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Ebola: Wie gefährlich ist der Ebola-Ausbruch?

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336 Verdachtsfälle, 88 Tote: In der DR Kongo und Uganda wurde Ebola bestätigt. Die WHO ruft eine internationale Gesundheitsnotlage aus. Was wir über den Ausbruch wissen.

In der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) ist erneut Ebola ausgebrochen. Schon jetzt sind nach Angaben der Gesundheitsbehörde der Afrikanischen Union (CDC) 88 Menschen gestorben, darüber hinaus sind 336 Verdachtsfälle bekannt. Besonders betroffen ist die Provinz Ituri an der Grenze zu Uganda und zum Südsudan. Mittlerweile wurde das Virus auch schon in Uganda nachgewiesen.

Die Lage ist ernst. So ernst, dass die WHO eine Gesundheitsnotlage internationaler Tragweite ausgerufen hat. Wie konnte sich das Virus so schnell ausbreiten? Und wie gefährlich ist der Ausbruch?

Wie gefährlich ist Ebola?

Ebola ist eine schwere, fieberhafte Viruserkrankung. Zu den ersten Symptomen gehören Fieber, Müdigkeit, Kopf-, Muskel- und Halsschmerzen, die oft plötzlich auftreten. Im weiteren Verlauf kommen Erbrechen und Durchfall dazu; das Virus schädigt insbesondere Nieren und Leber. In manchen Fällen treten zusätzlich Blutungen auf. Im Durchschnitt verläuft etwa die Hälfte der Fälle tödlich.

Verursacht wird die Krankheit von sogenannten Orthoebolaviren. Bekannt sind sechs Varianten des Virus, von denen wiederum bislang die Hälfte zu größeren Ausbrüchen unter Menschen geführt haben. Der überwiegende Teil aller Infektionen geht auf die Zaire-Variante zurück. Bei dem Ausbruch in der DR Kongo scheint es sich hingegen um die seltenere Bundibugyo-Variante zu handeln, die eine etwas niedrigere Sterblichkeit hat als andere Varianten, dafür jedoch deutlich schwerer zu behandeln und einzudämmen ist.

Anders als gegen die Zaire-Variante gibt es für den Bundibugyo-Strang weder eine zugelassene Impfung noch spezielle Medikamente. Hinzu kommt, dass manche Tests die Variante nicht zuverlässig erkennen. Deshalb bleibt Ärzten häufig bloß eine reine Behandlung der Symptome. Die besten Überlebenschancen haben Betroffene, wenn die Krankheit früh erkannt wird, der Flüssigkeitsverlust infolge von Erbrechen und Durchfall ausgeglichen wird und Komplikationen wie Kreislaufprobleme, Nierenversagen oder Sekundärinfektionen behandelt werden.

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Wie ist es zu dem Ausbruch in DR Kongo gekommen?

Bislang ist über den Ursprung des aktuellen Ausbruchs wenig bekannt. Beim ersten bekannten Fall handelt es sich um eine Krankenschwester, die am 24. April Symptome entwickelte und wenig später in einem Krankenhaus in Bunia starb, der Hauptstadt der Provinz Ituri. Wo sie sich angesteckt hat, ist jedoch unklar. »Alle Ebola-Ausbrüche beginnen mit einer Übertragung vom Tier zum Menschen, typischerweise von Flughunden«, sagte der Medizinprofessor Paul Hunter von der University of East Anglia dem britischen Science Media Centre. So kann das Virus durch direkten Kontakt zu Wildtieren, etwa beim Jagen oder Schlachten, oder deren Körperflüssigkeiten wie Urin und Kot vom Tier auf den Menschen überspringen.

Über Blut und andere Körperflüssigkeiten wird das Virus dann von Mensch zu Mensch übertragen. Zwischen Ansteckung und ersten Symptomen vergehen bei Ebola zwischen zwei Tagen und bis zu drei Wochen. Ansteckend sind Infizierte erst, wenn sie selbst Symptome entwickeln. Besonders gefährdet sind Menschen, die sehr engen Kontakt pflegen oder ein Bett mit dem Erkrankten teilen – vor allem Angehörige und medizinisches Personal sind also betroffen. Eine besonders hohe Virenlast tragen auch die Leichname von Ebola-Erkrankten. Deshalb wird das Virus häufig bei Bestattungen übertragen, deren Rituale in der Region das Waschen und Berühren des Toten einschließen.

Einer der Gründe für die hohen Infektionszahlen dürfte die relativ späte Entdeckung des Ausbruchs sein. Offenbar fielen einige frühe Ebola-Tests negativ aus, weil sie nicht für die Bundibugyo-Variante geeignet waren. So konnte sich das Virus zunächst unbemerkt ausbreiten, ohne dass erhöhte Schutzvorkehrungen getroffen wurden. Wahrscheinlich sind deshalb bereits deutlich mehr Menschen erkrankt als bislang angenommen, warnt die WHO.

