14 Tage nachdem er sich bei seinem Sturz im Sprint des Australien-Wochenendes auf Phillip Island das rechte Handgelenk gebrochen hat, ist Jorge Martin am Samstag im Sprint des Katar-Wochenendes in Lusail von P11 in der Startaufstellung bis ganz nach vorne gestürmt.
Tatsächlich führte Martin das von 11 auf 10 Runden verkürzte Sprint-Rennen auf dem Lusail International Circuit für ein paar Kurven an, bevor er sich schließlich doch seinem WM-Rivalen Marc Marquez geschlagen geben musste. In der letzten Runde wurde Martin dann noch von Fabio Di Giannantonio überholt. Aber P3 mit “50 Prozent” Fitness, wie er selber einschätzt, ist mehr als vor dem Start zu erwarten war.
Im Qualifying am Samstagvormittag hatte Martin noch stark zu kämpfen gehabt – nicht mit seiner Werks-Aprilia, sondern mit seiner körperlichen Verfassung. “Das Qualifying war ein komplettes Desaster, ich hatte überhaupt keine Kraft”, erinnert er sich an seine Fahrt im Q2-Segment, in dem er einzig den gestürzten Brad Binder (KTM) hinter sich halten konnte.
“Ich habe versucht, all meine Energie für den Sprint aufzusparen”, verrät Martin. Das ist ihm gelungen. “Klar, es war ein anstrengendes Rennen, aber ich habe es genossen”, sagt er und weiß, dass ihm die Umstände durchaus entgegenkamen.
Glück im Unglück für Martin: Reifenwechsel nach Abbruch
Denn weil der Sprint aufgrund des heftigen Crashs von Francesco Bagnaia mit der roten Flagge abgebrochen und wenige Minuten später neu gestartet wurde, nutzte Martin die Chance, seine Reifenwahl vom ursprünglichen Start zu korrigieren. Anstatt eines Medium- setzte er für den Neustart auf einen Soft-Reifen am Hinterrad seiner Werks-Aprilia.
“Ich hatte die Gelegenheit zum Reifenwechsel, was gut war, denn der erste Reifen war schrecklich. Eigentlich hatte ich mit dem Meidum ein gutes Gefühl, aber dieser eine Medium funktionierte überhaupt nicht. Daraufhin war ich clever genug, zu wechseln, auch wenn ich wusste, dass der Soft ein Risiko sein würde”, so Martin.
Für zwei Kurven lag Martin im Sprint sogar in Führung – im Duell mit Marc Marquez
Foto: Gold and Goose Photography / Getty Images
“Tatsächlich”, setzt Martin fort, “war ein Teil des Teams nicht überzeugt vom Soft. Ich aber war zuversichtlich, diesen Reifen managen zu können. Beim Bremsen war er eine große Hilfe und es ist mir gelungen, einen Fahrer nach dem anderen zu überholen, bis ich schließlich zu Marc aufgeschlossen hatte”.
Mit Soft-Hinterreifen: Martin stürmt von P11 bis in Führung
Das Duell mit dem angesprochenen Marc Marquez war in der vierten Runde ein Duell um die Führung. Es trug sich im Bereich der Kurven 2 bis 6 zu. Sekunden zuvor hatte es in Kurve 1 im Kampf um die Führung die Kollision zwischen Marquez und Marco Bezzecchi gegeben, die für Bezzecchi das Aus bedeutete.
Marquez kämpfte in den Kurven nach der Kollision damit, dass der Airbag seines Overalls ausgelöst hatte und es ein paar Kurven dauerte, bis sich das Sicherheitssystem am Rücken wieder normalisiert hatte. In diesem Moment überraschte Martin Marquez und ging in Kurve 5 in Führung. Bis Kurve 6 hielt sich der Aprilia-Pilot vorne, dann kam direkt der Konter von Marquez.
“Ja, als sein Airbag ausgelöst hatte, konnte ich Marc sogar überholen. Aber natürlich ist ein Zweikampf mit Marc immer eine schwierige Sache. Ich habe mein Bestes gegeben und bin mit meinem Ergebnis absolut zufrieden”, sagt Martin nach seinem dritten Platz.
Bei der Kollision zwischen Marquez und Bezzecchi in Kurve 1 der vierten Runde lag Martin an vierter Stelle. Er erinnert sich: “Direkt gesehen habe ich die Kollision nicht, weil ich direkt hinter Di Giannantonio fuhr. Ehrlich gesagt dachte ich, sie wären beide gestürzt.”
“Ich versuchte Bezzecchi, der auf dem Boden lag, auszuweichen und habe die Gelegenheit genutzt, Di Giannantonio zu überholen. Anschließend kam ich auch kurz an Marc vorbei. Ich habe wirklich alles versucht”, so Martin.
Martin im Sprint bei “50 Prozent” Fitness – Lob von Marc Marquez
Und über die Belastung für sein verletztes rechtes Handgelenk im Verlauf des Samstagsrennens sagt Martin noch: “Ehrlich gesagt stand ich voll unter Adrenalin. Erst der Start, dann der Neustart, da hatte ich gar keine Zeit, an meine Hand zu denken. Ich kam gut zurecht. Natürlich waren das nicht meine 100 Prozent, aber es war das, was möglich war. Es waren meine 50 Prozent, also bin ich mit 50 Prozent gefahren.”
“Morgen”, so Martin weiter, “wird es längeres Rennen, aber auch ein bisschen langsamer. Das könnte mir entgegenkommen. Ich hoffe, dass ich mich bis dahin gut erholen kann. Dann ist alles möglich. Wir haben es ja heute mit Marco und Marc gesehen, dass alles passieren kann. Wenn sich eine solche Gelegenheit bietet, muss ich zur Stelle sein”.
WM-Rivale Marc Marquez zollt Martin für dessen Sprint-Leistung Respekt
Foto: Gold and Goose Photography / Getty Images
Marc Marquez, der schon am Sonntag in Lusail vorzeitig MotoGP-Weltmeister 2026 werden würde, wenn er selber gewinnt und Jorge Martin eine Nullnummer schreibt, ist von Martins starker Performance mit Verletzung nicht überrascht.
“Wir wissen, wie gut Martin ist. Er ist sehr schnell und er fährt richtig stark. Und die Tatsache, dass er um den WM-Titel kämpft ist im Zusammenhang mit dem Adrenalin und allem das beste Schmerzmittel. Er ist wirklich ein zäher Kerl. Ich ziehe meinen Hut vor ihm”, so Marquez.
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