Vom Abstellgleis zu einem der möglicherweise bestbezahlten Fahrer im Formel-1-Feld und einer absoluten Stütze: Sergio Perez’ Karriere hat bei Cadillac einen neuen Aufschwung erlebt. Der Mexikaner hatte nach einem Jahr Auszeit beim Neuling ein Comeback gefeiert und wurde jüngst mit einer Vertragsverlängerung um drei Jahre belohnt.
Laut einem Bericht von ESPN umfasst sein neuer Vertrag ein Gesamtpaket von mehr als 100 Millionen US-Dollar. Damit würde der Mexikaner in eine Gehaltsliga aufsteigen, in der nur wenige Formel-1-Fahrer mit ihm mithalten können.
Perez selbst lässt die Diskussion um sein Gehalt gelassen an sich abprallen. In der Medienrunde beim Grand Prix von Sao Paulo wird er auf Gerüchte angesprochen, wonach ihn sein neuer Vertrag unter die fünf bestbezahlten Fahrer im Feld bringen soll.
“Cadillac weiß am Ende genau und versteht, auf welchem Niveau der Fahrer fährt. Wer die Formel 1 wirklich versteht, kennt das Niveau, auf dem ich fahre und auf dem ich in den letzten Jahren gefahren bin”, sagt der 36-Jährige. “Einerseits bin ich also völlig entspannt. Und andererseits versteht Cadillac auch die Situation, in der ich mich befinde, absolut perfekt.”
Perez wird bei Cadillac zum Topverdiener
Die von ESPN Digital berichtete Summe von mehr als 100 Millionen Dollar für drei Jahre setzt sich aus dem Grundgehalt und möglichen Leistungsboni zusammen. Im Jahresdurchschnitt wären das mehr als 33 Millionen Dollar.
Damit würde Perez laut der Einordnung des Berichts zu den sechs bestbezahlten Fahrern der Formel 1 gehören. Nur Max Verstappen, Lewis Hamilton, Lando Norris, Fernando Alonso und Charles Leclerc sollen demnach mehr verdienen.
Der Vertrag ist damit der lukrativste in der Karriere des Mexikaners. Zum Vergleich: Laut der Forbes-Schätzung für 2024 erhielt Perez bei Red Bull zwölf Millionen Dollar Grundgehalt und weitere 7,5 Millionen Dollar an Erfolgsprämien. Sein damaliges Einkommen auf der Strecke belief sich demnach auf 19,5 Millionen Dollar. In der entsprechenden Rangliste lag er auf Platz acht.
Auch 2025 kassierte Perez noch Geld von Red Bull, obwohl er in diesem Jahr kein Rennen bestritt. Der bis 2026 laufende Vertrag wurde vorzeitig beendet, der Rennstall musste ihm eine Abfindung für die verbleibenden zwei Jahre zahlen. Perez selbst beschrieb die Zahlung als ein Gehalt, “als wäre ich gefahren”.
Bei Cadillac ist seine Rolle nun eine andere: Er soll das neue Team nicht nur sportlich voranbringen, sondern auch als erfahrene Referenz für die Entwicklung des Autos dienen. Dass der Rennstall ihm dafür ein entsprechend umfangreiches Paket bietet, unterstreicht die Bedeutung, die man dem Mexikaner beim Aufbau des Projekts beimisst.
Szafnauer: Perez braucht einen jungen Teamkollegen
Diese Rolle sollte eigentlich auch Valtteri Bottas einnehmen, doch der Finne kann zu selten die Leistungen seines Teamkollegen mitgehen und steht unter Druck. Im Gegensatz zu Perez ist sein Cockpit für 2027 noch nicht bestätigt, während Cadillac als Nachfolger Colton Herta im Blick hat – trotz schwacher Leistungen in der Formel 2.
Ein Anzeichen dafür ist, dass der Rennstall mit aller Macht versucht, dem Amerikaner die notwendigen Punkte für die Superlizenz zu verschaffen, weswegen man ihn schon sechsmal im Freien Training hat fahren lassen – viermal hätte ausgereicht, um die verpflichtenden Rookieeinsätze, die jedes Team vornehmen muss, abzuleisten.
Mit dem Training in Sao Paulo dürfte Herta jetzt die magische 40-Punkte-Marke geknackt haben, doch der frühere IndyCar-Pilot erfährt immer wieder reichlich Gegenwind. Sergio Perez hatte sich für einen erfahrenen Teamkollegen ausgesprochen, und Ralf Schumacher betonte am Freitag sogar, dass Herta in der Formel 1 “nichts zu suchen” hat.
Schon vor einem möglichen Formel-1-Debüt in der Kritik: Colton Herta
Foto: LAT Images
Otmar Szafnauer, früher Perez’ Teamchef bei Force India, hält einen jungen Fahrer für eine gute Lösung, sollte man Bottas nicht behalten: “Checo ist in der Lage, dir zu zeigen, wo die Limits des Autos liegen. Und mit dem jungen Kerl an seiner Seite kannst du bereits damit beginnen, ihn für in drei Jahren vorzubereiten – wenn Checo nicht mehr da ist oder seine Karriere beendet – und ihn auf Speed bringen”, erklärt er.
Allerdings würde er sich für einen anderen Piloten als Herta entscheiden: “Ich würde einen Tsolov, einen Lawson oder einen Lindblad nehmen. Ich würde einen von ihnen nehmen”, sagt er.
