Home Home Studie zur Pflegereform: Zahl der Pflegebedürftigen hat sich seit 2017 verdoppelt

Studie zur Pflegereform: Zahl der Pflegebedürftigen hat sich seit 2017 verdoppelt

0
2
Die Ausweitung auf fünf Pflegestufen hat die Zahl der Pflegebedürftigen stark erhöht – das zeigt eine neue Studie. Vor allem mehr junge Menschen beantragten Leistungen.

Seit 2017 hat sich die Zahl der Menschen in Deutschland verdoppelt, die pflegebedürftig sind. Das zeigt eine aktuelle Studie des Iges-Institutes im Auftrag des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen. Demnach stieg die Zahl von drei auf fast sechs
Millionen Menschen – ein größerer Zuwachs als erwartet.

Hauptursache ist der Studie zufolge, dass immer mehr jüngere ‌Menschen Pflegeleistungen erhalten. Lag der Anteil der neu pflegebedürftigen Versicherten unter 18 Jahren
im Jahr 2018 noch bei knapp vier Prozent, waren es 2024 schon 6,5 Prozent.
Vielfach spielen der Analyse zufolge in dieser Altersgruppe psychische
Erkrankungen und Problemlagen die entscheidende Rolle. Die meisten jungen Menschen, ​drei Viertel, erhielten einen niedrigen Pflegegrad.

2017 gab es eine Pflegereform, durch die ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff eingeführt worden war. Aus drei Pflegestufen wurden fünf Pflegegrade. Auch kognitive und psychische Einschränkungen werden seitdem berücksichtigt, darunter fielen erstmals auch Menschen mit Demenz.

Patientenverband verteidigt neue Regeln von 2017

Der Spitzenverband der gesetzlichen Kassen (GKV) sprach sich angesichts der Studienergebnisse dafür aus, die Schwellenwerte für die einzelnen Pflegegrade zu überprüfen. Der Vorstandsvorsitzende, Oliver Blatt, sprach von einer großen Herausforderung für die Pflegeversicherung: »Gerade in einem solidarischen System müssen wir (…) darauf achten, dass diejenigen Hilfe bekommen, die wirklich darauf angewiesen sind, und das System zugleich finanzierbar bleibt.« Er kritisierte, dass die Politik bei der Reform ​2017 den Empfehlungen der Wissenschaft nicht
gefolgt sei, ‌sondern den Zugang ‌zur Pflege »großzügiger« gestaltet habe als vorgeschlagen.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz griff die Haltung der Kassen an. »Noch 2017 sprach der GKV-Spitzenverband von einer neuen Ära in der Pflegeversicherung. Schließlich erhielten erstmals Menschen mit demenziellen Erkrankungen Leistungen«, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch. »Nicht mal zehn Jahre später wollen die Kassen nichts mehr davon wissen. Diese Kurzatmigkeit und Planlosigkeit müssen endlich gestoppt werden.«

Bis Mitte Mai sollen Eckpunkte für Pflegereform stehen

Den Zeitpunkt der Studienvorstellung dürfte der Spitzenverband bewusst gewählt haben, um den Druck auf Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) zu erhöhen. Sie will bis Mitte
Mai einen Gesetzentwurf für eine Pflegereform vorlegen. Alleine im
kommenden Jahr fehlen der Pflegeversicherung Warken zufolge sechs Milliarden Euro. Die Ausgaben für die gesetzliche
Pflegeversicherung sind von 31 Milliarden Euro im Jahr 2016 auf 68 Milliarden
Euro im Jahr 2024 gestiegen.

Laut Medienberichten sind
deutliche Einschnitte geplant. So sei etwa vorgesehen, dass
die gestaffelten Zuschüsse, die Pflegeheimbewohner zur Senkung der
Eigenanteile erhalten, langsamer anwachsen als bisher. Zudem soll es
künftig für alle Versicherten schwieriger werden, überhaupt als
pflegebedürftig anerkannt beziehungsweise in die unteren Pflegegrade
eingestuft zu werden.

Disclaimer : This story is auto aggregated by a computer programme and has not been created or edited by DOWNTHENEWS. Publisher: newsfeed.zeit.de