Home International Francesco Bagnaia am Tiefpunkt: Selbst Ducati weiß nicht mehr weiter

Francesco Bagnaia am Tiefpunkt: Selbst Ducati weiß nicht mehr weiter

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Die Gegensätze innerhalb der Ducati-Box könnten derzeit kaum größer sein. Auf der einen Seite Marc Marquez, der beim Grand Prix von Malaysia einmal mehr seine Klasse unter Beweis stellte und den Sieg in Sepang mit 4,172 Sekunden Vorsprung auf Pedro Acosta einfuhr. Auf der anderen Seite Francesco Bagnaia, der kaum konkurrenzfähig war und das Rennen als 13. Platz beendete.

33 Sekunden fehlten dem Italiener auf seinen siegreichen Teamkollegen. Ein Ergebnis, das die Probleme der vergangenen Monate einmal mehr schonungslos offenlegte.

Für Ducati-Teammanager Davide Tardozzi ist die Situation besonders schwer zu akzeptieren. Schließlich steht Bagnaia als zweimaliger MotoGP-Weltmeister und langjähriger Leistungsträger der Ducati-Werksmannschaft außer Frage.

Doch auch innerhalb des Teams fehlt inzwischen eine Erklärung dafür, weshalb der Italiener sein gewohntes Niveau nicht mehr erreicht. Bagnaia selbst hatte zuletzt durch einen kryptischen Kommentar aufhorchen lassen. “Ihr habt mein Potenzial doch in Japan gesehen und auch bei den Tests in Misano, als es noch etwas gab, das es jetzt nicht mehr gibt, das nicht mehr existiert”, sagte der Ducati-Pilot.

Ob sich er dabei auf den Motor, die Spezifikation von 2024 oder eine andere technische Eigenschaft bezog, blieb zunächst offen. Auch Tardozzi kann darauf keine Erklärung liefern.

“Leider lautet die Antwort: Ich weiß es nicht. Um ehrlich zu sein, habe ich keine Ahnung, worauf Pecco sich bezieht”, gesteht der Ducati-Teammanager im Gespräch mit Sky Sport Italia. Er macht jedoch deutlich, dass die Schwierigkeiten seines Fahrers keineswegs nur auf einzelne Wochenenden zurückzuführen seien.

Ducati habe über einen langen Zeitraum versucht, das Problem durch unterschiedliche Maßnahmen in den Griff zu bekommen. Bislang ohne den erhofften Effekt: “Es stimmt leider, dass alles, was wir in letzter Zeit unternommen haben, Peccos Leistungen nicht geholfen hat. Das gilt sogar schon seit mehr als einem Jahr.”

Dabei sei man sich vollkommen bewusst, welches Potenzial im Italiener stecke. So hebt Tardozzi Bagnaia als einen außergewöhnlich schnellen Fahrer hervor, dessen natürliche Geschwindigkeit außer Frage stehe. Trotzdem sei es weder ihm noch seinem direkten technischen Umfeld gelungen, einen Weg aus der Krise zu finden.

Besonders bemerkenswert: Auch die erfahrene Mannschaft an Bagnaias Seite steht inzwischen vor einem Rätsel. Sein Crewchief Cristian Gabarrini und sein Elektronikingenieur Matteo Pagano haben mit ihm bereits zwei MotoGP-Weltmeisterschaften gewonnen und ihn zweimal zum Vizeweltmeister gemacht.

“Aber sie haben derzeit keinen klaren Ansatz mehr. Oder besser gesagt: Sie haben alle Möglichkeiten untersucht. Im Moment befinden wir uns in einer gewissen Sackgasse.”

Ducati hat zahlreiche Lösungen ausprobiert

Die Suche nach einer Lösung läuft laut Tardozzi bereits seit Saisonbeginn. Dabei habe Ducati durchaus Maßnahmen ergriffen, die ausschließlich auf Bagnaia zugeschnitten waren. Einen Durchbruch brachte allerdings keine davon.

“Was braucht Pecco? Leider haben wir es noch nicht herausgefunden. Ihr habt mich seit Saisonbeginn immer wieder sagen hören, dass wir niemals aufhören werden, ihm zu helfen. Wir haben einige Dinge umgesetzt, die ausschließlich für ihn bestimmt waren. Aber leider haben wir den Faden noch nicht gefunden.”

Damit bestätigt der Ducati-Verantwortliche indirekt, wie schwierig die technische Situation inzwischen geworden ist. Denn während andere Ducati-Fahrer wie Marquez mit der Desmosedici regelmäßig um Siege kämpfen, gelingt es Bagnaia nicht einmal, die grundlegenden Probleme seines Motorrads zu überwinden.

In Sepang hatte der Italiener zuletzt erneut deutliche Kritik geäußert. Sein Gefühl auf der aktuellen Ducati unterscheide sich grundlegend von jenem beim Wintertest im Februar. Das Motorrad funktioniere praktisch nur noch auf den Geraden.

