Liebe Leserin, lieber Leser,
waren Sie mal in einem Supper-Club? Das ist nicht, wonach
es klingt, eher das Gegenteil. Hinter Supper-Clubs stecken Privatleute, die Fremde
in ihr Zuhause einladen, um sie einen Abend lang zu bewirten. Gegen Bezahlung
zwar, aber meist mehr aus Spaß an der Sache.
In Hamburg gab es da bis jetzt wenig Auswahl; ich kannte
nur die Tischrunde der bald 90-jährigen Ikone Monika Fuchs in Eppendorf. Torben
Klug ist 24, und seit Dezember lädt er einmal im Monat zu seinem Chefs
Favourites Supper Club nach Eimsbüttel. Für einen Profikoch wäre das ein
gestandenes Alter, aber Klug ist ein kunstaffiner Produktdesigner, der bloß mal
ausgeholfen hat im Restaurant Maquis. Daher ging ich vor ein paar Wochen in
einer gönnerhaften »Na, mal sehen, was der junge Mann draufhat«-Laune zu seinem
Dinner mit dem Thema Italien.
Kurz gesagt: eine Menge. Schon die Focaccia war
hausgemacht, aus Teig, der drei Tage lang aufgehen konnte, was dieses Brot viel
fluffiger macht als die Kalorienbomben vom Bäcker. Hausgemacht auch die bissfesten
Tagliatelle mit dem Meeräschenrogen Bottarga, den wegen seiner Intensität und
seines Preises Restaurants nur selten anbieten. Beim Brasato al Barolo blieb
die in Wein geschmorte Ochsenbacke angenehm saftig; der etwas zähe
Kartoffelbrei überzeugte durch seinen Geschmack.
Klug
saß nicht mit am Tisch. Auch die erstklassigen Weine für die sechs Gäste an
diesem Abend (normalerweise sind es zehn) schenkte meistens sein Partner ein.
Trotzdem stand er später strahlend im Flur und erzählte davon, wie viel ihm das
bedeute, Leben in der Bude zu haben.
Um die 130 Euro nimmt er für ein Vier-Gänge-Menü mit
Extras und allen Getränken. Man spart also nicht unbedingt gegenüber einem
Restaurant. Den Unterschied macht eher eine Gastfreundschaft, die hier noch
nicht abgenutzt ist von Routine. Und die Chance, am großen Tisch Bekanntschaften
zu schließen, zumindest für einen Abend.
Das Programm des Chefs
Favourites Supper Club ist unter @torbenklug auf Instagram zu finden. Für das
Frühlingsmenü am 25. April waren gestern noch Plätze frei.
Ich
wünsche Ihnen einen schönen Tag!
Ihr Michael Allmaier
PS: In unserem Podcast
sprechen wir in der aktuellen Folge über den Wolf, der Ende März durch die
Stadt lief und eine Frau verletzte – und darüber, warum ihn nun ein hartes Leben
erwartet. Die Folge und unser Archiv finden Sie hier.
Wollen
Sie uns Ihre Meinung sagen, oder wissen Sie etwas, über das wir berichten
sollten? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail an hamburg@zeit.de.
WAS HEUTE WICHTIG IST
Im Rahmen europaweiter
Geschwindigkeitskontrollen hat die Polizei in Hamburg allein am Mittwoch
3.390 Tempoverstöße festgestellt. Mehr als 260 Polizistinnen und Polizisten
waren im Einsatz.
Die
Hamburger Grünen stehen in der Kritik, weil der Landesvorstand seine Bezüge
offenbar jahrelang als Aufwandsentschädigungen deklariert hat, nicht als
sozialversicherungspflichtige Gehälter. Die Bild-Zeitung hat
darüber berichtet. Die Grünen betonen, sie hätten sich »zu jeder Zeit
an Recht und Gesetz gehalten«.
Der Hamburger Finanzsenator Andreas
Dressel lehnt eine Auszahlung der geplanten 1.000-Euro-Prämie an öffentliche
Angestellte im Stadtstaat ab. Die Länder seien beim Tarifabschluss im Februar bereits
an ihre Grenzen gegangen, erklärte der SPD-Politiker, der auch Vorsitzender der
Tarifgemeinschaft deutscher Länder ist.
Gestern sind zwei
Hafenfähren am Anleger Finkenwerder zusammengestoßen. Einer der
Schiffsführer wurde leicht verletzt, Fahrgäste kamen nicht zu Schaden.
Heute eröffnet eine neue
immersive Ausstellung zu Kleopatra in Altona-Nord. Auf insgesamt 2.500
Quadratmetern dreht sich alles um das Leben der ägyptischen Pharaonin.
Nachricht des Tages
Der rund 150
Jahre alte Japanische Schnurbaum nahe dem früheren US-Konsulat am Ufer der
Außenalster ist seit gestern ein offizielles Nationalerbe. Das Kuratorium der Deutschen Dendrologischen
Gesellschaft, das bundesweit die Nationalerbe-Bäume bestimmt, würdigt mit der
Auszeichnung Alter und Vitalität des Baumes sowie die Pflege durch die Stadt.
