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Sipri: Friedensforschungsinstitut warnt vor wachsender Rolle von Atomwaffen

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Im neuen Sipri-Bericht warnen Friedensforscher davor, Atomwaffen als Instrumente nationaler Machtpolitik einzusetzen. Das würde »die Dynamik des Wettrüstens« schüren.

Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri
hat vor einer wachsenden Bedeutung von Atomwaffen in der
internationalen Sicherheitspolitik gewarnt. Zwar sank die weltweite
Gesamtzahl der Atomsprengköpfe leicht, die Zahl der militärisch
nutzbaren Sprengköpfe stieg aber, teilte Sipri anlässlich der Veröffentlichung seines 57. Jahrbuchs mit. In Europa rückten laut Sipri Debatten über nukleare Teilhabe und Abschreckung stärker in den Fokus.

Staaten setzten Atomwaffen zunehmend als
Instrumente nationaler Machtpolitik ein und machten damit
jahrzehntelange Bemühungen um eine Verringerung der Zahl und der Rolle
von Atomwaffen rückgängig, teilte Sipri mit.
Bereits im vergangenen Jahr hatte das Institut vor einem »gefährlichen
nuklearen Wettrüsten« gewarnt. Der neue Bericht beschreibt nun eine
weiter wachsende Rolle von Atomwaffen in der Sicherheitspolitik.

Staaten schüren »Dynamik des Wettrüstens«

Die neun Atommächte USA, Russland,
Großbritannien, Frankreich, China, Indien, Pakistan, Nordkorea und
Israel setzten demnach im vergangenen Jahr ihre Programme zur
Modernisierung und Ausweitung ihrer Atomwaffenarsenale fort. Die meisten
von ihnen stationierten neue atomwaffenfähige oder nuklear bewaffnete
Waffensysteme.

»Es gibt immer mehr Anzeichen dafür, dass die Atomwaffenstaaten ihre
Abrüstungsverpflichtungen vernachlässigen oder sogar ganz aufgeben und
stattdessen ihre nukleare Stärke zur Schau stellen«, sagte Sipri-Forscher
Hans Kristensen. »Indem sie nach nuklearen
Lösungen greifen, schaffen Staaten neue Risiken und schüren die Dynamik
des Wettrüstens.«

Russland und die USA verfügen
nach Sipri-Schätzungen zusammen über rund
83 Prozent aller gelagerten Nuklearsprengköpfe. Nach dem Ende des
Kalten Krieges hatten die beiden Länder ausgemusterte Sprengköpfe
zunächst nach und nach abgebaut. Der weltweite Bestand der Atomwaffen
war dadurch schrittweise gesunken. »Dieser Trend dürfte sich in den
kommenden Jahren umkehren, da sich das Tempo der Abrüstung verlangsamt,
während die Stationierung neuer Atomwaffen zunimmt«, berichtete das Sipri-Institut.

Mehr Atomsprengköpfe in höchster Einsatzbereitschaft

Nach Schätzungen der Friedensforscher verfügten
die neun Atomwaffenmächte USA, Russland, Großbritannien, Frankreich,
China, Indien, Pakistan, Nordkorea und Israel im Januar 2026 über 12.187
Atomsprengköpfe. Etwa 9.745 davon befanden sich den Forschern zufolge in
militärischen Beständen für den potenziellen Einsatz.

Mehr als im Vorjahr – schätzungsweise 4.012
Stück – waren den Angaben zufolge auf Raketen und Flugzeugen platziert.
Zwischen 2.100 und 2.200 wurden demnach auf ballistischen Raketen in
höchster Einsatzbereitschaft gehalten – fast alle davon befanden sich im
Besitz von Russland oder den USA, in geringerem Maße von
Großbritannien und Frankreich. In der EU ist Frankreich inzwischen die
einzige Atommacht.

Zusätzliche Unsicherheit entsteht nach Sipri-Einschätzung
durch das Ende des New-Start-Abkommens. Der letzte bilaterale Vertrag zur
Begrenzung strategischer Atomwaffen zwischen den USA und Russland lief
im Februar ohne Nachfolgeregelung aus. Damit entfällt auch eine wichtige
Grundlage für öffentliche Daten zu den strategischen
Nuklearstreitkräften beider Staaten.

China baut Atomwaffenarsenal aus

Unterdessen baut China sein Atomwaffenarsenal
dem Institut zufolge schneller aus als jedes andere Land. Die Zahl der
chinesischen Sprengköpfe stieg binnen eines Jahres von 600 auf rund 620.
China habe inzwischen Hunderte Raketen in drei großen Silofeldern im
Norden des Landes gelagert und arbeite an weiteren Silos im Osten. Je
nach Aufbau seiner Streitkräfte könnte China bis zum Ende des Jahrzehnts
über mindestens so viele landgestützte ballistische
Interkontinentalraketen verfügen wie Russland oder die USA.

Auch Indien und Nordkorea vergrößerten nach Sipri-Einschätzung
ihre Arsenale. Indien verfügte Anfang 2026 über rund 190 Sprengköpfe,
Nordkorea möglicherweise über etwa 60. Pakistan blieb demnach bei 170
Sprengköpfen. Israel, das den Besitz von Atomwaffen nicht öffentlich
bestätigt, verfügte laut Sipri weiter über schätzungsweise 90 Sprengköpfe.

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