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Wie soll das Virus gestoppt werden?

Um den Ausbruch einzudämmen, sollen nun die Kontakte von Erkrankten genau nachvollzogen werden und Verdachtsfälle in Quarantäne gehen. Ärztinnen und Pfleger müssen zusätzliche Schutzkleidung verwenden. Und Beerdigungen dürfen nur noch unter bestimmten Sicherheitsanforderungen durchgeführt werden. Außerdem empfiehlt die WHO, dass an Flughäfen bei der Ausreise aus betroffenen Gebieten Fieberkontrollen durchgeführt werden.

»Solche nicht pharmazeutischen Maßnahmen sind in der Theorie umsetzbar, werden aber sehr aufwendig und ressourcenintensiv, wenn die Fallzahlen hoch sind«, sagt Anne Cori, die am Imperial College London die Ausbreitung von Infektionskrankheiten modelliert. »Besonders in großen Städten, sehr vernetzten Regionen oder Krisengebieten. Wird der Ausbruch erst spät bemerkt, kann das katastrophale Folgen haben.« Gäbe es einen Impfstoff, ließen sich zudem Ringimpfungen durchführen, bei denen Menschen immunisiert werden, die potenziell in Kontakt mit dem Virus gekommen sein könnten.

»Die Demokratische Republik Kongo hat viel Erfahrung im Umgang mit Ebola-Ausbrüchen«, sagt die Epidemiologin Daniela Manno von der London School of Hygiene & Tropical Medicine. Dort gebe es ein Netzwerk von Laboren und Teams, die eigens für Ausbrüche geschult wurden.

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Was unterscheidet diesen Ausbruch von früheren?

Das erste Mal wurde das Ebola-Virus 1976 beim Menschen entdeckt, seitdem gab es über 40 registrierte Ausbrüche, die meisten davon in Zentral- und Westafrika. Der aktuelle Ausbruch gehört schon jetzt zu den größten: »Wenn die Zahl der Infizierten bestätigt werden sollte, wäre es der siebtgrößte Ausbruch unter allen Ebola-Varianten«, sagt Anne Cori. Bei der bislang größten und tödlichsten Epidemie 2014 bis 2016 in Westafrika starben mehr als 11.000 Menschen.

Allerdings gehen die meisten größeren Ausbrüche auf die Zaire-Variante zurück. Ein solch großes Infektionsgeschehen durch die Bundibugyo-Variante wie aktuell in Kongo hat es zuvor noch nicht gegeben. Die Variante wurde bislang nur zweimal bei Ausbrüchen bei Menschen festgestellt, erstmals 2007 in Westuganda.

Doch nicht nur die wenig erforschte Bundibugyo-Variante erschwert den Umgang mit der Krankheit, sondern auch die geopolitische Lage. Die Provinz Ituri ist seit Jahrzehnten von Konflikten geprägt. Ein erheblicher Teil der Bevölkerung ist auf der Flucht – allein in Ituri wurden nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) rund 900.000 Menschen vertrieben. Zuletzt eskalierte erneut der Konflikt zwischen den Volksgruppen der Hema und Lendu. Erst Ende April griff eine bewaffnete Miliz mehrere Dörfer in der Provinz an und tötete dabei mindestens 69 Menschen, die meisten davon Zivilisten.

Zudem befürchten Fachleute, dass die Eindämmung und Behandlung des Virus auch deshalb erschwert wird, weil die US-Regierung unter Donald Trump große Teile der USAid-Finanzierung vorübergehend ausgesetzt hat. USAid unterstützt unter anderem Gesundheitsprogramme in armen Ländern. Die DR Kongo gehört zu den Ländern, die am meisten Geld erhielten.

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Wie groß ist die Gefahr, dass sich das Virus über die Region hinaus ausbreitet?

Schon jetzt gab es eine internationale Übertragung, in Ugandas Hauptstadt Kampala sind unabhängig voneinander zwei Menschen an Ebola erkrankt. Die WHO empfiehlt deshalb, dass auch benachbarte Länder Sicherheitsmaßnahmen ergreifen. Zudem rät sie zu Kontrollen bei Ausreisen aus betroffenen Ländern – Grenzschließungen oder Reisebeschränkungen seien hingegen kontraproduktiv, da sie häufig zu irregulären Ausreisen führen würden.

Das Risiko für Europa halten Fachleute hingegen für gering. »Ebola verbreitet sich nicht über die Luft wie Influenza oder Covid-19«, sagt Daniela Manno. »Für eine Ansteckung braucht man direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten oder damit verunreinigten Gegenständen. Das größte Risiko besteht für die Menschen in den betroffenen Orten und medizinisches Personal.«

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