Liebe Leserin, lieber Leser,
es gibt
in Hamburg laut Branchenbuch 15 persische Restaurants; und sicher
kommen in den nächsten Jahren noch ein paar hinzu. Das ist schön
und zugleich traurig, denn die meisten Betreiber sind bestimmt nicht
bei uns und in der Branche, weil das schon immer ihr Traum war.
Das Alma
Vera steht noch gar nicht auf dieser Liste. Es hat Anfang März
eröffnet, als der Krieg gegen den Iran gerade in vollem Gang war.
Ein ambitioniertes Lokal in prominenter Lage, nur ein paar Schritte
vom Eppendorfer Marktplatz entfernt. Das Persien, das einem hier auf
den Tellern begegnet, ist ein gesegnetes Land. Da scheint alles zu
gedeihen: Granatäpfel und Walnüsse, Sauerkirschen und Berberitzen,
Safran und Pistazien, Trauben und Oliven. Bei manchem der teils
blumig benannten Gerichte (»Hähnchen
im Sonnenuntergang«)
hatte ich den Eindruck, dass die Küche aromatisch fast zu sehr aus
dem Vollen schöpft. Aber das ist allemal interessanter als die
übervorsichtige Würzung, die man von den meisten der hiesigen
orientalischen Gaststätten kennt.
Und
obwohl man die Zutaten aus den Mittelmeerküchen kennt, sind sie hier
doch so kombiniert, dass
ganz neue Speisen entstehen – beim Lammragout mit sieben Kräutern
und Kidneybohnen oder beim Tachin, der keine nordafrikanische Tajine
ist, sondern ein üppig geschmückter Knusperkuchen aus Safranreis,
gefüllt mit Aubergine und Hühnerfleisch.
Das Alma
Vera ist ein Projekt von Quereinsteigern. Die Chefin war früher
Journalistin, die beiden Kinder studieren und helfen, wie der
Ehemann, für den Anfang im Service mit. Das erklärt, warum hier
noch nicht alles wie am Schnürchen läuft. Es schafft aber auch eine
Wärme, in der man sich wohlfühlen kann.
Und
so wenig ein Restaurantbesuch zur Weltverbesserung taugt – er ist
kein übler Weg, sich einem Land zu nähern, das so bald wohl kaum
ein Deutscher mehr besuchen kann.
Ich wünsche Ihnen einen
schönen Tag!
Ihr
Michael Allmaier
PS:
Heute erscheint keine neue Folge unseres Podcasts – Sie werden bald
auf andere Weise mehr vom Team der Elbvertiefung sehen und hören.
Wie und wo, erfahren Sie hier in diesem Newsletter. Und so viel
heute schon: Das nächste Mal können wir uns auf
der Langen Nacht der ZEIT begegnen – am 6. Juni auf dem Campus der Uni Hamburg. Unser
Podcast-Archiv finden Sie weiterhin hier auf zeit.de.
Was heute wichtig ist
Am Wochenende kommt es in
Hamburg zu mehreren
Straßensperrungen.
Neben dem Abriss der Berlinertordammbrücke sind mehrere Demos
angemeldet, am Freitag etwa protestiert Fridays for Future.
Am
Sonntag steht der Haspa-Marathon an, bereits am Samstag gibt es
mehrere Läufe für Kinder und Jugendliche. Zudem spielt der HSV am
Samstag im Volksparkstadion gegen die TSG Hoffenheim und nebenan
steigt in der Barclays Arena eine Schlagernacht.
In
einem Ranking der Tageszeitung »New York Times«
zu den umstrittensten Gebäuden der Welt ist die
Elbphilharmonie
auf Platz 8 gelandet
– allerdings aufgrund eines positiven Effektes. Das Konzerthaus
spiegele wider, »wie Kontroversen mit der Zeit an Bedeutung
verlieren«, sagte die Architektin Toshiko Mori mit Blick auf heftige
Debatten während der fast zehnjährigen Bauzeit. »Ich fand’s eine
lustige Liste«, kommentierte gestern Intendant Christoph
Lieben-Seutter. »Gut, dass über die Elbphilharmonie geredet wird!«
Und apropos Elbphilharmonie:
Im
kommenden Januar feiert sie ihr zehnjähriges
Bestehen. Die
neue Spielzeit steht aber zunächst im Zeichen eines anderen
Jubiläums: Anlässlich des 250. Jahrestags der USA kommen sieben
amerikanische Orchester für Konzerte nach Hamburg. Zudem stehen
Werke des US-Komponisten John Adams und seiner Kollegin Missy Mazzoli
auf dem Programm, mehrere Banjo-Abende mit Rhiannon Giddens und Jazz
von John und Alice Coltrane.
In
einem Post auf seinem X-Account hat der frühere US-Präsident Barack
Obama das Engagement der Aktivistin Luisa Neubauer für den
Klimaschutz gelobt.
Die 30-jährige gebürtige Hamburgerin gehöre zu den jungen Leuten,
die ihm Hoffnung gäben. Neubauer hatte 2020 das Leaders
Program
der Obama-Stiftung absolviert.
Mit
mehr als
300 Souvenirs im Wert von fast 1.300 Euro –
darunter Feuerzeuge, Rucksäcke und Sonnenbrillen – hat die Polizei
einen alkoholisierten Einbrecher am Hauptbahnhof festgenommen. Der
39-Jährige ist schon wegen Eigentumsdelikten bekannt.
Nachricht des Tages
Eineinhalb
Jahre nach dem Fund einer toten Frau in Altona wird das Hamburger
Landgericht heute das Urteil für ihren ehemaligen Lebensgefährten
verkünden – wir
berichteten über den
Prozess (Z+).