In den beiden Sektoren mit längeren Geraden könne er zwar mit den Schnellsten mithalten, in den übrigen Streckenabschnitten verliere er jedoch acht Zehntelsekunden, so die Rechnung des Italieners. Im Qualifying entlud sich seine Frustration, als er in Kurve 1 mit der Faust das Windschild seiner Ducati zerschlug.

Auch im Rennen fand Bagnaia keinen Ausweg. Bereits nach fünf Runden sei der Hinterreifen trotz schonender Fahrweise praktisch am Ende gewesen. Anschließend habe es für ihn nur noch darum gehen können, das Rennen ins Ziel zu bringen.

Gleiche Ducati wie bei Marc und Alex Marquez

Besonders schwierig ist für Ducati die Tatsache, dass Bagnaia seine Schwierigkeiten nicht mit einer grundsätzlich unterlegenen Konfiguration erklären kann. Denn die Desmosedici, mit der Marquez in Sepang gewann und Alex Marquez auf das Podium fuhr, ist laut Tardozzi grundsätzlich dieselbe Maschine wie Bagnaias.

Auch er selbst war damit schon erfolgreich. Zwischen den Rennen in Montmelo und Brünn hatte Bagnaia noch vier Podien eingefahren. In Mugello führte er das Rennen zeitweise an, ehe er als Dritter ins Ziel kam. Den Sprint in Brünn gewann er.

Dass sich die Situation anschließend derart verschlechterte, kann sich Tardozzi nicht erklären “Darüber sprechen wir auch unter vier Augen mit Pecco. Es ist dasselbe Motorrad, mit dem er Podestplätze eingefahren und den Sprint in Brünn gewonnen hat. Dort hat er sich den Sieg nicht zufällig geholt, sondern mit einer beeindruckenden Leistung”, blickt Tardozzi auf die Erfolge der Saison zurück.

“Wir wissen wirklich nicht, was gerade passiert. Das Motorrad ist dasselbe, mit dem Marc in Sepang gewonnen hat und mit dem Alex auf dem Podium stand”, grübelt er.

Damit bleibt Ducati bei einer der zentralen Fragen dieser MotoGP-Saison ohne Antwort: Weshalb funktioniert die Desmosedici bei mehreren Fahrern auf höchstem Niveau, während ausgerechnet Bagnaia mit ihr kaum noch zurechtkommt?

Auch Davide Tardozzi weiß nicht mehr, wie er Bagnaia noch helfen kann

Foto: Getty Images Europe

Dabei hätten sich beide Parteien wohl einen schöneren Abschied gewünscht. Schließlich verlässt Bagnaia Ducati zum Ende der Saison und dockt bei Aprilia an. Beim Valencia-Test nach dem Saisonfinale wird er die Möglichkeit erhalten, erstmals auf der RS-GP Platz zu nehmen und entsprechende Testfahrten zu absolvieren.

Auf die Frage, ob Ducati dafür die Freigabe erteilen werde, antwortet Tardozzi eindeutig: “Natürlich. Die Meisterschaft ist beendet. Deshalb werden selbstverständlich alle Fahrer die Erlaubnis bekommen, zu testen. So wie Pedro [Acosta] zu uns kommen wird, darf Pecco natürlich auf die Aprilia steigen.”

Tardozzi erklärt Marc Marquez’ Erfolgsrezept

Während Bagnaia bis dahin weiter nach seinem Gefühl für die Desmosedici sucht, läuft bei Teamkollege Marquez nahezu alles nach Plan. Nach einem zweiten Platz im Sprint und einem dominanten Sieg im Sonntagsrennen baute der Spanier seinen WM-Vorsprung auf Jorge Martin in Sepang weiter aus.

Darauf angesprochen, betont Tardozzi: “Es ist immer das Gesamtpaket. Marc ist ein außergewöhnlicher Fahrer und gleichzeitig ein echter Anführer in der Box. Er ist ein Leader, und mit Gigi haben wir dort einen weiteren Leader.”

Die Zusammenarbeit Ducati-Generaldirektor Gigi Dall’Igna und Marquet bezeichnet er als etwas Einzigartiges. “Ich glaube, dass die Symbiose zwischen Gigi und Marc wirklich etwas Besonderes ist, das Ergebnisse auf einem unglaublichen Niveau hervorbringt. Ich denke, dass Marc sich so gut in sein Team integriert hat und dadurch noch mehr aus sich herausholen kann”, erklärt Tardozzi dessen Klasse.

Besonders beeindruckt zeigt er sich dabei auch von Marquez’ Auftritt am Freitagmorgen in Sepang. Bereits in seiner zweiten gezeiteten Runde fuhr er eine Zeit von 1:58.9 Minuten. “Das war ein klares Signal dafür, wer er ist und dass er voll da ist.”

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