Mit seinem Stammesumfang von mehr als sechs Metern sei das Hamburger Exemplar
das weltweit stärkste seiner Art, erklärte Umweltsenatorin Katharina Fegebank
(Grüne) bei der Verleihung der Auszeichnung. Nationalerbe-Bäume sind besonders
langlebige, ökologisch wertvolle und kulturhistorisch bedeutsame Bäume; 100 von
ihnen gibt es bundesweit. In Hamburg erhielt zuvor bereits ein Bergahorn im
Nienstedtener Hirschpark diese Auszeichnung.
Frank Drieschner
AUS HAMBURG
Sie melden sich krank, um beim Wal zu sein
Mit einer Plane und Luftkissen soll der gestrandete Wal
Timmy nun aus der Ostsee gezogen werden. Bezahlt wird das von zwei Millionären.
Auf Poel jubeln die Influencer. ZEIT-Autor Tom Kroll war vor Ort; lesen Sie
hier einen Auszug aus seinem Artikel.
An einem Mittwochnachmittag um 15 Uhr nimmt die Geschichte um den
gestrandeten Buckelwal eine
abrupte Wendung. Auf der Ostseeinsel Poel, kurz hinter dem kleinen Ort
Weitendorf-Hof, tummeln sich etwa 20 Menschen an einem Feldweg. Sie harren hier
zum Teil seit Tagen aus, in Sichtweite einer lang gezogenen Bucht. Sie lehnen
an hohen Bauzäunen, die Polizisten aufgebaut haben, damit niemand ins Wasser
springt, sie hocken im Schneidersitz davor oder stehen auf kleinen Hügeln. Und
sie schauen auf ihre Smartphones, denn Till Backhaus, Mecklenburg-Vorpommerns
Umweltminister, hat spontan zur Pressekonferenz mit Livestream geladen.
»Es tritt jetzt eine neue Situation ein«, sagt er. Ihm liege seit gestern
Abend ein Konzept vor. Eines, das er nun – nach Nachbesserungen und Prüfung –
genehmigt hätte. Der Buckelwal, den die einen Timmy und die anderen Hope
nennen, der sich vor über sechs Wochen in die Ostsee verirrt hat und vor Poel
zum vierten Mal gestrandet ist, den etliche Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler der Welt für schwer krank und unrettbar halten, soll
unverzüglich Luftkissen unter seinen Bauch bekommen, soll angehoben und
mithilfe einer Plane und zweier Pontons aus der Ostsee hinausgeleitet werden,
in die Freiheit. Bezahlt würde das Ganze vom MediaMarkt-Gründer Walter Gunz und
der Unternehmerin Karin Walter-Mommert, die ihr Geld bislang im Pferdesport
verdient hat. Die beiden Millionäre würden auch die alleinige Verantwortung
tragen.
Auf dem Feldweg vor der Absperrung beginnt eine Frau in pinker Mütze zu
jubeln, es folgt Getuschel: »Luftkissen!« Die Gesichter erhellen sich, jemand
reißt eine Sektflasche in die Höhe. Andere fallen sich in die Arme, auch Tränen
fließen. Eine Mutter von drei Kindern ist allein aus Nordrhein-Westfalen
angereist, sie hat einen Schlafsack dabei. Ein TikToker, der sonst in seinen
Posts gerne zu rechtsextremen Demos aufruft, filmt, genau wie Achim Lustig, ein
Hobbyfilmer, der eigentlich Lastwagen fährt. Auch eine andere Influencerin
namens Untouchable Soul streamt ununterbrochen, Livekommentare surren über
ihren Bildschirm. Die Frau in der pinken Mütze ruft: »Sie nehmen unser
Konzept!«
Wie es zu dieser Wendung kam, lesen Sie weiter in der
ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+)
SCHON GELESEN?
»Du
kamst rein und warst direkt auf einer Müllhalde«
Vor
40 Jahren – am 18. April 1986, um genau zu sein – startete mit »Cats« das erste
große Musical Deutschlands. Markus Fuhlendorf gefiel es so gut, dass er 174 Mal
im Publikum saß. Um Himmels willen: wieso?! Das fragte ihn ZEIT-Autorin Helene
Altgeld.→ Zum Artikel (Z+)
DAS KÖNNTE SIE INTERESSIEREN
»Rettet die altonale!« – unter diesem Motto steht das Solidaritätskonzert für das Kulturfestival
am kommenden Montag im Knust. Unter anderem treten Vian, Louis Ottley und
Donielle David auf. Durch das Programm führt Redchild. Die Altonale hat sich
seit 1999 zu einem der größten Festivals in Norddeutschland entwickelt und ist
jetzt gefährdet, weil sie weniger Sponsoren unterstützen als in vergangenen
Jahren. In der Regel finden mehrere Hundert Einzelveranstaltungen aus den
Bereichen Kunst, Theater, Musik, Film, Literatur und Jugend während der 10
Festivaltage statt.
»Rettet die altonale!«, 20. April, 20.30 Uhr, Knust, Neuer Kamp 30; Tickets bekommen Sie hier
MEINE STADT
HAMBURGER SCHNACK
Hauptbahnhof. Vor dem Eingang zur Wandelhalle steht eine Gruppe von Leuten
mit einheitlichen Westen, die versuchen, Vorbeilaufende für eine Befragung zu
kobern. Ein junger Mann spricht eine Frau an: »Sie sehen so aus, als wären Sie
nett.« – »Ja, aber nicht heute.« – »Oh«, er stutzt, »dann bis morgen.«
Gehört von Gesa Fischer
Das war die Elbvertiefung, der tägliche
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