Red Bull hat sich im Freien Training zum Großen Preis von Mexiko noch nicht so stark präsentiert wie zuletzt in Malaysia, Singapur und Austin: Max Verstappen beendete das zweite Training am Freitag (Ergebnis) mit drei Zehntelsekunden Rückstand auf der fünften Position, knapp vor Teamkollege Isack Hadjar.
Allerdings war der RB22 des Niederländers nach einer Kollision mit Liam Lawson, für die beide Piloten im Anschluss an die Session eine Strafe erhielten, nicht mehr ganz in Ordnung. “Das Bargeboard, oder wie auch immer man dieses Ding nennt, war abgebrochen”, erklärte Verstappen auf Nachfrage von Motorsport-Total.com.
“Dadurch verliert man natürlich Anpressdruck.” Berücksichtigt man diesen Abtriebsverlust, fällt der Rückstand auf Charles Leclerc im schnellsten Ferrari gar nicht so übel aus. Dennoch war Verstappen mit der Balance seines Autos noch nicht vollends zufrieden.
“Es war nicht schlecht, aber es gibt noch ein paar Dinge, die ich verbessern möchte. Ich hatte natürlich nur eine Session, und ich glaube, bezüglich des Grips hat hier draußen niemand eine wirklich einfache Zeit”, erinnert der Red-Bull-Pilot daran, dass er sein Auto im ersten Training an Ayumu Iwasa übergeben hatte.
Verstappen: Niemand hat wirklich Spaß beim Fahren
“Egal wie man sich selbst fühlt: Wenn man sich danach die Onboards der anderen ansieht, hat glaube ich niemand wirklich Spaß beim Fahren. Also ja, ich muss einfach noch etwas mehr Pace aus unserem Auto herausholen, um einen kleinen Sprung nach vorne zu machen.”
Max Verstappen kollidierte im Training mit Liam Lawson
Foto: Sutton Images
Zugleich räumt Verstappen ein, dass ihm das Autodromo Hermanos Rodriguez im Jahr 2026 nicht sonderlich viel Freude bereitet. Die extreme Höhe sorgt zwar seit jeher für weniger Grip und Abtrieb, doch unter dem neuen technischen Reglement mit aktiver Aerodynamik macht sich dieser Effekt noch deutlicher bemerkbar.
“Es ist noch mehr Rutscherei, man muss beim Fahren sehr geduldig sein”, meint der viermalige Weltmeister. “Persönlich macht das nicht am meisten Spaß, aber man weiß auch, dass es eine andere Herausforderung ist. Man muss einfach versuchen, es besser zu verstehen.”
Schaden am Verstappen-Auto war nicht hilfreich
Auch Red-Bull-Technikchef Pierre Wache räumt ein, dass über Nacht noch Arbeit auf das Team wartet. Dabei benennt er das Hauptproblem konkret: “Im Moment ist die Balance zwischen Vorder- und Hinterachse etwas entkoppelt – die Front in der Bremsphase und am Scheitelpunkt, und danach das Heck beim Einlenken.”
“Es ist klar ein wenig unausgewogen, und das versuchen wir für morgen zu beheben”, sagte Wache auf Nachfrage von Motorsport-Total.com. Der Schaden an Verstappens Auto erschwerte es dem Team zusätzlich, sich am Freitag ein klares Bild von der tatsächlichen Fahrzeugbalance zu machen.
“Ich glaube, es ist ein allgemeines Gripniveau, das uns gefehlt hat”, ergänzt der Technikchef. “Basierend auf unserer Analyse war es ein Balanceschaden an Front und Heck. Es ist klar, dass sich das auf das Gesamtgripniveau auswirkt, das man spürt, und auf das Vertrauen, das man ins Auto haben kann.”
Deshalb müsse man am Samstag erneut prüfen, ob sich das Fahrverhalten verbessert, wenn “der Unterboden repariert ist, ob das Auto besser ist oder nicht”, meint Wache. Doch neben der Reparatur des Schadens muss Red Bull auch am Set-up arbeiten, um die angesprochene Unausgewogenheit in den Griff zu bekommen.
Red Bull muss über Nacht am Set-up arbeiten
“Es liegt ganz klar am Set-up, wo wir versuchen werden, es zu korrigieren. Es geht auch jedes Mal darum, die Balance zwischen Einzelrunde und Longrun zu finden. Wenn man versucht, dieses Balanceproblem auf einer schnellen Runde zu lösen, müssen wir sicherstellen, dass es nicht die Reifen ruiniert”, warnt Wache.
Die Reifen sind in Mexiko ohnehin ein entscheidender Faktor. Das gilt nicht nur für die Longruns, sondern auch für den dritten Sektor auf einer Qualifikationsrunde. Ferrari-Teamchef Frederic Vasseur hat bereits vorausgesagt, dass dort der eigentliche Unterschied gemacht wird – insbesondere in den langsamen Kurven des Stadion-Abschnitts.
“Der Reifen überhitzt im letzten Sektor ganz offensichtlich”, gibt auch Wache zu. “Das Hauptproblem ist, dass die Streckentemperatur im zweiten Training um mehr als 10 Grad gesunken ist. Die Longruns waren nicht sehr repräsentativ für das, was wir am Sonntag im Rennen sehen werden.”
Entsprechend vorsichtig bewertet der Red-Bull-Technikchef die Erkenntnisse aus den Longruns. “Wir müssen bei diesem Aspekt sehr vorsichtig sein; der Reifenverschleiß wird höher sein und vielleicht ist der Medium-Reifen [am Sonntag] die bessere Wahl.”
Ist Ferrari der klare Favorit in Mexiko?
Ferrari gilt beim Großen Preis von Mexiko als Favorit. Der kleinere Turbo könnte in der dünnen Höhenluft einen Vorteil bieten. Hinzu kommt, dass die Scuderia über die gesamte Saison hinweg ihre Stärke in langsamen Kurven unter Beweis gestellt hat – und davon gibt es auf dem mexikanischen Kurs reichlich.
“Ja, seit Anfang des Jahres sind sie in den langsamen Kurven ganz klar ganz vorne mit dabei. Sie haben eindeutig viel Abtrieb für die langsamen Passagen”, erinnert auch Wache. “Mal sehen, was wir herauskitzeln können. Ich glaube, wir sind nicht weit weg und ich hoffe, dass wir sie fordere können.”
Verstappen teilt diese Hoffnung, weiß aber ebenfalls, dass die Scuderia in Mexiko genau im Auge zu behalten ist. “Sie waren in den letzten Wochen schon in vielen Sessions schneller”, meint er. “Das ist eine Strecke, auf der man noch mehr Performance bei niedrigem Tempo braucht, also sollte ihnen das normalerweise in die Karten spielen.”
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