investitionen von 900 Millionen Euro. Das bestätigt das Unternehmen, zuvor hatte das Handelsblatt darüber berichtet. Betroffen sind nach Unternehmensangaben Neuinvestitionen für die Jahre 2027 bis 2030.
Als zentralen Grund verweist Boehringer Ingelheim auf die Sparpläne der Bundesregierung im Gesundheitswesen, insbesondere auf vorgesehene höhere Zwangs- und Herstellerrabatte. Diese schwächen aus Sicht des Unternehmens die Planbarkeit für eine Branche mit langen Entwicklungszyklen. Zugleich verweist der Konzern auf verschlechterte Rahmenbedingungen für die Pharmaindustrie in Europa und in Deutschland sowie auf die wachsende Attraktivität anderer Märkte wie die der USA und Chinas.
Boehringer will mit dem Fortschritt in den USA und Asien mithalten
Nach Informationen des Handelsblatts wären mit dem Geld vor allem der Ausbau der Infrastrukturprojekte an deutschen Standorten finanziert worden, zum Beispiel neue Laborgebäude. Deutschlandchef Médard Schoenmaeckers sagte der Zeitung, die nächste Innovation gehe »nach Lage der Dinge aktuell nicht nach Deutschland«. Boehringer müsse mit der Entwicklung in den USA und Asien Schritt halten, fügte er hinzu.
Die Entscheidung des Unternehmens fällt in eine Phase verschärften internationalen Wettbewerbs. In den USA steht die Branche unter wachsendem politischem Druck, zugleich investieren große Pharmakonzerne dort massiv in Produktion und Forschung. Boehringer selbst will in den Vereinigten Staaten bis 2028 rund zehn Milliarden Euro investieren. Gleichzeitig holen Länder wie China und Indien bei der Entwicklung neuer Medikamente auf.
Investitionen gehen eher in die USA
Auch der US-Pharmakonzern Eli Lilly fährt seine Investitionen in Deutschland deutlich herunter. Die ursprünglich geplanten 2,3 Milliarden Euro, die in ein Werk in Rheinland-Pfalz fließen sollten, würden halbiert, sagte Konzernchef Dave Ricks dem Handelsblatt. Die für Deutschland gestrichenen Investitionen
dürften nach Pennsylvania in die USA gehen oder an einen
komplett neuen Standort, der erst gebaut werden müsste, sagte
der Manager. Gründe für die Umstrukturierung seien auch hier die geplanten Sparmaßnahmen der Bundesregierung.
»Deutschland wird bei der Unterstützung unserer
Industrie auf den letzten Platz der europäischen Märkte fallen«,
sagte Ricks. Er schließe nicht aus, neue Medikamente künftig
nicht mehr hierzulande einzuführen. Eli Lilly hat nach Informationen des Handelsblatts schon mehr als eine Milliarde US-Dollar investiert, das Werk soll 2027 mit reduzierter Kapazität in Betrieb genommen werden.
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