Das KI-Unternehmen Anthropic hat offenbar vor seinem Börsengang Investoren in einem Schreiben gewarnt, dass die Technologie »existenzielle Risiken für die Menschheit« darstellen könnte. Das berichtete die Financial Times. »Risikofaktoren« seien demnach, dass immer fortschrittlichere KI-Modelle manipulieren, erpressen oder anders schädlich handeln könnten. Die Risikohinweise könnten beeinflussen, wie Anleger an den öffentlichen Märkten den führenden US-KI-Konzern bei dessen Börsengang bewerten werden. Es könnte der höchstbewertete Börsengang aller Zeiten sein.
Anthropic ist mit Erkenntnissen aus der eigenen Forschung konfrontiert, wonach zunehmend autonome KI-Modelle sich auf unerwartete und potenziell schädliche Weise verhalten können. Anthropic-Chef Dario Amodei hat die KI-Branche aufgefordert, das Tempo bei der Veröffentlichung neuer Fähigkeiten zu verringern. Dennoch brachte das Unternehmen vergangene Woche sein neues Modell Opus 5.5 auf den Markt.
Anthropic will einem Börsenprospekt zufolge eine Bewertung von mehr als zwei Billionen Dollar erreichen – trotz eines gemeldeten Nettoverlusts von 42 Milliarden Dollar für das Jahr 2025. Der Börsengang der erst vor fünf Jahren gegründeten Firma wäre ein Maßstab für die Bewertung führender KI-Unternehmen wie des Konkurrenten OpenAI. Der Nettoverlust von fast 42 Milliarden Dollar enthielt eine buchhalterische Belastung von rund 34 Milliarden Dollar, die sich aus der Neubewertung von Finanzierungen ergab. Zudem plant das Unternehmen in den kommenden Jahren Ausgaben in Höhe von 518 Milliarden Dollar für Cloud- und Recheninfrastruktur.
Der Umsatz des Unternehmens stieg dem Prospekt zufolge 2025 um das Zwölffache auf fast 4,6 Milliarden Dollar an. Auf operativer Basis machte Anthropic jedoch einen Verlust von mehr als acht Milliarden Dollar. Allein die Ausgaben für Rechenleistung und Infrastruktur verdreifachten sich im vergangenen Jahr auf 7,33 Milliarden Dollar.
Kontrolle für Gründer von Anthropic
Anthropic bat Investoren zudem um Zustimmung für eine neue Unternehmensstruktur, die den Gründern die Kontrolle sichern soll. Amodei und seine sechs Mitgründer sollen gemeinsam 50,1 Prozent der Stimmrechte erhalten, berichtete das Technologieportal The Information. Die neue Regelung sei einer Struktur bei der Softwarefirma Palantir nachempfunden. Die Gründer sollen dafür eine spezielle Aktiengattung bekommen, die ihnen bei den meisten Entscheidungen die Kontrolle sichert.
Das Unternehmen entwickelt unter anderem den KI-Chatbot Claude. Es wurde 2021 von ehemaligen Mitarbeitern von OpenAI gegründet, die das Unternehmen eigenen Angaben zufolge wegen Sicherheitsbedenken verlassen hatten.
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