Home International Haas-Teamchef verrät: Darum fährt Rafael Camara in Brasilien – und nicht Hirakawa

Haas-Teamchef verrät: Darum fährt Rafael Camara in Brasilien – und nicht Hirakawa

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Obwohl Haas-Ersatz Ryo Hirakawa bei seinem spontanen Formel-1-Debüt in Mexiko als Zehnter direkt in die Punkteränge fahren konnte, erhält der Japaner beim Großen Preis von Sao Paulo (alle Sessions im Liveticker verfolgen) keine zweite Chance. Stattdessen feiert Rafael Camara sein Debüt in der Königsklasse.

Zwar tritt Hirakawa an diesem Wochenende ohnehin beim Saisonfinale der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) in Monza an und kann dort als Teil des meisterschaftsführenden Toyota #8 seinen dritten Weltmeistertitel gewinnen. Trotzdem war der Ersatzpilot auch eine Option für den Grand Prix in Brasilien.

Am Ende entschied sich Teamchef Ayao Komatsu allerdings für Rafael Camara, der 2027 ebenfalls für Haas fahren wird. “Es gibt immer Vor- und Nachteile”, erklärt Komatsu. “Es ist keine ausgemachte Sache nach dem Motto: ‘Wir haben ihn für nächstes Jahr verpflichtet, also setzen wir ihn so früh wie möglich ein.’ Es gibt immer ein Risiko.”

Camara hat beim Shootout in Portimao überzeugt

Eine entscheidende Rolle spielte das Shootout mit älteren Formel-1-Fahrzeugen in Portimao, bei dem der Brasilianer seine Kontrahenten im Kampf um das Cockpit für das kommende Jahr deutlich hinter sich ließ. Dabei konnte sich Komatsu persönlich von den Qualitäten des aktuellen Formel-2-Piloten überzeugen.

“Was ich dort gesehen habe, wie er sich verhalten und mit dem gesamten Druck umgegangen ist, wie er sich ein Umfeld geschaffen hat, in dem er sich konzentrieren und seine Leistung abrufen konnte – all das, abgesehen von seiner reinen Rundenzeit, die beeindruckend war, hat mich sehr überzeugt”, sagt der Teamchef.

“Sein gesamter Ansatz war ausgesprochen reif”, ergänzt der Haas-Verantwortliche. “Das hat mir natürlich mehr Vertrauen gegeben. Wenn wir diesen Schritt gemeinsam gehen, sind die Botschaft und unser Ziel klar, und wir können die Situation bewältigen.”

Wenn Camara jemand gewesen wäre, der “nicht versteht, wie ein professionelles Leistungsumfeld aussehen sollte, der von bestimmten Dingen schnell überwältigt oder übermäßig begeistert wird, hätte ich diese Entscheidung möglicherweise nicht getroffen”, meint Komatsu.

Vor seiner endgültigen Entscheidung hat der Teamchef am Sonntagabend sowie am Montag und Dienstag mehrfach mit Camara gesprochen. “All diese Gespräche haben meinen Eindruck davon, wie Rafa mit allem umgehen, mit den Umständen zurechtkommen und anschließend den Lärm ausblenden kann, noch einmal bestätigt”, sagt der Japaner.

Die mentale Stärke von Camara als wichtiger Punkt

“Er kann sich konzentrieren, die Dinge vereinfachen und sie nicht unnötig kompliziert machen. Was ich in Portimao gesehen habe, war besonders beeindruckend, weil sich die Streckenbedingungen ständig verändert haben und es deshalb ausgesprochen schwierig war.”

Schon damals lastete ein enormer Druck auf dem jungen Brasilianer, schließlich ging es um ein Formel-1-Cockpit für die Saison 2027. “Aber er hat sich nicht auf das Ergebnis konzentriert und auch nicht darauf, dass er unbedingt etwas liefern muss, um das Formel-1-Cockpit zu bekommen”, verrät der Teamchef.

Rafael Camara fährt aktuell eigentlich noch in der Formel 2

Foto: James Sutton (Getty Images)

“Stattdessen hat er sich auf das konzentriert, was er besonders gut kann: sein außergewöhnlich gutes natürliches Gefühl. Er vertraut auf dieses Gefühl und passt seine Fahrweise an die Streckenbedingungen an. Und die Bedingungen haben sich tatsächlich von Runde zu Runde verändert.”

Der aktuelle Formel-2-Pilot habe das Shootout “mit großer Ruhe gemeistert” und “konnte mit der mentalen Seite und dem Druck umgehen, ohne etwas erzwingen zu wollen, das außerhalb seiner Kontrolle liegt”, ergänzt Komatsu. “Er hat sich einfach auf das konzentriert, was er selbst leisten kann. Das war beeindruckend.”

Entscheidung nicht gegen Hirakawa, sondern für das Team

“Und ich glaube, dass wir hier [in Brasilian] mit derselben Einstellung arbeiten können. Deshalb habe ich mich letztlich dafür entschieden.” Als Teamchef musste Komatsu eine Entscheidung im Interesse der Mannschaft treffen. Mit Blick auf das Potenzial des Brasilianers fiel seine Wahl letztlich auf den Nachwuchspiloten.

“Ich muss eine Entscheidung treffen, die ausschließlich auf Professionalität basiert”, betont der Japaner, der seinem Landsmann Hirakawa damit einen zweiten Formel-1-Einsatz verwehrt hat. “Jedes Mal, wenn ich vor einer schwierigen Entscheidung stehe, kehre ich zu diesem Grundsatz zurück. Dadurch habe ich Klarheit.”

“Natürlich ist das nicht einfach. Aber zumindest kann ich mit mir selbst im Reinen sein, weil jede einzelne Entscheidung – einschließlich dieser hier, also der Frage, wen wir hier ins Auto setzen – eine rein professionelle Entscheidung ist. Ich habe Ryo die Entscheidung selbstverständlich selbst am Telefon erklärt.”

Offen ist dagegen noch, wer bei den letzten drei Formel-1-Rennen des Jahres im Haas sitzen wird, nachdem Ex-Pilot Esteban Ocon endgültig aus dem Rennen ist. Rafael Camara fährt bei den letzten beiden Rennen in Katar und Abu Dhabi eigentlich in der Formel 2 und kämpft dort noch um den Titel. Eine Rückkehr von Hirakawa ist deshalb möglich.

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