Home International WM-Chance in Katar, doch Marc Marquez sagt: “Matchball noch fern”

WM-Chance in Katar, doch Marc Marquez sagt: “Matchball noch fern”

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Mit Platz zwei im Sprint und dem Sieg im Grand Prix hat Marc Marquez in Malaysia einen großen Schritt Richtung Weltmeistertitel gemacht. Der Ducati-Werksfahrer hat nun 44 WM-Punkte Vorsprung auf Jorge Martin und 67 auf Marco Bezzecchi.

Bereits am kommenden Wochenende könnte Marquez zum achten Mal MotoGP-Weltmeister werden. Es wäre sein insgesamt zehnter Weltmeistertitel, womit er Valentino Rossi überholen würde.

Damit er in Katar den Titel holt, müsste er 30 Punkte mehr als Martin sammeln. Ob der Aprilia-Fahrer mit seinem verletzten Handgelenk antreten wird und die Rennen bestreiten kann, bleibt abzuwarten.

Marc Marquez will jedenfalls nichts an seiner Strategie ändern: “Nun, Sieg in Malaysia klingt natürlich gut und freut mich sehr. Den Matchball sehe ich allerdings noch in weiter Ferne.”

“Es verbleiben zwar weniger Rennen, nicht mehr viele, aber noch viele Momente, die man erst überstehen muss. Wir bleiben also genauso konzentriert. Aber lasst uns lieber über die Gegenwart und die jüngste Vergangenheit hier in Malaysia sprechen.”

“Ich meine, manchmal schenkt dir das Leben besondere, einzigartige Momente. Und dieser Malaysia-GP hat mir die Chance gegeben, den Vorsprung in der Weltmeisterschaft auszubauen.”

“Du bekommst diese Chance, aber du musst sie auch nutzen. Deshalb war ich voll darauf fokussiert, das Maximum an Punkten mitzunehmen. Wir haben 34 Punkte geholt, das ist enorm wichtig für die Meisterschaft.”

Wie Alex Marquez im Vorjahr gefahren

Entscheidend waren der Start und die erste Runde. Marc Marquez setzte sich in Kurve 1 gegen Alex Marquez durch und auch dessen Attacke in Kurve 3 scheiterte. Von da an kontrollierte Marc Marquez das Rennen an der Spitze.

“Mein Ziel war es, von Beginn an zu führen, die ersten vier oder fünf Runden zu kontrollieren und dann einfach meinen Rhythmus zu fahren und die Reifen zu schonen. Ehrlich gesagt lief es am Ende beim Fahren richtig gut.”

“Ich habe das Rennen über weite Strecken genossen, war aber auch sehr, sehr müde. Es wirkt fast so, als hätte ich mir an diesem Wochenende Alex’ Fahrkünste angeeignet, denn ich bin exakt so gefahren wie er bei seinem Sieg im vergangenen Jahr.”

Marc Marquez ließ seinen Verfolgern keine Chance

Foto: Mirco Lazzari gp/Getty Images

Interessanterweise verzichtete der Ducati-Fahrer auf den kompletten Einsatz des Ride-Height-Systems am Kurvenausgang. “Ich meine, wenn du führst, kannst du dir das leisten”, sagt Marc Marquez dazu. “Wenn du Zweiter bist, nicht.”

“Ich habe also einfach versucht, die Kurvenausgänge sauber vorzubereiten. Und ja, ich habe es recht früh aktiviert, allerdings nicht voll in der Beschleunigung. Am Ende war das der beste Kompromiss.”

“Entscheidend war die Fahrweise, denn es war praktisch das erste Wochenende, an dem ich ab dem FT1 voll auf Angriff gefahren bin. Und wenn du ab dem FT1 voll attackierst, kannst du das Motorrad auch deutlich besser abstimmen.”

Trotz Hitze keine körperliche Schwäche

Trotz 36 Grad Celsius Außentemperatur und einer Luftfeuchtigkeit von 47 Prozent bekam der 33-Jährige keine körperlichen Probleme und stand das Rennen problemlos durch, auch mit Blick auf seinen rechten Arm.

