Fabio Di Giannantonio sorgte bereits am vergangenen Wochenende im Rahmen des Grand Prix von Malaysia mit bemerkenswerten Aussagen für Aufsehen. Nach dem Sprint sprach er von einem Problem mit seiner Ducati, das er aber nicht explizit nennen wollte.
“Ich denke, wir haben ein wirklich gutes Motorrad, ein wirklich starkes Paket und ein sehr gutes Set-up. Ich fühle mich auf dem Motorrad super. Leider fehlt noch etwas anderes, um unser volles Potenzial wirklich abzurufen.”
“Aber ja, im Moment können wir daran nichts ändern. Wir haben darauf keinen Einfluss. Wegen dieser anderen Faktoren war es am Ende allerdings extrem schwer, die Jungs an der Spitze einzuholen.”
In Sepang qualifizierte sich Di Giannantonio als Sechster. Im Sprint kam er als Fünfter ins Ziel, etwas mehr als drei Sekunden hinter der Spitzengruppe. Den Grand Prix beendete er in der Verfolgergruppe als Achter.
Was fehlte also? “Das ist super einfach, wenn man sich die Analysen ansieht”, antwortete Di Giannantonio in Sepang auf diese Frage. “Man kann es ganz leicht erkennen, wirklich kinderleicht. Aber ich darf es nicht sagen.”
Von der Pace der Marquez-Brüder war er weit entfernt. Am Sonntag in Sepang merkte VR46-Teammanager Pablo Nieto an, dass “Diggias” Motorrad an Topspeed fehle. Das zeigte sich auch anhand der Daten.
Di Giannantonios bester Topspeed im Sepang-Rennen betrug 330,2 km/h. Der Durchschnittswert seiner fünf besten Topspeeds lautete 328,4 km/h. Die anderen drei Ducati-Fahrer mit der Desmosedici GP26 waren schneller.
Der beste gemessene Topspeed von Marc Marquez und Alex Marquez lag bei je 335,4 km/h. Die Durchschnittswerte ihrer fünf besten Topspeeds waren mit 334,6 km/h (Marc) beziehungsweise 334,5 km/h (Alex) praktisch identisch.
Auch der beste Topspeed von Francesco Bagnaia lag mit 334,3 km/h höher als der von Di Giannantonio. Bagnaias Durchschnittswert der fünf besten gemessenen Topspeeds betrug 333,3 km/h.
Di Giannantonio und VR46 stehen vor einem Rätsel
Am Donnerstag in Katar wurde Di Giannantonio auf den Unterschied bei diesen Werten angesprochen: “Aber ich kann nur das kontrollieren, worauf ich auch Einfluss habe. Man muss also jemanden anderen fragen, warum wir diesen Unterschied haben.”
“An mir liegt es nicht. Ich bin derselbe wie beim Test in Malaysia oder im Vorjahr hier. Im vergangenen Jahr war ich hier auf der Geraden, glaube ich, einer der Schnellsten. Ich habe weder zusätzliche Kilos auf den Rippen noch einen Arm mehr.”
“Ich fahre einfach ganz normal das Motorrad”, sagt Di Giannantonio zu dieser Thematik, “und manchmal ist man schneller, manchmal langsamer. Warum das so ist, müsst ihr jemanden anderen fragen.”
Die Bestzeit am Freitag stimmte “Diggia” wieder etwas versöhnlicher
Foto: Gold & Goose Photography/Getty Images
Der Lusail International Circuit zählt zu den besten Strecken des Italieners. 2023 wurde er mit Gresini-Ducati im Sprint Zweiter und feierte im Grand Prix seinen ersten MotoGP-Sieg, der damals seine Karriere in der Königsklasse rettete.
Im Freitagstraining stellte Di Giannantonio mit 1:50.406 Minuten dennoch einen neuen Rundenrekord auf und war der schnellste Fahrer. “Es scheint so, als wäre das Gefühl auf der Bremse und beim Einlenken in die Kurven wieder da”, sagt er dazu.
“Ich konnte so fahren, wie ich es mir vorstelle. Es stimmt schon, dass mir diese Strecke vom Grundspeed her gut liegt. Unter dem Strich haben wir gemeinsam mit dem Team aber definitiv einen richtig guten Job gemacht.”
Auch in Katar ist “Diggia” auf der Geraden im Nachteil
Auf die Frage nach dem Topspeed lautet seine Antwort lediglich: “Habt ihr Iker gesehen? Das spricht für sich.” Denn trotz der Bestzeit lag Di Giannantonios Topspeed erneut hinter den Werten der drei anderen GP26-Fahrer.
Schnellster Ducati-Fahrer war Iker Lecuona, der diesmal Alex Marquez im Gresini-Team vertritt, mit 354,0 km/h. Das war auch Bagnaias Bestwert. Marc Marquez wurde mit 352,9 km/h gemessen und Di Giannantonio mit 349,5 km/h.
Eklatant war der Unterschied beim Durchschnittswert der fünf besten gemessenen Topspeeds. Dabei kam Lecuona auf 352,9 km/h und Bagnaia auf 352,2 km/h. “Diggias” Durchschnittswert betrug 346,9 km/h. Bei Marquez waren es 349,8 km/h.
Pablo Nieto: Ducati sucht nach der Ursache
Im Laufe des Trainings sprach auch Nieto während der englischen TV-Übertragung mit MotoGP.com über das Topspeed-Problem und hielt fest, dass man die Ursache dafür noch nicht kenne und mit den Ducati-Ingenieuren daran arbeite.
“Wir arbeiten intensiv daran. 10 km/h sind in der MotoGP eine ganze Menge”, so die Worte des VR46-Teammanagers. “Wir reden hier schätzungsweise von ungefähr 30 PS, das ist also viel zu viel.”
“Wir sind an der Sache dran und arbeiten eng mit Ducati zusammen. Wir wissen, dass Ducati sich dieser Situation mit Hochdruck annimmt, denn es ist schon merkwürdig.”
Pablo Nieto betont, dass man mit Ducati an der Ursachenforschung arbeitet
Foto: Gold & Goose Photography/Getty Images
“Möglicherweise schauen wir uns auch aerodynamische Komponenten an oder die Sitzposition des Fahrers. Es können viele Dinge sein. Es ist allerdings sehr schwer zu beurteilen.”
“Wie ‘Diggia’ schon sagte: Es ist schwierig, eine klare Antwort zu geben, denn in diesem Fahrerlager ist zwei plus zwei nicht immer gleich vier. Wir wissen den Grund also noch nicht genau, arbeiten aber intensiv am Topspeed.”
“Unser größtes Problem tritt auf, sobald wir in den fünften und sechsten Gang schalten. Den ganzen restlichen Teil bekommen wir halbwegs in den Griff, aber im letzten Abschnitt der Geraden verlieren wir enorm viel.”
Trotzdem konnte Di Giannantonio die Tagesbestzeit aufstellen. Es bleibt abzuwarten, ob eine Lösung für das Topspeed-Problem gefunden wird und wie sich der Nachteil in den Rennen auswirkt.
Deshalb betonte Nieto: “Es ist erst Freitag und wir arbeiten weiter intensiv daran. Ducati nimmt diese Angelegenheit sehr ernst, weil es sowohl für uns als auch für Ducati extrem wichtig ist, der Sache komplett auf den Grund zu gehen. Eine endgültige Antwort gibt es aber noch nicht.”
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