Am Ohnsorg-Theater in Hamburg wurde am Sonntagabend Siegfried Lenz’ Klassiker «Deutschstunde» (1968) unter dem Titel «Deutschstunde – Biller in Flammen» auf Hoch- und Plattdeutsch aufgeführt. Regisseurin Kathrin Mayr inszenierte den Roman von Siegfried Lenz (1926-2014), einem der bedeutendsten Schriftsteller der deutschen Nachkriegsliteratur, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte. Die plattdeutsche Fassung stammt von dem am Ostermontag gestorbenen Dramaturgen, Übersetzer und Autor Peter Nissen.
Flavio Kiener spielt die Rolle des Siggi Jepsen, der in einer Anstalt für schwer erziehbare Jugendliche einen Aufsatz über «Die Freuden der Pflicht» schreiben muss und daran scheitert. In Rückblenden erinnert er sich daran, wie sein Vater, der Polizist Jens Ole Jepsen (Oliver Warsitz) dem expressionistischen Maler Max Ludwig Nansen (Ulrich Bähnk) ein Malverbot der Nationalsozialisten überbringen musste und dies in der Folge unerbittlich durchsetzte. «Deutschstunde» hinterfragt den blinden Gehorsam gegenüber der Obrigkeit und die Rolle des Gewissens.
Auf einer blau-weißen, hölzernen Schräge mit zahlreichen verdeckten Kammern und Türen (Bühne und Kostüme: Anike Sedello) konzentriert sich die minimalistische Inszenierung auf die Kernstellen des Romans. Die Erzähltexte sind hochdeutsch, die Dialoge plattdeutsch angelegt. Überzeugend verkörpert Kiener die Zerrissenheit des Siggi Jepsen, der zwischen Loyalität zu seinen strengen Eltern und Zuneigung und Verständnis gegenüber dem Maler schwankt. Als er diesen bespitzeln soll, hilft er dem Maler, seine Bilder zu verstecken.
Nach dem ersten, etwas statischen Teil, nimmt das Bühnengeschehen im zweiten Teil deutlich an Fahrt auf. Vor allem, als Polizist Jepsen auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs weiterhin die Bilder des Malers vernichtet und Siggi Jepsen immer stärker seinem eigenen moralischen Kompass folgt.
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