Home International Racing-Bulls-Teamchef “versteht Frust” über verzögerte Fahrerentscheidung

Racing-Bulls-Teamchef “versteht Frust” über verzögerte Fahrerentscheidung

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Die meisten Teams haben ihre Fahrer für die Formel-1-Saison 2027 (die komplette Übersicht) längst bestätigt. Nur bei Racing Bulls herrscht weiterhin Unklarheit. Noch immer steht die Frage im Raum, ob Liam Lawson bleiben darf oder Ersatzfahrer und Formel-2-Talent Nikola Tsolov befördert werden soll.

“Wir versuchen, die Entscheidung auch ein Stück weit wissenschaftlich anzugehen, und das braucht etwas Zeit”, erklärte Teamchef Alan Permane am Freitag in Brasilien. Angesichts der späten Entscheidung muss er sich inzwischen auch kritischen Fragen stellen.

“Wir schauen uns alles an, untersuchen die Situation und analysieren sie”, ergänzt der Brite. “Wir haben Zeit und stehen nicht unter Druck, irgendetwas überstürzt zu entscheiden. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir die richtige Entscheidung treffen werden.”

“Mir ist bewusst, dass das für unsere Fahrer frustrierend ist”, sagt Permane, der seinen Vertrag als Teamchef bei den Racing Bulls bis 2031 verlängert hat. “Ich weiß auch, dass es für alle anderen frustrierend ist. Aber wir wollen es richtig machen, und das werden wir auch.”

“Ich bin sicher, dass alle zufrieden sein werden, wenn wir die Entscheidung in den kommenden Wochen bekannt geben”, deutet der Verantwortliche an, dass es intern bereits konkrete Überlegungen gibt. “Wir sind fast so weit, aber noch ist nichts endgültig entschieden.”

Warum Racing Bulls in der Zwickmühle steckt

Das Schwesterteam von Red Bull steht mit Lawson und dessen Rookie-Teamkollegen Arvid Lindblad vor der bisher erfolgreichsten Saison der Geschichte: In der Konstrukteurs-WM steuert das Team auf Platz fünf zu, nachdem der sechste Gesamtrang bislang das beste Ergebnis war.

Beide Fahrer zeigen solide Leistungen: Lawson präsentiert sich derzeit in seiner bislang besten Form, während Formel-1-Rookie Lindblad bereits in seiner ersten Saison vielversprechende Ansätze zeigt. Unter normalen Umständen wäre deshalb zu erwarten, dass das Team beide Fahrer auch 2027 behält.

Allerdings verändert die Rolle als Talentschmiede für zukünftige Red-Bull-Racing-Piloten die Ausgangslage. Lawson spielt in den langfristigen Planungen des Teams aus Milton Keynes keine Rolle mehr. Mit dem Bulgaren Tsolov hat Racing Bulls dagegen ein vielversprechendes Nachwuchstalent in den eigenen Reihen.

Gleichzeitig erwartet die Red-Bull-Muttergesellschaft aber auch, dass Racing Bulls auf eigenen Beinen steht und konkurrenzfähig ist. Genau das hat das Team in dieser Saison erfolgreich unter Beweis gestellt, was die Fahrerfrage für 2027 zusätzlich erschwert.

Nikola Tsolov ist ein Kandidat für das Formel-1-Cockpit 2027

Foto: Dom Gibbons (Getty Images)

Die Entscheidung zwischen kurzfristiger Leistung, Stabilität und Erfahrung mit Lawson auf der einen sowie dem langfristigen Potenzial für Red Bull mit Tsolov auf der anderen Seite erklärt, warum sich die ursprünglich deutlich früher erwartete Bekanntgabe inzwischen offenbar mindestens bis zum Grand Prix von Las Vegas verzögern wird.

Racing Bulls ist “dafür da, junge Talente zu fördern”

Eine Vertragsverlängerung mit Lawson würde nicht zwangsläufig dem eigenen Grundsatz widersprechen, junge Talente zu fördern. Neben den zahlreichen Punkten, die Lawson für das Team eingefahren hat, war der erfahrenere Neuseeländer im zweiten Auto auch ein wichtiger Maßstab, um die Fortschritte von Lindblad in dessen Rookie-Saison beurteilen zu können.

“Die wichtigsten Faktoren sind wie immer das Tempo und die Geschwindigkeit. Darauf achten wir als Erstes”, sagt Permane auf die Frage nach den scheinbar widersprüchlichen Zielen des Teams. “Aber wir sind nicht einfach nur ein Team, das ausschließlich existiert, um Rennen zu fahren.”

“Wir sind auch dafür da, junge Talente zu fördern. Das müssen wir im Blick behalten. Das bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass wir ständig neue junge Fahrer ins Auto setzen müssen. Möglicherweise brauchen wir auch etwas Erfahrung, um die Leistungen dieser Talente beurteilen zu können.”

“Es ist also keine einfache Entscheidung, und ich verstehe den Frust aller Beteiligten”, sagt der erfahrene Racing-Bulls-Teamchef. “Ich verstehe auch, dass meine Fahrer frustriert sind. Aber wir kommen voran, und es wird nicht mehr lange dauern.”

Instagram-Post von Lindblad sorgt für Verwirrung

Unterdessen werden die Social-Media-Kanäle des britisch-italienischen Teams von Fans überschwemmt, die fordern, Lawson auch für 2027 erneut unter Vertrag zu nehmen. Ein Beitrag auf den Kanälen von Arvid Lindblad sorgte zwischenzeitlich für Verwirrung.

Darin feierte der Rookie, dass er in der Formel 1 wieder mit seinem Jugendfreund Tsolov vereint ist, als beide am ersten Freien Training in Mexiko teilnahmen. Einige Fans interpretierten den Beitrag fälschlicherweise als versehentliche Bestätigung der Fahrerbesetzung für 2027.

Die fehlende Klarheit über seine Zukunft in der Formel 1 setzt allerdings vor allem Lawson zunehmend zu. Der Neuseeländer hatte bereits eingeräumt, dass er nicht wisse, “was sie sonst noch von mir erwarten”. Erst beim Großen Preis von Mexiko war Lawson als Siebter hinter den Top-Teams über die Ziellinie gefahren.

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