Der 37-Jährige soll die Frau im November 2024 im Streit getötet
haben. Ihre Leiche war erst zwei Wochen später in ihrer Wohnung
gefunden worden, Nachbarn hatten einen unangenehmen Geruch bemerkt
und die Polizei gerufen. Das Landgericht hatte ihm zu Beginn seines
Prozesses eine Höchststrafe von achteinhalb Jahren in Aussicht
gestellt, falls er umfassend gestehen würde.
Die Staatsanwältin hat in
ihrem Plädoyer elfeinhalb Jahre Gefängnis für den Mann verlangt.
Elke
Spanner
Aus Hamburg
»Bei Wadenkrämpfen denke ich an Vanilleeis mit Schokostreuseln«
Am
Sonntag laufen in Hamburg wieder mehr als 20.000 Menschen beim
Marathon durch die Stadt. Mit dabei ist Michael Strelow – als
Tempoläufer. Im Interview erzählt Strelow,
was er dabei können muss – und wie er andere motiviert,
weiterzulaufen. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Interview von ZEIT-Autor Söhnke Callsen:
Hauptsache,
durchkommen! Das ist das Motto für viele Läuferinnen und Läufer am
Sonntag beim Hamburg-Marathon. Michael Strelow hilft anderen, nicht
aufzugeben und in einer bestimmten Zeit ins Ziel zu kommen. Der
51-Jährige ist einer der offiziellen Pacemaker, auch Tempoläufer
genannt. Er hat rund 40 Marathons absolviert und weiß genau, worauf
es ankommt.
DIE
ZEIT: Herr Strelow, wie erkennt man Sie am Sonntag
beim Hamburg-Marathon?
Michael
Strelow: Ich habe einen Rucksack auf
dem Rücken, mit einer riesigen Fahne dran. Darauf stehen die Zahlen:
05:00. Wer mit mir die Strecke läuft, kann sich darauf
verlassen, dass er den Marathon in knapp unter fünf Stunden läuft.
Außerdem wird man mich vermutlich an dem großen Pulk von Läufern
erkennen, die mit mir laufen.
ZEIT:
Wie kriegen Sie es hin, exakt in der vorgegebenen Zeit ins Ziel zu
kommen?
Strelow:
Ich bin ungefähr 40 Marathons gelaufen, auch einige Ultraläufe von
100 bis 150 Kilometern. Ich habe das Tempo inzwischen im Gefühl. Zur
Kontrolle habe ich aber meine Laufuhr dabei, die die Geschwindigkeit
misst. Da ich normalerweise etwas schneller laufe, muss ich mich als
Pacemaker
eher bremsen. Das fällt besonders
beim Hamburg-Marathon auf den letzten Kilometern Richtung Ziel
schwer, wenn man von den Zuschauern noch mal richtig gepusht wird.
ZEIT:
Einen Marathon zu laufen, ist ja schon anstrengend genug. Warum
machen Sie sich noch den Stress, das Tempo vorzugeben?
Strelow:
Ich mag es, Menschen dabei zu unterstützen, ihre Ziele zu erreichen.
Besonders die Stimmung im hinteren Bereich des Teilnehmerfeldes ist
toll. Da sind zum Beispiel Leute, die zum ersten Mal einen Marathon
laufen, oder Ältere, die sich nichts mehr beweisen müssen. Auch
Menschen, die sich nach einer Verletzung zurückgekämpft haben.
Dieser Mix ist einzigartig.
ZEIT:
Und was bekommen Sie für Ihren Job als Pacemaker?
Strelow:
Wir bekommen das Startgeld bezahlt, machen das ansonsten aber
ehrenamtlich. Für mich ist die Dankbarkeit der Läuferinnen und
Läufer das Schönste. Oft fallen einem die Leute im Ziel in die Arme
und sagen: Ohne dich hätte ich das nie geschafft! Das Tempo
vorzugeben, ist nur eine von vielen Aufgaben als Pacemaker. Man ist
Animateur, Coach oder manchmal auch ein bisschen Psychologe.
Welche
Herausforderungen einem als Pacemaker begegnen,
lesen Sie weiter in der ungekürzten
Fassung des Interviews. →
Zum
Artikel (Z+)
Schon gelesen?
Die absurde Timmy-Verschwörung
Ein Rechtsextremist,
ein Esoteriker und ein Ex-Rocker mit einer besonderen »Aura« sollen
nun den Wal retten. Und die Politik duldet das. Wie konnte es so weit
kommen? Dieser Frage gehen Tom Kroll und Christoph Heinemann nach. → Zum
Artikel (Z+)
Das könnte Sie interessieren
Wie
konnte das Preppen zu einem Massenphänomen werden? Und wie verhält
es sich zu den Notvorrats-Empfehlungen der Behörden? Diesen und
weiteren Fragen widmen sich Julian Genner, Kulturwissenschaftler der
Uni Basel und Mischa Luy, Sozialwissenschaftler aus Berlin, im
Gespräch mit Jürgen Staub bei der Diskussionsveranstaltung
»Vor
der Apokalypse? – Preppen in der Mitte der Gesellschaft«
am Hamburger Institut für
Sozialforschung am kommenden Montag.
»Vor
der Apokalypse? – Preppen in der Mitte der Gesellschaft«, 27.4., 19 Uhr; Hamburger Institut für
Sozialforschung, Mittelweg 36
Meine Stadt
Hamburger Schnack
Touristen
bummeln in aller Herrgottsfrühe über den Fischmarkt und beißen
beherzt in ihre norddeutschen Brötchen;
einer von ihnen stellt überrascht fest: »Die Remoulade hier oben
schmeckt irgendwie anders, frischer!«
Gehört
von Katja Zickur
Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.
Disclaimer : This story is auto aggregated by a computer programme and has not been created or edited by DOWNTHENEWS. Publisher: newsfeed.zeit.de