Das Reifenmanagement spielte dafür eine entscheidende Rolle. “Mir war schon nach der Rennanalyse vom vergangenen Jahr klar, dass es von der Muskulatur her nicht extrem fordernd werden würde”, erklärt Marc Marquez.

Marc Marquez

Der insgesamt zehnte Weltmeistertitel ist zum Greifen nahe

Foto: Qian Jun/MB Media/Getty Images

“Die Hitze in Kombination mit dem Reifenabbau zwingt einen nämlich dazu, das Gas sehr feinfühlig zu dosieren und viel mit dem Motorrad zu arbeiten. Dadurch geht zwar der Puls nach oben, aber die Muskeln sind nicht das Hauptproblem.”

“Als ich dann Martins Problem gesehen habe, war der Moment gekommen, ab dem FT1 anzugreifen. Denn wenn die Gegner an die Box kommen und auf dem Zeitenmonitor sehen, dass du ganz vorne stehst, nimmst du ihnen auch auf mentaler Ebene dieses zusätzliche Quäntchen Selbstvertrauen.”

Marquez will kühlen Kopf bewahren

Dass er nun schon drei Rennen vor Saisonende die Chance hat, Weltmeister zu werden, war im Frühling nicht absehbar. Nach Le Mans, dem fünften Rennen, musste er sich einer Operation an der rechten Schulter unterziehen.

Sein größter WM-Rückstand betrug 102 Punkte. Seit dem Balaton Park, dem achten Rennwochenende, gewann er sieben Grands Prix. Fünfmal gewann er den Sprint und den Grand Prix und sammelte die maximal möglichen 37 WM-Punkte.

“Also, in der ersten Saisonhälfte hatte ich wegen der Nervenprobleme extrem zu kämpfen”, blickt Marc Marquez zurück. “Aber genau wie Alex es nächste Woche tun wird, muss man manchmal einen Schritt zurücktreten.”

Marc Marquez

An seiner Herangehensweise will der 33-Jährige nichts ändern

Foto: Gold & Goose Photography/Getty Image

“Nach der Krise in Le Mans war die Operation bereits für die Zeit nach dem Katalonien-GP geplant. Manchmal muss man sich eben zurücknehmen, und das war genau der richtige Zeitpunkt, denn manchmal kann man Dinge nicht erzwingen.”

“Es stimmt, dass es ab diesem Moment eher um Anpassung als um Rehabilitation ging. Ich habe einfach versucht, meinen Fahrstil umzustellen. Ich fahre anders als im vergangenen Jahr, kann aber trotzdem schnell sein.”

Denn er musste seinen Fahrstil durch das Handicap der rechten Schulter deutlich umstellen: “Es klingt seltsam, aber ich bin in Linkskurven schwächer und in Rechtskurven besser. Warum? Ich weiß es nicht.”

“Ich weiß nicht, woran es liegt, aber in Linkskurven fehlt mir die Kontrolle, während ich in Rechtskurven besser zurechtkomme. Dennoch bin ich in den Linkskurven immer noch stark unterwegs – sogar besser als rechts.”

“Ich hätte gerne noch öfter gewonnen, aber es stimmt schon: Seit meiner Rückkehr haben die Punkte, die ich mir als Ziel gesetzt hatte, im Grunde immer gepasst. Und das Wichtigste ist, es wie ein Rennpferd mit Scheuklappen zu machen.”

“Man darf nicht nach links und rechts schauen. Mach einfach deinen Job, dreh ab und zu kurz den Kopf, um aus dem Augenwinkel die Lage zu peilen, aber vertraue vor allem deinem eigenen Instinkt”, sagt er über seine Herangehensweise.

“Man muss sich an das anpassen, was in der jeweiligen Situation möglich ist. Und so, wie meine sportliche Karriere bisher verlaufen ist, kann ich aktuell kein Hitzkopf sein. Ich darf nicht mehr so impulsiv agieren.”

“Wenn ich bis zum Schluss um diese Weltmeisterschaft kämpfen will, muss ich ein kühler und kalkulierender Fahrer sein.” Der Sieg in Malaysia war bereits sein 80. Sieg in der Königsklasse. Es fehlen nur noch neun auf die Rekordmarke von Rossi.

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