Entscheidend sei, dass zumindest ein Fahrer im Team zuverlässig einschätzen könne, wie konkurrenzfähig das Auto tatsächlich ist. “Was du auf keinen Fall willst, ist, dass keiner der beiden Fahrer in der Lage ist, dir zu zeigen, wie gut das Auto wirklich ist. Und wenn du erst einmal einen davon hast, kannst du auf dem anderen Sitz genauso gut jemanden aufbauen. Erst recht, wenn du Cadillac bist.”
Herta nicht automatisch die beste Wahl?
Bei Herta ist Szafnauer hingegen nicht überzeugt: “Vielleicht ist Colton nicht der richtige Mann; das müssen sie entscheiden. Weißt du, ich mag Colton, aber du brauchst jemanden mit riesigem Potenzial. Wenn da draußen noch ein Kimi Antonelli ist, würde ich den nehmen.”
Als Vorbild führt er Mercedes-Teamchef Toto Wolff an. Die Kombination aus George Russell als etablierter Referenz und dem jungen Kimi Antonelli sei aus seiner Sicht genau der richtige Ansatz gewesen. “George ist gut genug, um dir zu zeigen, wo das Auto steht; George ist phänomenal. Indem man also einen jungen Kerl dazuholt, riskiert man die Entwicklung des Autos überhaupt nicht.”
Fehlt eine solche Referenz, könne das sogar Auswirkungen auf die Arbeit in der Fabrik haben. “Es demotiviert die Fabrik. Denn dann sagen alle: ‘Oh, ihr seid langsam’, und die Ingenieure antworten: ‘Nein, das liegt am Fahrer’ – und schon hat man diese Reibereien. Wenn du aber einen Kerl hast, der dir zeigen kann, wo das Auto steht, räumst du all das komplett aus dem Weg.”
Perez’ Vermächtnis: Türen für Lateinamerikaner geöffnet
Wie groß die Bedeutung von Perez für den Motorsport in seiner Heimat ist, betont auch Carlos Slim Domit. Der mexikanische Manager, der Perez’ Karriere über viele Jahre begleitet hat, verweist auf dessen sportliche Erfolge und die Signalwirkung für nachfolgende Generationen.
“Er wurde Vizeweltmeister und zweifacher Team-Champion. Ich glaube fest daran, dass er Türen für viele Fahrer geöffnet hat, die nach ihm kommen”, sagt Slim Domit.
Perez habe gezeigt, dass der Sprung in die europäische Motorsportspitze auch für Fahrer aus Lateinamerika möglich ist. “Es gibt jetzt viele Piloten, die in Europa großartige Arbeit leisten, und nun ja: Er hat gezeigt, dass es möglich ist. Man muss viele Opfer bringen, extrem hart arbeiten und darf niemals aufgeben – aber der Beweis liegt auf dem Tisch, dass man es erreichen kann.”
Als prägendstes Rennen seiner Karriere hebt Slim Domit den Sieg beim Großen Preis von Sachir 2020 hervor. Perez hatte damals keinen Vertrag für die folgende Saison und lag nach einer Kollision in der ersten Runde zunächst am Ende des Feldes. Mit einer starken Aufholjagd fuhr er dennoch zum Sieg – seinem ersten in der Formel 1.
“Zu sehen, wie er weit vorne startete, getroffen wurde, ans Ende des Feldes zurückfiel und – als alles verloren schien – mit einer unglaublichen Pace zur Aufholjagd ansetzte, um in seinem (vor)-letzten Rennen für das Team, bei dem so viel auf dem Spiel stand, von ganz hinten zu siegen: Ich denke, das war das wichtigste Rennen seiner Karriere”, sagt Slim Domit.
Perez sieht Cadillac auf manchen Strecken bereits näher dran
Von solchen Ergebnissen ist Perez bei Cadillac weit entfernt. Der amerikanische Neueinsteiger konnte noch kein einziges Mal in die Top 10 fahren und hatte lediglich eine realistische Chance auf Punkte: beim Rennen in Monaco, als eine nachträgliche Strafe gegen Perez jedoch kostspielig war.
Sportlich ist der Blick des Mexikaners längst auf die kommende Saison gerichtet. Mehr als Einzelerfolge dürften in dieser Saison nicht mehr drin sein, zumal Cadillac die Entwicklung des MAC-26 längst eingestellt hat: Seit Österreich habe man das Auto nicht mehr angefasst.
Trotzdem konnte vor allem Perez immer wieder punktuell mit der Konkurrenz mithalten und in Mexiko sogar zeitweise Williams und Audi ärgern. “Auf manchen Strecken arbeiten wir uns Stück für Stück heran”, sagt er. “Und auf anderen Strecken nehmen sie uns vielleicht eine Sekunde ab.”
In Brasilien wird Perez nach einer Motorenstrafe von ganz hinten starten und dürfte hoffen, dass das Wetter am Sonntag für Chaos sorgt. Für die verbleibenden Rennen erwartet er aber keine großen Sprünge mehr. Umso größer ist die Hoffnung auf das neue Auto für 2027: “Ich hoffe daher wirklich sehr, dass wir nächstes Jahr mit einem sehr konkurrenzfähigen Paket hierherkommen können.”
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