Kai Havertz bangte und bibberte – und schlug am Ende frustriert die Arme über dem Kopf zusammen. Trotz seines frühen Treffers verlor der deutsche Fußball-Nationalspieler mit dem FC Arsenal auf dramatische Weise das Finale der Champions League. Die Titeljäger von Paris Saint-Germain verteidigten durch ein 4:3 im Elfmeterschießen die Trophäe der Königsklasse und zerstörten damit Arsenals Traum vom historischen Triumph. Zugleich sicherte sich PSG die UEFA-Prämie in Höhe von 25 Millionen Euro.
Vor 61.035 Zuschauern in Budapest hatte es nach der regulären Spielzeit nach Toren von Havertz (6. Minute) und Weltfußballer Ousmane Dembélé (65./Foulelfmeter) 1:1 (1:0) gestanden. In der Verlängerung fielen keine Tore mehr. «Ein neuer Stern erstrahlt über Paris! Glückwunsch an PSG, die ganz Europa zum Träumen bringen. Frankreich ist stolz», schrieb Frankreich Präsident Emanuel Macron auf X. «Ich bin komplett erschöpft nach diesem Spiel. Aber ich freue mich auch, wir haben den Titel verteidigt. Wir haben ein klasse Spiel gezeigt», sagte PSG-Trainer Luis Enrique im TV.
Havertz schreibt deutsche Fußball-Geschichte
Laut dem Datenanbieter Opta ist Havertz der erste Deutsche, der ein zwei verschiedenen Champions-League-Finals traf. Das gelang das vorher zwar auch Gerd Müller und Franz Roth, allerdings im Europapokal der Landesmeister in den 1970er Jahren. Zur Saison 1992/93 wurde die Champions League eingeführt.
Als erster Club seit Real Madrid verteidigten die Franzosen im Endspiel unter der Leitung des souveränen deutschen Schiedsrichters Daniel Siebert den Titel in der Königsklasse. Die Königlichen aus Spanien hatten zwischen 2016 und 2018 sogar dreimal in Folge triumphiert.
PSG stellt Rekord ein
Für Arsenal war es im 15. Saisonspiel der Königsklasse die erste Niederlage. Die Londoner verpassten wenige Tage nach dem Titelgewinn in der Premier League die absolute Krönung und warten weiter auf ihren Premierentitel in Europas wichtigstem Vereinswettbewerb.
Mit insgesamt 45 Treffern stellte Paris zudem den Rekord für die meisten Tore in einer Champions-League-Saison ein und teilt sich die Bestmarke nun mit dem FC Barcelona. Besonders in Erinnerung bleibt das 5:4-Spektakel im Halbfinal-Hinspiel gegen den FC Bayern München. Liverpool hatte 2018 zwar 47 Tore erzielt, allerdings fielen sechs davon in der Qualifikation und gehen daher nicht in die offizielle UEFA-Statistik ein.
Arteta über Havertz: «Gabe, wichtige Tore zu machen»
Schon Stunden vor Anpfiff versammelten sich Tausende Fans beider Lager, um sich auf das bedeutendste Saisonspiel einzustimmen. Knapp 4.000 Polizisten waren im Einsatz. Bis zum Anpfiff blieb es abgesehen von einer Schlägerei in der Nacht weitgehend ruhig.
Die Franzosen starteten mit exakt den zehn Feldspielern, die im Finale vor einem Jahr Inter überrannt hatten. Arsenal setzte in der Sturmspitze auf Deutschlands WM-Hoffnung Havertz. «Er hat diese Gabe, wichtige Tore zu machen», sagte Arteta und bewies einmal mehr ein goldenes Händchen.
Auch wenn die Entstehung des Führungstreffers glücklich war: Marquinhos schoss Arsenals Leandro Trossard an und der Ball prallte in den Lauf von Havertz. Aus spitzem Winkel hämmerte ihn der Ex-Leverkusener unter die Latte.
PSG mit über 70 Prozent Ballbesitz
Der frühe Schock war den Parisern anzumerken. Die vermeintlich beste Offensive der Welt fand keinen Schlüssel für die Abwehr der Engländer, die unheimlich tief standen. PSG hatte quasi keinen wirklich gefährlichen Abschluss im ersten Durchgang – trotz mehr als 70 Prozent Ballbesitz. Starstürmer Dembélé war zunächst überhaupt kein Faktor.
Der Favorit erhöhte den Druck nach der Pause und schien dem Ausgleich immer näherzukommen. Bis zum Arsenal-Strafraum stießen die Franzosen oft mühelos vor, dann fehlte entweder die Genauigkeit oder ein Rot-Weißer warf sich in den Schuss. Ein Elfmeter brachte PSG schließlich zurück ins Spiel. Einige PSG-Anhänger sprangen vor Freude in den Innenraum – sofort rückte die Polizei an.
Frust auf deutschen Schiedsrichter
Die Fans der Engländer brachten hingegen ihren Frust über den deutschen Schiedsrichter Daniel Siebert lautstark zum Ausdruck. Schon am Ende der ersten Hälfte war Siebert ausgepfiffen worden, nachdem er auf Zeitspiel gegen die Gunners entschieden hatte und einen Eckball nicht mehr ausführen ließ.
In der Schlussphase der regulären Spielzeit wurde es dramatisch mit Riesenchancen für PSG durch Khvicha Kvaratskhelia, Vitinha und Bradley Barcola. Doch die Entscheidung fiel erst im Elfmeterschießen. Arsenal hatte in der Verlängerung zwar wieder offensiver agiert, konnte das Spiel aber nicht mehr an sich reißen.
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