In seiner ersten Formel-1-Saison 2010 hatte Nico Hülkenberg mit Rubens Barrichello einen Brasilianer als Teamkollegen bei Williams. Jetzt wo sich der Deutsche näher am Ende als am Anfang befinden dürfte, wartet auf der anderen Seite erneut ein Brasilianer – nur dass Hülkenberg mittlerweile der erfahrene Haudegen ist.
Im nun schon zweiten Jahr fahren Hülkenberg und Gabriel Bortoleto für das Audi-Team, das in der vergangenen Saison noch Sauber hieß. Und von Rivalität unter Teamkollegen ist bei den beiden nichts zu spüren. Im Gegenteil: “Ich denke, als Teamkollegen hatten wir schon immer ein gutes Verhältnis”, sagt Hülkenberg. “Ein professionelles, aber auch auf der persönlichen, der menschlichen Seite.”
Wie gut die Beziehung zwischen den beiden ist, konnte man gut im vergangenen Jahr in Silverstone sehen, als sich Bortoleto wirklich ehrlich über Hülkenbergs langersehntes Podest freute, obwohl er selbst mit einem Ausfall eine Enttäuschung hatte hinnehmen müssen.
Daran hat sich bis jetzt nichts geändert: “Wir verstehen uns einfach gut. Wir sind auf derselben Wellenlänge und kommen super miteinander aus”, betont Hülkenberg. “Ich glaube, da ist extrem viel gegenseitiger Respekt vorhanden. Wir genießen die Zeit auf und abseits der Strecke, und so ist das einfach.”
Besonderer Ort für Hülkenberg
Für beide steht in Sao Paulo ein besonderes Wochenende an: Bortoleto begeht in Brasilien natürlich sein Heimspiel, und Hülkenberg kommt an den Ort zurück, an dem er 2010 seine erste Poleposition eingefahren hatte und an dem er 2012 fast gewonnen hätte.
“Ja, es ist ein ganz besonderer Ort”, meint der Deutsche. “Ich bin ehrlich gesagt einfach glücklich, hier zu sein. Ich mag die Stadt, die brasilianische Art, den Vibe, den Lebensstil. Es ist ein extrem ikonischer Kurs und ein spezieller Ort – und das spürst du in dem Moment, in dem du an die Rennstrecke fährst.”
Hülkenberg feiert die Pole 2010 mit Rubens Barrichello
Foto: Motorsport Images
Der Audi-Pilot erinnert sich beispielsweise noch an 2024, als das Qualifying aufgrund von Unwetter auf Sonntagmorgen verschoben werden musste. “Es war gegen 6:30 Uhr morgens, als wir an den Kurs kamen und den Hügel zur Strecke hochfuhren – und da standen bereits Tausende und Abertausende von Menschen”, erzählt er.
“Das hat einfach herausgestochen: die Hingabe, die Liebe der brasilianischen Fans und der Menschen hier zur Formel 1. Es war extrem speziell und unglaublich, das zu sehen. Also ja, ich glaube, die meisten Fahrer lieben es hier. Darüber hinaus ist es eine echt spaßige, herausfordernde Strecke. Sie ist nicht einfach.”
“Und 2012? Tja, hätte, wäre, wenn, oder?”, lacht er. “Hoffentlich können wir diesen Sonntag wieder ein starkes Rennen zeigen, das wäre schön.”
Mexiko-Unfall “geht auf meine Kappe”
Das wäre für ihn auch eine Wiedergutmachung für Mexiko, wo er ein starkes Rennen zeigte, bis er beim Neustart Haas-Pilot Oliver Bearman ins Heck fuhr und dafür eine Strafe kassierte. Er selbst bezeichnet das auch einige Tage später noch als “normalen Rennunfall”.
“Viele Autos waren dicht auf dicht zusammen. Ich habe in Kurve 4 gegen ein anderes Auto gekämpft und beim Anbremsen im Windschatten all dieser Autos spürbar Abtrieb verloren. Das Heck hat leicht blockiert, ich konnte das Auto nicht mehr rechtzeitig verzögern und habe ihm dann diesen Schubser gegeben.”
Bearman drehte sich dabei und musste anschließend das Rennen aufgeben, was Hülkenberg leid tut. “Nach der Strafe bin ich sofort zu ihm und dem Team gegangen, um mich zu entschuldigen”, sagt er. “Es war keine Absicht und natürlich absolut nicht ideal, sein Rennen so zu beenden. Aber ja, das geht auf meine Kappe.”
Bearman lobt nach Entschuldigung: “Feiner Kerl”
Dass Hülkenberg sich bei ihm entschuldigt hat, rechnet Bearman ihm hoch an: “Ich hatte schon immer riesigen Respekt vor Nico”, sagt der Brite, der 2024 für zwei Rennen Teamkollege von Hülkenberg bei Haas war. Denn zweimal durfte Bearman damals für Kevin Magnussen einspringen und fand mit dem routinierten Deutschen eine erfahrene Hilfe auf der anderen Seite der Haas-Garage.
“In dieser Situation hätte ich mir keinen besseren Teamkollegen wünschen können. Er hat mir extrem viel geholfen, und wir haben auch abseits der Strecke ein super Verhältnis”, betont Bearman. “Er ist einfach ein absolut feiner Kerl – was man auch an dieser Geste gesehen hat, dass er persönlich zu uns allen gekommen ist.”
“Er ist natürlich ein extrem fairer Fahrer. Wann immer ich mich mit Nico auf der Strecke duelliere, sind das tolle Kämpfe – sie sind nie dreckig. Und wenn es dir dann passiert, dass du abgeräumt wirst, dann ist das einfach Motorsport. Ich hege keinerlei Groll gegen Nico – eben weil er ein sehr sauberer Fahrer ist und darüber hinaus ein großartiger Mensch.”
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