Eine
Mehrheit der Menschen weltweit ist einer Studie zufolge bereit, mit Fremden zu kooperieren. Dabei unterschätzen die meisten
aber den Kooperationswillen ihrer Mitmenschen. Dies ergab eine Studie eines Forschungsteams aus einer Kooperation der Universität Bonn, der Goethe-Universität Frankfurt und der Frankfurter School of Finance. Die
Studie wurde im Fachmagazin Science veröffentlicht.
Durchschnittlich
69
Prozent der Teilnehmenden aus 125 Ländern verzichteten zugunsten einer gemeinschaftsorientierten
Auszahlung auf eine höhere, private Auszahlung. Die Befragten erwarteten im
Durchschnitt nur eine Kooperationsbereitschaft von 47 Prozent. Die tatsächliche
globale Kooperationsbereitschaft lag bei 69 Prozent. Die Tendenz, den
Kooperationswillen zu unterschätzen, fand sich in 124 von 125 Ländern. Die
Forscher teilten dazu mit: »Wir sind als Spezies kooperativer als wir selbst
glauben.«
Die
Datengrundlage der Studie bildeten nach Angaben der Universität Bonn
verhaltenswissenschaftliche Experimente mit mehr als 100.000 Personen aus 125
repräsentativ ausgewählten Länderstichproben.
Wie Kooperationsbereitschaft gemessen wurde
Das
Experiment wurde in den 125 Ländern einheitlich durchgeführt. Dabei wurden
Teilnehmende in Teams aus je zwei zuvor unbekannten Personen eingeteilt und
mussten sich zwischen zwei Optionen entscheiden. Die Teilnehmer wurden vor die
Wahl zwischen einer höheren privaten oder einer gemeinschaftsorientierten
Auszahlung gestellt.
Die
Option »nicht kooperieren« brachte einen sicheren Ertrag von 100 Dollar, die
Option »kooperieren« dagegen 70 Dollar. Wenn sich beide Personen unabhängig
voneinander und ohne gemeinsame Beratung für die Option »kooperieren«
entschieden, wurden zusätzlich 400 Dollar für Maßnahmen gegen den Klimawandel
gespendet.
In Deutschland ist der Unterschied zur erwarteten Kooperation groß
In
Deutschland war der Unterschied zwischen der tatsächlichen und erwarteten Kooperation
besonders groß. Dabei kooperierten mit 86 Prozent der Teilnehmenden im Vergleich zum Durchschnitt über alle Länder (69 Prozent) viele. Ähnlich wie im weltweiten Durchschnitt erwarteten dies aber nur 47,6 Prozent der Teilnehmenden. Einer der Autoren der Studie, Armin Falk von der
Universität Bonn, sagte der Nachrichtenagentur dpa zu diesem Ergebnis, er vermute,« dass wir schon eine Tendenz haben, das Glas halbleer zu sehen«.
Die Forscher sagten, dass
Kooperation eine Grundvoraussetzung für gesellschaftliches Wohlergehen sei.
Viele Herausforderungen ließen sich nur bewältigen, wenn Menschen bereit seien,
über ihr Eigeninteresse hinaus zum Gemeinwohl beizutragen. Viele
Menschen erlägen einer kognitiven Selbsttäuschung, indem sie die anderen zu
negativ einschätzten. Die Studie sei
die weltweit erste, die menschliche Kooperation auf global repräsentativer
Basis untersuche.
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