Gewalttat in Stade: Sechs Tote in Stade – «Ich hab’ Schüsse gehört»

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Laute Schreie dringen am Mittag aus einer Jugendhilfeeinrichtung im niedersächsischen Stade. «Ich hab’ Schüsse gehört», erzählt Zeuge Vitali Martens dem «Stader Tageblatt», der zu dem Zeitpunkt gerade vom Einkaufen kommt. Dann sieht er überall Polizisten. Später die traurige Erkenntnis: Sechs Erwachsene sind tot.

Wie die Polizei mitteilte, starben fünf Menschen vor Ort – vier Frauen und ein Mann. Eine sechste Person erlag im Krankenhaus ihren Verletzungen. Deren Geschlecht ist noch unbekannt. Eine einstellige Zahl an Menschen sei zum Teil schwer verletzt.

«Brustschuss», «Kopfschuss» – Was ein Zeuge beobachtet

Was genau gegen 12.10 Uhr in den Räumen der Einrichtung mit Mutter-Kind-Wohngruppen westlich von Hamburg geschah, werden die Ermittler erst nach und nach rekonstruieren. Ein anderer Zeuge schilderte «Focus Online», was sich kurze Zeit später auf der Straße ereignet haben soll: Eine Frau und ein junger Mann hätten versucht, vom Tatort wegzufahren.

Ein Polizist habe gebrüllt: «Anhalten, stehen bleiben», berichtete der Mann dem Magazin. Das Auto sei weitergefahren. Mehrere Beamte sollen das Feuer eröffnet haben. Mindestens zehn, fünfzehn Schüsse seien gefallen, schätzte der Zeuge.

Durch sein geöffnetes Fenster habe er den Polizeifunk aufgeschnappt, wie er weiter berichtete. Er habe nur Fetzen gehört wie «Brustschuss» und «Kopfschuss». Worte, die er nicht einordnen könne. Dann hätten Einsatzkräfte eine Person auf einer Trage aus dem Haus gehoben – und versucht zu reanimieren.

Mutmaßlicher Schütze festgenommen

Die Polizei nannte zunächst keine Details. Nur so viel: Die Einsatzkräfte fanden vier Tote in der Einrichtung. Vor dem Haus wurde versucht, eine weitere Person wiederzubeleben – jedoch ohne Erfolg.

Die Ermittler sind nach eigenen Angaben schnell vor Ort gewesen, eine Wache ist gleich in der Nähe. Nach den tödlichen Schüssen in der Jugendhilfeeinrichtung präzisierte die Polizei zuletzt ihre Angaben zu den Verdächtigen. Festgenommen worden sei eine Person – der mutmaßliche Schütze.

Zwei weitere Personen befänden sich in polizeilichen Maßnahmen, seien aber nicht festgenommen. Sie würden vernommen und gegebenenfalls einer Spurensicherung unterzogen. Welche Rolle sie gespielt haben könnten und in welcher Beziehung der mutmaßliche Schütze zu den Opfern stand, sei Gegenstand der Ermittlungen.

Eine dreistellige Zahl an Helfern sei im Einsatz

Doch warum griff der mutmaßliche Täter zur Waffe und zielte auf die Menschen? Das Motiv ist noch völlig unklar. «Die Hintergründe der Tat sind derzeit Gegenstand der Ermittlungen», sagte ein Polizeisprecher am Nachmittag am Tatort. 

Polizei und Rettungskräfte waren am Nachmittag mit einem Großaufgebot vor Ort. Eine dreistellige Zahl an Helfern sei im Einsatz. Kriminaltechniker in weißen Overalls sicherten Spuren, Absperrbänder riegelten den Tatort ab, Einsatzfahrzeuge verstellten die Straßen. Die Behörden forderten die Anwohner auf, den Bereich weiträumig zu meiden.

Stadtrat: «Tiefes Mitgefühl den Opfern dieser schrecklichen Tat»

Als die Schüsse fallen, ist auch in der Stadtverwaltung der Schrecken groß. Eine Kindertagesstätte und eine Grundschule liegen nicht weit von dem Tatort entfernt, so schilderte es ein Sprecher der Hansestadt. Als die Nachricht von den Schüssen kam, habe die Stadt sofort Kontakt zu den beiden städtischen Einrichtungen aufgenommen. Die Kinder und die Mitarbeiter seien aber nicht in Gefahr gewesen. 

«Wir sind froh, dass es unseren Mitarbeitenden und den Kindern in Kita und Grundschule gut geht und ich bedanke mich bei den Polizistinnen und Polizisten für ihren Einsatz in dieser unübersichtlichen Lage», sagte Stades Stadtrat Carsten Brokelmann in einer Mitteilung. 

Der Kommunalpolitiker der Freien Wählergemeinschaft zeigte sich erschüttert: «Gleichzeitig gilt unser tiefes Mitgefühl den Opfern dieser schrecklichen Tat sowie deren Hinterbliebenen.» Noch seien die Hintergründe der Tat nicht bekannt. Er vertraue darauf, dass diese bald ermittelt würden. 

Notfallseelsorger unterstützen Angehörige

Stade hat knapp 48.700 Einwohner, gehört zur Metropolregion Hamburg und ist auch als westliches Tor zum Alten Land bekannt – dem größten zusammenhängenden Obstanbaugebiet Deutschlands. Die Hansestadt liegt rund 40 Kilometer von Hamburg entfernt.

Das Verbrechen ist für viele in der malerischen Stadt unfassbar. Die Schüsse fielen in einer ruhigen Wohngegend, zwischen Einfamilienhäusern aus Backstein und Spielstraßen. Nach und nach trafen dort immer mehr Angehörige an, wie eine dpa-Reporterin berichtete. Sie wirkten aufgewühlt und hoffen, ihre Familienmitglieder abholen zu können. Ein Team der Krisenintervention war vor Ort, um die Angehörigen, Zeugen und Einsatzkräfte zu begleiten.

© dpa-infocom, dpa:260629-930-303608/13

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